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Gute Platzierungen gegen Cash

07.02.2001 | 16:13 Uhr |

Die besten Platzierungen auf unter seinen Suchergebnissen will sich Yahoo.com künftig zum Teil bezahlen lassen. Für einen Betrag zwischen 25 und 300 Dollar können sich Unternehmen dann einen vorderen Platz in den Ergebnislisten bei Yahoo sichern.

Die besten Platzierungen auf unter seinen Suchergebnissen will sich Yahoo.com künftig zum Teil bezahlen lassen. Für einen Betrag zwischen 25 und 300 Dollar können sich Unternehmen dann einen der vorderen Plätze in den Ergebnislisten bei Yahoo sichern, wie unsere Partnerzeitschrift Computerwoche berichtet.

Bisher wurden die Suchergebnisse ausschließlich nach ihrer Relevanz oder alphabetisch sortiert. Doch dies soll sich bald ändern. Der Preis richte sich dann nach der Beliebtheit der jeweiligen Kategorie.

Der Wettbewerb zwischen den Portal- und Suchmaschinenanbietern wird zunehmend härter. Geldgeber zögern mit weiteren Investitionen, die Werbeeinnahmen schrumpfen und die Profite sinken. Unternehmen wie Yahoo müssen daher neue Finanzierungsquellen erschließen. Ob dieser Weg bei den Nutzern der Suchmaschine auf Wohlwollen stößt, darf jedoch bezweifelt werden.

"Ganz leise", wie wired.com es formulierte, hatte yahoo.com in den USA sein "Sponsored Sites"-Programm gestartet. Wie man auf der Website von Yahoo lesen kann, ist "Sponsored Sites" ein gebührenpflichtiger Service, der es kommerziellen Seiten, die bereits im "Business and Economy/Shopping and Services" oder "Business and Economy/Business to Business"-Verzeichnis von Yahoo verzeichnet sind, ermöglicht, eine bessere Platzierung in diesen Kategorien zu erreichen". Allerdings versichert Yahoo, dass diese Möglichkeit des "Einkaufens" eines günstigen Listenplatzes nur für die genannte Kategorie besteht.

Die derart eingekauften "Plätze" werden in einem eigenen Rahmen optisch zusammengefasst und durch den Zusatz "sponsored" kenntlich gemacht. Darunter stehen dann die eigentlichen, alphabetisch sortierten Suchergebnisse, bei denen gesponsorte Anbieter durch einen Zusatz markiert werden. Bisher waren alle Suchergebnisse streng alphabetisch aufgelistet.

In den USA ist dieses Programm bereits angelaufen. Auf die Anfrage der PC-WELT bei Yahoo.de wollte man sich zu den längerfristigen Plänen von Yahoo nicht äußern: "Grundsätzlich ausschließen können wir nichts." Doch bestehen im Management von Yahoo.de große Zweifel an der "Marktreife" dieses Programms in Deutschland. Man versicherte uns, dass zumindest kurzfristig keine derartigen Absichten bestünden. Yahoo.de habe ein eigenes Management und könne seine Entscheidungen deshalb selbst treffen.

Während man also bei Yahoo.de die Bedeutung dieses Falls herunterspielen möchte und die Beschränkung auf eine Kategorie betont, sieht das Danny Sullivan, Herausgeber des Search Engine Watch, ganz anders: "Es ist eine dramatische Änderung. Es ist revolutionär. Yahoo hat nie zuvor gesagt, dass man sich den Platz an der Spitze der Seite kaufen kann."

Doch in Wirklichkeit ist das Vorgehen von Yahoo keineswegs einzigartig. Sullivan zufolge haben alle großen Suchmaschinen, Verzeichnisse und Portale ein ähnliches Programm, so auch Lycos und Google. Yahoo sei sogar der letzte Anbieter, der dies einführe.

Wieso die Neuerungen? Noch vor einigen Jahren sei es sehr schwierig gewesen, gegen Bezahlung einen Top-Platz auf der Ergebnis-Seite einer Suchmaschine zu bekommen. Angesichts rückläufiger Einnahmen sind jedoch inzwischen die gegenüber derartigen Programme geschwunden.

Solange eingekaufte Spitzenplätze deutlich kenntlich gemacht sind, kann dies noch akzeptabel erscheinen. Problematisch würde es allerdings, wenn in Zukunft Suchmaschinen-Ergebnisse nur noch gegen Cash vergeben würden, ohne dies den Nutzern offen zu legen. (PC-WELT, 07.02.2001, hc)

www.wired.com

http://sponsoredsites.yahoo.com

Neonazi-Websites gelöscht (PC-WELT Online, 06.02.2001)

Yahoo: Übernahme oder Zusammenarbeit? (PC-WELT Online 21.01.2001)

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