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Online-Schulen als Schweinegrippe-Notfallplan

26.07.2009 | 14:29 Uhr |

Angesichts der sich ausbreitenden Schweinegrippe arbeiten Behörden in Großbritannien an einem Notfallplan für Schulkinder. In Erwägung gezogen werden "virtuelle Schulen" und Einrichtungen wie "Hausaufgaben per Post". Wie die BBC berichtet, wurde auf der Insel auch überlegt, die Ferien zu verlängern, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, ehe ein Impfstoff weitflächig zur Verfügung steht.

Von Lehrerseite hält man allerdings wenig davon. Sollte es trotzdem tatsächlich dazu kommen, dass die Schulen vorerst geschlossen bleiben, so zeigt sich die Lehrerschaft bereit, "alles zu tun, um die Schulstunden auf irgendeine Weise fortzusetzen". Die Behörden wollen Maßnahmen wie die Schließung von Schulen zwar nur im äußersten Notfall umsetzen. Einen Plan für den "Worst Case", der in Zusammenarbeit mit Lehrern ausgearbeitet wird, müsse es aber auf jeden Fall geben, heißt es von offizieller Seite.

Dass virtuelle Schulen und das Lernen über Online-Plattformen einen adäquaten Ersatz für den klassischen Unterricht bieten könnten, wird hierzulande von Lehrerseite bezweifelt, sei aber besser als überhaupt keine Schulstunden, wie Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbands , gegenüber pressetext anmerkt. "Im Grunde können hier jedoch nur Arbeitsaufträge der Lehrer, deren Erledigung durch Schüler und Korrekturen ausgetauscht werden", meint Kraus. Entsprechendes fände an deutschen Schulen auch schon statt, vor allem wenn es sich um längerfristig erkrankte Schüler handle. Der herkömmliche Unterricht sei so aber allenfalls ergänzbar. "In den herkömmlichen Unterricht kann sich der Schüler als Ganzheit einbringen. Im Dialog können Sachverhalte erarbeitet werden, es kann eine unmittelbare Rückmeldung durch den Lehrer erfolgen", erläutert Kraus.

Auch die britischen Lehrervertreter weisen bereits jetzt ausdrücklich daraufhin, dass ein Online-Unterricht keinesfalls dieselben Arbeitsmöglichkeiten bieten würde wie der klassische Unterricht. "Schulen geschlossen zu halten, hätte einen schädlichen Effekt auf die Bildung der Kinder. Sie wären nicht in der Lage, so zu arbeiten wie in der Schule", sagt Martin Ward von der Association of School and College Leaders ( ASCL ). Doch die Entscheidung liege nun einmal bei der Regierung und wenn diese bedeuten würde, dass dadurch zahlreiche Leben gerettet würden, dann wären die Schulen dazu bereit, das Möglichste zu tun, um den Kindern ihre Schulaufgaben zuhause zukommen zu lassen. Was in jedem Fall verloren gehen würde, wären erzieherische Aufgaben des Unterrichts. "Online ist es nicht möglich, erzieherisch zu wirken und Kommunikations- oder Kooperationsverfahren einzuüben", hält Kraus im pressetext-Interview fest. (pte)

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