166178

Kostenlose Web-Mailer locken auch Unternehmen

25.04.2008 | 13:30 Uhr |

Mit Google Mail und ähnlichen Diensten, die E-Mail und Collaboration kostenlos bieten, geraten klassische Groupware-Anbieter wie Microsoft und IBM Lotus in Bedrängnis.

Immer häufiger stehen Software-Anbieter unter Argumentationszwang, wenn es darum geht, Unternehmen eine E-Mail- und Collaboration-Lösung wie Lotus Notes oder Microsoft Exchange schmackhaft zu machen. Denn die selben Funktionen findet man heute kostenlos bei Google Mail und Konsorten.

"Unternehmen haben die Nase voll. Die Kosten für Lizenzen und Ressourcen schießen in die Höhe. IT-Leiter suchen nach billigeren und einfacher verwaltbaren E-Mail-Lösungen", fasst Karen Hobert , Analystin der Burton Group , auf ihrem Blog die Stimmung vieler Anwender zusammen. Und dieser Frust kombiniert mit dem Sparzwang in vielen Organisationen ist Wasser auf die Mühlen von Google und dessen E-Mail-Dienst Google Mail (hierzulande: Googlemail). "Die Aussicht, durch den Web-Dienst viel Geld sparen zu können, überwiegt das (vielleicht ungute Gefühl) seine E-Mails nicht mehr selbst zu verwalten".

Anbieter kommerzieller E-Mail-Software seien mit Schuld an der Verstimmung. So würden Anwender beispielsweise oft über die komplizierte Lizenzpolitik und komplexe Server-Verwaltung von " Microsoft Exchange " klagen. Selbst eine extern betriebene Exchange-Lösung sei im Vergleich zu anderen E-Mail-Angeboten im Hosting-Verfahren immer noch teurer, sagte Hobert. Zahlten Unternehmen durchschnittlich 15 Dollar pro Nutzer und Monat für einen externen Exchange-Arbeitsplatz würde beispielsweise der E-Mail-Anbieter Zimbra nur rund fünf Dollar pro Monat verlangen. "Das sind 120 Dollar im Jahr, die ein Unternehmen pro Nutzer spart".

Outlook als Google-Client
Zudem werde Google in absehbarer Zeit den Umstieg erleichtern, indem Unternehmen intern weiter ihre Outlook-Clients nutzen können und nur die Server-Infrastruktur aufgeben (siehe auch API hilft bei der Migration von Outlook zu Googlemail) . Die Trennung von E-Mail-Server und E-Mail-Client würde es der IT erleichtern, auf Google und andere umzusteigen, ohne die Endanwender zu verärgern oder schulen zu müssen (siehe auch " Online-Collaboration am Schreibtisch im Web "). Anbieter wie PostPath, Novell und Zimbra bieten bereits entsprechende Outlook-Konnektoren für ihre E-Mail-Server (siehe auch die Übersicht im Computerwoche Wiki zu Mail Servern ).

90 Prozent Einsparungen bei E-Mails
Kunden hätten der Burton Group berichtet, dass sie durch den Umstieg auf Google Apps , zu denen Googlemail gehört, ihre bisherigen E-Mail-Kosten (Exchange und andere kommerzielle Produkte) um 90 Prozent senken konnten. Angesichts eines solchen Einsparpotenzials wird klar, warum Google eine solche durchschlagend Wirkung im Markt hat. Trotzdem sollten Unternehmen alle Aspekte eines Umstiegs in Ruhe bewerten und auch andere Hosting-Angebote vergleichen. Googlemail hat immer noch einen Beta-Status. Die IT sollte auch die möglichen Probleme eines Wechsels bedenken, beispielsweise welche Verfügbarkeit des Dienstes man benötigt.

Ebenso sehen Experten in den Google Apps derzeit in erster Linie ein Alternativangebot zu Office-Paketen für kleine und mittelständische Firmen. Großunternehmen würden aber zunehmend Interesse zeigen. Die wesentlich geringeren Kosten von Googlemail sind derzeit ein Argument, an dem man kaum vorbeikommt, so Hobart (siehe auch " Neue Google-Apps-Version umgeht die IT-Abteilung "). Microsoft und andere könnten dem entgegenwirken, indem sie ihre Preise senken. "Würde es, sagen wir mal, eine gehostete Exchange-Lösung für 40 Dollar pro Nutzer und Jahr geben, würden die Telefone bei Microsoft und seinen Partnern nicht mehr still stehen". (as)

0 Kommentare zu diesem Artikel
166178