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Wikis sammeln immer neue Plagiats-Vorwürfe gegen Politiker

12.04.2011 | 15:41 Uhr |

Nach GuttenPlag nun Vroni-Plag: Erneut sammeln Internet-Nutzer in einem Wiki Hinweise auf Plagiate in Doktorarbeiten. Unter anderem in der Dissertation der FDP-Politikerin Koch-Mehrin.

Als erster bekam der Ex-Bundesverteidigungsminister und Ex-Doktor-Titelträger Karl-Theodor zu Guttenberg die Macht des Internets zu spüren: Auf GuttenPlag sammelten eifrige Helfer jede nur denkbare Stelle aus der Dissertation des Freiherrn, die unter Plagiatsverdacht stand. Das (vorläufige) Ende ist bekannt: Guttenberg trat von seinem Amt zurück und verabschiedete sich mit Smoke on the Water von der Bundeswehr . Mittlerweile streitet Guttenberg mit der Universität Bayreuth darüber, ob diese ihren Untersuchungsbericht veröffentlichen darf. Der sonst so Medien-gewandte Guttenberg sieht nämlich dadurch seine Persönlichkeitsrechte verletzt.

Nach Guttenberg kam Dr. Veronica Saß an die Reihe. Der Name sagt Ihnen nichts? Nun, bei der Dame handelt es sich um die Tochter des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber. Auch sie soll bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben haben, wie man auf VroniPlag nachlesen kann . VroniPlag ist genauso wie GuttenPlag ein Wiki, auf dem freiwillige Helfer alle Stellen zusammenstellen, die abgeschrieben sein sollen. Doch die Stoiber-Tochter, die als Rechtsanwältin arbeitet, befindet sich auf VroniPlag nicht allein. Ein Dr. Matthias Pröfrock leistet ihr dort Gesellschaft – der CDU-Landtagsabgeordneter aus Baden-Württemberg soll ebenfalls abgeschrieben haben .

Seit kurzem nimmt VroniPlag die Dissertation von Dr. Silvana Koch-Mehrin unter die Lupe . Koch-Mehrin sitzt für die FDP im Europa-Parlament; sie sah sich in der Vergangenheit mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie ihren Aufgaben als Europaabgeordnete eher verhalten nachkommen würde. Und nun der Plagiatsvorwurf: Anders als die Dissertation von Guttenberg wurde ihre Arbeit zwar nur mit cum laude bewertet – eine eher durchschnittliche Note für eine Doktorarbeit. Aber abschreiben darf man selbst mit einer derart mäßigen Benotung nicht. Wobei darauf hingewiesen werden muss, dass die Universität Heidelberg, an der Koch-Mehrin promoviert hat, noch kein Urteil gefällt hat, sondern die Dissertation derzeit prüft. Eine Vorverurteilung sollte also unterbleiben, es sollte zunächst das Ergebnis der Untersuchung durch die Universität Heidelberg abgewartet werden.

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