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Umweltschäden durch PC-Recycling

19.11.2007 | 14:44 Uhr |

Wenn man alte PCs, Mobiltelefone und anderen Elektronikmüll korrekt zum Recycling gibt, sollte man eigentlich ein reines Gewissen haben. Eigentlich. Denn die Umstände, unter denen derart vorbildlich eingesammelter Elektroschrott zerlegt und der Wiederverwertung zugeführt wird, stellen oft ihrerseits eine schwere Umweltbelastung dar und gefährden die Gesundheit der daran beteiligten Personen.

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA werden alte Rechner, Drucker und Scanner sowie ausrangierte Elektrogeräte gesammelt und der Wiederverwertung zugeführt. Doch was als Umweltschutzmaßnahme gedacht ist, schädigt in vielen Fällen die Umwelt und die Gesundheit der am Recycling beteiligten Personen.

Die eingesammelten Alt-PCs werden nämlich mitunter nicht in der westlichen Hemisphäre zerlegt und wiederverwertet. Denn hierzulande gelten dafür strenge Umweltschutzvorschriften und Gesundheitsschutzrichtlinien. Also karrt man den Elektromüll rund um den Globus nach Afrika oder Asien, wo willige Arbeitskräfte für Hungerlöhne und nahezu ohne Schutzmaßnahmen das Zerlegen übernehmen.

Exakte Zahlen zu diesem Mülltourismus sind kaum erhältlich. US-Umweltschützer vermuten, dass 50 bis 80 Prozent der jährlich in den USA anfallenden 300.000 bis 400.000 Tonnen Elektromüll die Vereinigten Staaten Richtung Afrika und Asien verlassen. In China, Indien und Nigeria rücken dann Menschen ohne spezielle Ausbildung und zumeist ohne spezielle Schutzkleidung mit einfachen Hämmern, Schneidbrennern und mit bloßen Händen dem IT- und Elektronikschrott zu Leibe. Dabei werden Unmengen von Schwermetallen und anderen Giftstoffen freigesetzt - die die Arbeiter natürlich einatmen beziehungsweise über die Haut aufnehmen. Ein US-Umweltschützer fasst das treffend mit folgenden Worten zusammen: Wir schützen unsere eigene Umwelt und verseuchen damit den Rest der Welt."

Mittlerweile senden betroffene Staaten den Schrott teilweise zurück. So wurden beispielsweise kürzlich in Hongkong entdeckte Container, die randvoll mit alten PC-Monitoren und TV-Geräten waren, kurzerhand in die Vereinigten Staaten zurückgeschickt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2007 wiesen die Behörden von Hongkong 85 Container mit Elektromüll zurück, 20 davon stammten aus den USA, wie CNN berichtet.

Die am Müllexport beteiligten Unternehmen weisen natürlich jede Schuld von sich. Sie argumentieren zumeist derart, dass die Oldie-PCs ja überhaupt nicht zerlegt werden sollen, sondern in den Empfängerstaaten einfach weiterverwendet werden würden. Deshalb drohe durch diesen Mülltourismus keine Umweltverschmutzung. Dem widersprechen jedoch US-Umweltschützer: Die Firmen, die Alt-PCs aufkaufen, würden überhaupt nicht überprüfen, ob ihre Geräte noch funktionieren. Dementsprechend sei deren weiterer Einsatz gar nicht erst geplant.

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