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E-Waste verlangt nach globalem Recyclingkonzept

04.07.2009 | 13:46 Uhr |

Ab 2012 müssen Entwicklungsländer jährlich mehr als 30 Mio. gebrauchte Computer entsorgen. Aus Industrienationen werden dann einer Gartner-Studie zufolge pro Jahr schon 69 Mio. Second-Hand-Geräte in Entwicklungsländer exportiert.

Aufgrund der dortigen Entsorgungspraktiken droht einerseits ein massiver Ressourcenverlust, andererseits belasten unsachgemäß gelagerte toxische Stoffe die Gesundheit von Mensch und Umwelt. Trotz einer eindeutigen Gesetzeslage in Form der EU-Richtlinie über Elektro- und Elektronikaltgeräte von 2007 finden Exporte aus Europa weiterhin illegal statt. "Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen wird eine immer größere Anzahl an gebrauchten Computern auf Müllhalden in Entwicklungsländern landen oder unsachgemäß demontiert werden," gibt Meike Escherich, Chefanalystin bei Gartner , zu bedenken. "Leiterplatten und andere Komponenten mit wertvollen Edelmetallen (beispielsweise Gold, Silber und Palladium) und Sondermetallen (Zinn, Indium und Antimon) können bei Nutzung von Hightech-Verfahren sehr effizient recycelt werden. Die Wiedergewinnungsquote liegt bei Edelmetallen über 95 Prozent", sagt Christian Hagelüken, Leiter des Bereichs Geschäftsentwicklung bei Umicore Precious Metals Refining , auf Anfrage von pressetext. In Entwicklungsländern hingegen kämen meist nur primitive Methoden beim "Recycling" von Metallen wie Gold und Kupfer zum Einsatz. Die Ausbeute liege dann im Falle von Gold bei unter 25 Prozent und damit um 70 Prozent unter den bei optimalen Bedingungen erzielbaren Quoten. Bei Silber oder Palladium sei von noch geringeren Wiedergewinnungsquoten auszugehen und Sondermetalle gingen vollständig verloren.

Untersuchungen haben auch gezeigt, dass zwar Sammlungs- und Sortierungstechniken in Entwicklungsländern tendenziell gute Ergebnisse nach sich ziehen. Ressourcenverluste sind dennoch nicht zu verhindern, da die Rückgewinnungsquoten hochmoderner Verfahren mit den dort geübten Praktiken bei weitem nicht erreicht werden. Zudem seien die Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit dramatisch, so Hagenlüken weiter. So wirken sich Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertiges Chrom und bromhaltige Flammschutzmittel stark nachteilig auf Mensch und Umwelt aus, sollten Altgeräte modernen Hightech-Recyclingketten nicht zugeführt werden. Vorreiter wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in St. Gallen engagieren sich daher über ihre Forschungsarbeit hinausgehend in Ländern wie Südafrika bei der Einführung von modernen Elektroschrott-Recycling-Systemen.

2007 wurden bereits 15 Mio. gebrauchte PCs in Entwicklungsländern entsorgt. In den nächsten Jahren drohe eine Verdoppelung, vor allem wegen einer verstärkten Nachfrage nach Neugeräten im Gefolge der Wirtschaftskrise, heißt es bei Gartner. Auch können die zur Fertigung der Platinen verwendeten Kunststoffe lediglich als Malgut neuen Kunststoffen zugesetzt und nicht als sortenreine Kunststoffe zurückgewonnen werden. Das Problem E-Waste verlangt daher nach einem globalen Recyclingmanagement und es bedarf einer strengeren Vollziehung geltender Gesetze. Neben finanziellen Anreizen würden auch verbesserte Aufbereitungsverfahren sowie ein nachhaltiges Produktdesign zu einer Verringerung des Ressourcenverlustes sowie von Umweltbelastungen führen. Ein besonderes Problem stellen mobile Endgeräte dar. So liegt die Rücklaufquote von Handys unter fünf Prozent und der Trend hin zu kompakten Geräten wie Smartphones oder Netbooks scheint angesichts immer leistungsfähigerer Anschlusstechnologien ungebrochen. (pte)

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