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Green Card kein Allheilmittel

05.10.2000 | 12:13 Uhr |

Ein Fenster habe man mit der "Green Card" geöffnet, kein Tor. Staatssekretär Siegmar Mosdorf (SPD) sieht die Initiative der Bundesregierung ohne Illusionen und zeigt sich dennoch optimistisch über deren Erfolg.

Ein Fenster habe man mit der "Green Card" geöffnet, kein Tor. Staatssekretär Siegmar Mosdorf (SPD) sieht die Initiative der Bundesregierung ohne Illusionen und zeigt sich dennoch optimistisch über deren Erfolg.

Sind die bisher ausgegebenen 2000 Green Cards angesichts des geschätzten Defizits von mindestens 70.000 Experten noch nicht der durchschlagende Erfolg, so sollen es bis Ende des Jahres schon zwischen 10.000 und 15.000 sein.

Die Ursache für den schleppenden Start der Green Card-Aktion könnte auch in den Unternehmen selbst liegen: "Vor allem das mittlere Management und die Personalabteilungen bremsen den guten Willen der Firmenleitungen aus", sagt Personalberater Ralf Bultschnieder am Rande des 5. Deutschen Internet-Kongresses in Karlsruhe.

Die Einstellung von Experten aus Nicht-EU-Ländern scheitert demnach oft an kulturellen Problemen und der Provinzialität einiger Abteilungsleiter in den Firmen. Während global agierende Unternehmen meist weniger Berührungsängste haben, treten bei mittleren Unternehmen oft Konkurrenzangst und Komplexe gegenüber den meist blutjungen Russen oder Indern auf.

"Es gab bislang kein derartiges Einwanderungsmodell in Deutschland", sagt Staatssekretär Mosdorf. Kurzfristig dürfe daher niemand ein Lösung erwarten. Grundsätzlich sehe die Bundesregierung jedoch kein kulturelles Problem. Die Personalexperten sind sich unterdessen einig, dass gerade die Einstellung von Ausländern besonderer Integrationsanstrengungen in den Unternehmen bedarf.

Nicht nur in den Unternehmen, sondern auch von anderer Seite drohen Hindernisse: Während die ausländischen Experten nach Deutschland kommen sollen, gehen die Deutschen offenbar selbst ins Ausland. Im vergangenen sind Jahr insgesamt 2451 deutsche Spezialisten mit einem H-1B Visum in die USA gegangen, berichtete die Agentur "The American Dream", die in Sachen US-Visa berät, unter Berufung auf eine Studie der amerikanischen Georgetown Universität. Dieses Visum entspreche in etwa der in Deutschland eingeführten Green Card.

Das Potenzial im Ausland sei in jedem Fall vorhanden: Während die Inder tatsächlich lieber in die USA und Großbritannien gingen, wollen vor allem Russen, Weißrussen und Ukrainer nach Deutschland. Doch auch im Ausland werde es mittelfristig gesehen kaum genug Arbeitskräfte geben, um in der boomenden Internet-Ökonomie alle Stellen zu besetzen, sagte Mosdorf. (PC-WELT, 05.10.2000, dpa/ mp)

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