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Google verlegt 9000-km-Untersee-Kabel in 2 km Tiefe

14.07.2015 | 10:38 Uhr |

Google verlegt ein gigantisches 9000 Kilometer langes Untersee-Kabel in bis zu zwei Kilometern Tiefe mit zwei Robotern: Der eine gräbt den Seeboden auf und verlegt das Kabel, der andere fährt hinterher und schüttet das Kabel wieder zu. 2016 soll die dann schnellste Internetverbindung zwischen Asien und Amerika fertig sein.

Das französische Schiff René Descartes (benannt nach dem französischen Philosophen, von dem der Spruch “Ich denke, also bin ich” stammt) verlegt das Untersee-Kabel für das transpazifische FASTER-System. Eine Plugschar von der Größe eines kleinen Hauses, ein LKW-großer Roboter und das bereits erwähnte Spezialschiff sind die Voraussetzung dafür, dass es mit dem neuen Pazifikkabel klappt.

Die Verlegung von FASTER ist Googles neuestes Projekt in Sachen ozeanischer Infrastruktur. FASTER verbindet die USA, genauer gesagt die Küste des US-Bundesstaates Oregon, und Japan und wird auf dem Boden des Pazifiks verlegt.

300 Millionen US-Dollar wird FASTER kosten. Neben Google sind auch noch einige Ostasiatische Telekom-Firmen an dem Projekt beteiligt. Durch das Kabel sollen maximal 60 Tbps (Terabits pro second) rasen können.

Elodie
© Google

Bis jetzt befinden sich rund 6000 Kilometer des Untersee-Kabels auf dem Schiff René Descartes, das derzeit in Kitakyushu in Südjapan vor Anker liegt. Das Schiff gehört der französischen Telekomfirma Orange. Insgesamt dürfte das Kabel rund 9000 Kilometer lang werden. Die 9000 Kilometer sollen in einem Rutsch verlegt werden, wenn alles glatt geht.

So lange das weiß-graue Kabel auch ist, so dünn ist es. Gerade einmal zwei Zentimeter beträgt der Durchmesser. Das Glasfaser-Kabel wird in drei großen „Tanks“ im Bauch der 144,5 Meter langen René Descartes transportiert. Jeder dieser Tanks ist 16 Meter lang und rund 8 Meter hoch. Das Kabel darf sich während des Verlegens auf dem Ozeanboden keinesfalls verheddern – andernfalls haben die Arbeiter an Bord ein echtes Problem.

Der Streckenverlauf.
Vergrößern Der Streckenverlauf.
© NEC

Die besondere Herausforderung ist die enorme Länge des Kabels. Laut Claude Le Maguer, Ingenieur bei Orange und für die Operation verantwortlich, ist das das erste Mal, dass ein derart langes Kabel in einem Rutsch verlegt wird.

Um das Datensignal auf der langen Strecke immer wieder zu verstärken, werden alle 40 bis 100 Kilometer rund 200 Kilogramm schwere Repeater auf dem Meeresgrund verlegt. Das Glasfaser-Kabel sieht also aus der Vogelperspektive aus wie eine Perlenkette, flapsig formuliert.

Das Verladen des Kabels soll in ein paar Wochen abgeschlossen sein, dann sticht die René Descartes von Japan aus in See. Per GPS wird beim Verlegen die Position des Kabels genau bestimmt. Genau gesagt kommt dabei DGPS zum Einsatz, das genauer arbeitet als das herkömmliche GPS. Die Software, die an Bord des Schiffes die Daten verarbeitet und den Verlegevorgang steuert, arbeitet noch mit Windows XP

Das Abrollsystem für das Kabel an Bord des Schiffes wird durch einen Ventilator gekühlt.
Vergrößern Das Abrollsystem für das Kabel an Bord des Schiffes wird durch einen Ventilator gekühlt.
© Google

Das Kabel wird auf einer unterseeischen Felsenkette verlegt, damit man nicht so tief abtauchen muss. Schließlich handelt es sich um den Pazifik, den tiefsten Ozean überhaupt. Das Kabel wird aber nicht einfach auf dem Meeresboden abgelegt, sondern eingegraben, um es vor Beschädigungen zu schützen. Beispielsweise vor Hai-Fisch-Bissen, See-Beben oder den Ankern von Fisch-Trawlern.

Ein Roboter gräbt auf...

Dieses Eingraben übernimmt der Unterwasser-Roboter Elodie, der mit seinen großen Schaufeln und dem Pflugmesser wie ein Unterwasserpflug das Kabel eingräbt. Elodie ist 10 Meter lang, 5 Meter hoch und wiegt 32 Tonnen. Ein Kran hebt ihn ins Wasser und er wird dann vom Schiff mitgeschleppt. Elodie kann in bis zu zwei Kilometer Tiefe sein Pflugschar graben, in die dann das Kabel verlegt wird. Vom Schiff aus wird er dabei ständig per Video, Sonar und Hydrophone (Unterwassermikrofon) überwacht.

...und ein Roboter schüttet wieder zu

Hinter Elodie folgt Hector 6. Das Remote-Operated-Vehicle (ROV) Hector 6 hilft ihm bei der Arbeit, fährt wie eine Raupe auf Ketten hinter Elodie her und deckt das Kabel mit dem Abraum wieder zu. Elodie und Hector 6 arbeitet also Hand in Hand.

Hector besitzt dafür zwei große Roboter-Arme. Die Ingenieure beobachten Hector bei seiner Arbeit über Videos in HD-Qualität. Wenn das Kabel im ersten Rutsch nicht perfekt verlegt ist, kann es nachträglich nachgebessert und sogar repariert werden.

Wenn FASTER fertig verlegt ist, wird es das schnellste Pazifik-Kabel sein. Das wird aber erst 2016 der Fall sein.

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