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Großbritannien erwägt Zensur "nicht-konventioneller Sexual-Praktiken"

25.11.2016 | 14:31 Uhr |

Das britische Parlament berät derzeit über einen Gesetzenwurf, der "nicht-konventionelle Sexual-Praktiken" im Internet zensieren will.

Mit dem so genannten Digital Economy Bill berät das britische Parlament derzeit über einen neuen Gesetzentwurf. Das Gesetz soll unterschiedliche Internet-Regeln aufstellen und unter anderem zum Jugendschutz beitragen.

Ein Teilbereich des Digital Economy Bill befasst sich mit "nicht-konventionellen Sexual-Praktiken". Webseiten, die derartige Videos hosten, sollen künftig durch eine Sperre von Nutzern aus Großbritannien nicht mehr angesurft werden können. Zu verbotenen oder nicht-konventionelle Pornos zählen alle Filme, die vom British Board of Film Classification (BBFC) nicht für den kommerziellen DVD-Vertrieb zugelassen wurden. Wird der Gesetzentwurf bewilligt, könnten Provider künftig dazu gezwungen werden, den Online-Zugriff auf diese Pornos zu sperren.

Eine weitere Regelung des Gesetzentwurfs sieht außerdem strikte Alterskontrollen vor, die verhindern sollen, dass Minderjährige auf Porno-Seiten zugreifen können. Als Folge müssten Anbieter ganze Bereiche ihrer Online-Portale für britische Nutzer unzugänglich machen.

Verfechter der Meinungsfreiheit bezeichnen den Gesetzentwurf als „lüsternen“ Eingriff in das private Sexleben der Briten. Es sollte die Regierung rein gar nichts angehen, welche Art von Pornos sich erwachsene Menschen ansehen, betont Jodie Ginsberg, Leiterin der Initiative Index on Censorship .

Mit Rückblick auf die harte Zensur in Großbritannien vor der Internet-Ära könnten laut dem Guardian auch bereits eher „harmlose Sexualpraktiken“ unter den Bann fallen. Dazu zählen unter anderem Hinternversohlen, Sex-Praktiken mit weiblicher Ejakulation oder auch Sex in der Öffentlichkeit. Eine offizielle Liste mit vom BBFC unerwünschten Sexpraktiken existiert zwar nicht. Filmproduzenten wurden jedoch bereits gezwungen, derartige Szenen zu schneiden, wenn sie eine Freigabe haben wollten.

Die Briten haben bereits Erfahrung mit Porno-Filtern ihrer Regierung gesammelt.

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