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Günstigere Preise, mehr Wettbewerb

08.06.2000 | 16:01 Uhr |

Da Microsoft Berufung gegen das Urteil angekündigt hat, ist mit der beschlossenen Aufteilung erst in zwei oder drei Jahren zu rechnen. Auf die PC-Branche wird sich das Urteil aber schon früher auswirken. So werden die PC-Hersteller nicht mehr gezwungen sein, nur Windows als Betriebssystem anzubieten. Sie werden in Zukunft mehr Einfluss darauf haben, wie ein System konfiguriert ist und praktisch jedes beliebige Betriebssystem anbieten können - ohne Nachteile befürchten zu müssen. Und von all diesen Dingen werden letztlich die Verbraucher profitieren.

Nach dem Urteil (siehe unten "Harte Strafen für Microsoft") im Microsoft-Prozess wird sich zunächst einmal nichts ändern - zumindest nicht für Microsoft selbst. Die Anwälte des Konzerns haben angekündigt, in Berufung zu gehen. Somit stünde eine Aufteilung erst in drei Jahren zur Debatte. Die Restriktionen bezüglich der Konzernleitung müssen allerdings schon im September dieses Jahres realisiert werden, da der von Microsoft geforderte Aufschub abgelehnt werden dürfte.

Direkte Auswirkungen wird das Urteil vor allem für die PC-Hersteller haben. Sie werden nicht mehr gezwungen sein, nur Windows als Betriebssystem anzubieten. Außerdem werden sie in Zukunft mehr Einfluss darauf haben, wie ein System konfiguriert ist: Sie entscheiden, wie die Start-Fenster aussehen, welche Systemeinstellungen eingestellt sind oder auf welche Art und Weise der Käufer seinen Internet-Zugang einrichten kann.

War zum Beispiel bisher bei der Installation von Windows 98 von Haus aus eine Verknüpfung zum eigenen Internet-Dienst MSN auf dem Desktop, so ist es Microsoft in Zukunft untersagt, sich solche Vorteile zu verschaffen. Nach dem Urteil dürfen die PC-Hersteller selbst entscheiden, was auf dem Desktop des Käufers erscheinen soll. So wird es ihnen auch möglich sein, ein System zu verkaufen, das nur im Kern auf dem Betriebssystem Windows basiert. Das Wort "Microsoft" bräuchte dann nirgends mehr aufzutauchen.

Auch Hersteller anderer Betriebssysteme - etwa Linux - profitieren von dem Urteil. Alle Abmachungen, exklusiv nur Windows zu einem neuen PC zu verkaufen, sind in Zukunft unwirksam. Die PC-Hersteller können also jedes beliebige Betriebssystem anbieten - ohne Nachteile befürchten zu müssen. Nach der Aufteilung könnte Microsoft sogar gezwungen werden, seine Anwendungen auch für andere Betriebssysteme zu entwickeln. Eine größere Auswahl würde auch günstigere Preise für den Verbraucher bedeuten. (PC-WELT, 08.06.2000, pk)

Harte Strafen für Microsoft

Hintergundinfos zum MS-Prozess

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