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Grüne: Mehr Frauen in IT-Berufen

18.02.2001 | 16:09 Uhr |

Vor der Benachteiligung von Frauen beim Zugang zu den neuen Informationstechnologien (IT) haben führende Politikerinnen der Grünen beim Bundesfrauenkongress ihrer Partei in Mainz gewarnt.

Vor der Benachteiligung von Frauen beim Zugang zu den neuen Informationstechnologien (IT) haben führende Politikerinnen der Grünen beim Bundesfrauenkongress ihrer Partei in Mainz gewarnt.

Die Chancen der neuen Technologien dürften nicht alleine den Männern zugute kommen, sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Kerstin Müller, am Samstag bei dem Kongress "fem@@@l the future - Frauen in der Informationsgesellschaft". Frauen seien heute vielfach nur Anwenderinnen der neuen Techniken, während überwiegend Männer die Technologie bestimmten und weiter entwickelten. Dies dürfe nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen.

"Wenn Frauen und Mädchen den Anschluss an IT nicht verpassen wollen, dann müssen sie den gleichen Zugang zu den Technologien bekommen wie Männer und Jungen", forderte Müller. Dies sei vor allem eine bildungspolitische Herausforderung. Alle Schülerinnen und Schüler müssten am Ende ihrer Schulzeit den Umgang mit Computer und Internet ebenso gut beherrschen wie Rechnen, Schreiben und Lesen. Auch bei der Berufswahl müssten Frauen stärker für die neuen IT-Berufe gewonnen werden. Der Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften werde weiter steigen.

Die scheidende Bundesvorsitzende der Grünen, Renate Künast, sprach von einem Nachholbedarf bei der Ausbildung und der Berufstätigkeit von Frauen in der IT-Branche. Einerseits würden mit der Green Card kreative Menschen nach Deutschland geholt, andererseits werde hier zu Lande nicht genügend ausgebildet. "Die wenigen, die es dann gibt, werden abgeworben und gehen in die USA", sagte Künast. Die Chancen für Frauen, in die neuen Bereiche einzusteigen, müssten auch mit speziellen Aus- und Weiterbildungsanboten verbessert werden.

Müller verwies auf Schätzungen von Wirtschaftswissenschaftlern, denen zufolge bis Ende dieses Jahrzehnts bis zu 750 000 neue Arbeitsplätze in der IT-Branche in Deutschland entstehen könnten. Bis zum Jahr 2003 wolle die Bundesregierung gemeinsam mit der Wirtschaft 60 000 neue Ausbildungsplätze in diesem Bereich anbieten. Bislang sei offen, "ob auch die Mehrheit der Frauen diese Chancen nutzen können", sagte Müller. Deshalb sei eine "Qualifizierungsoffensive" für Mädchen und Frauen notwendig, um die digitale Spaltung in der Gesellschaft nicht zu zementieren.

Die Vorsitzende des Bundeselternrats, Renate Hendricks, forderte eine bessere Fortbildung von Lehrerinnen für den Umgang mit der Informationstechnologie. Computer an Schulen seien immer noch eine Männerdomäne. "Da können sie ihr Platzhirschgehabe austoben", sagte Hendricks. Alle Lehrerinnen sollten den europäischen Computerführerschein erwerben, um die neuen Techniken sinnvoll im Unterricht einsetzen zu können. (PC-WELT, 18.02.2001, dpa/ pk)

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