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Kritik wegen Glücksspielwerbung

20.10.2008 | 13:45 Uhr |

Der Suchmaschinenkonzern Google hat sein globales Werbeverbot für Glücksspiele nun in Großbritannien überraschenderweise wieder aufgehoben. Nach vier Jahren gestattet es das Unternehmen somit Buchmachern und Online-Casinos erstmals wieder, entsprechende Werbeanzeigen auf der eigenen Seite zu schalten.

Wie die Zeitung Independent berichtet, hat diese Entscheidung in den Reihen der Abgeordneten des britischen Parlaments und der Church of England sofort nach Bekanntwerden heftige Kritik ausgelöst. In Anbetracht der steigenden Zahl der Spielsüchtigen im Land sei der Umschwung Googles einfach nicht zu verstehen. Das Erlauben der Glücksspielwerbung sei "unverantwortlich", so ein Parlamentsmitglied. Gleich mehrere Politiker unterschiedlicher Parteien warnten den Internetkonzern davor, das Problem der Spielsucht im Land durch die Genehmigung der Werbung nicht noch zu verschärfen.

"Was auch immer die Leute auf Google suchen, bei kaum einer Sache sind die Chancen, ein Problem zu bekommen, das einen derart starken negativen Effekt auf einen selbst und die eigene Familie haben kann, größer als beim Glücksspiel", stellt ein Sprecher der Church of England gegenüber dem Independent fest. Gerade in diesen wirtschaftlich eher schwierigen Zeiten sei der Umschwung Googles äußerst problematisch. "Da die Menschen sich mit einer zunehmenden finanziellen Unsicherheit konfrontiert sehen, wirkt die Vorstellung, schnell zu Geld kommen zu können, überaus attraktiv. Gleichzeitig sind die Konsequenzen von Verlusten aber dementsprechend schwerwiegend", heißt es von der Church of England. Für den früheren britischen Verteidigungsminister Peter Kilfoyle ist es sogar ein "Gipfel der Dummheit", dass Google gerade jetzt seine Werbebestimmungen lockert. "Es ist jetzt wohl der schlimmste Zeitpunkt, die Menschen zum Glücksspiel zu ermutigen. Schließlich befinden wir uns gerade in einer Finanzkrise, die durch rücksichtsloses Glücksspiel an den Märkten verursacht wurde", kritisiert Kilfoyle.

Google hingegen verweist darauf, dass die entsprechenden Werbebestimmungen für Glücksspielangebote in Großbritannien inzwischen auch im TV gelockert worden seien. Es würden zudem ohnehin nur solche Werbekunden akzeptiert, die bei einer britischen oder europäischen Aufsichtsbehörde registriert sind. "Wir hoffen, dadurch die Sucherfahrung der Nutzer und ihre Erreichbarkeit für unsere Werbekunden zu verbessern", erklärt James Cashmore, zuständig für Werbung bei Google Großbritannien. Glücksspielwerbung werde automatisch als nicht-familiensicher klassifiziert. "Nutzer, die den Safe-Search-Filter unserer Suchmaschine aktiviert haben, werden keine derartigen Werbeeinblendungen zu sehen bekommen", merkt Cashmore an. "Auswirkungen dieser Entscheidung für Deutschland gibt es keine. Was das Verbot von Glücksspielwerbung betrifft, so halten wir uns an die jeweilige landesspezifische Rechtssprechung", betont Kay Oberbeck, Sprecher von Google Deutschland, auf Anfrage von pressetext.

Erst in der vergangenen Woche hatte die britische Hilfsorganisation GamCare einen Anstieg der Spielsüchtigen in Großbritannien von 25 Prozent bekannt gegeben. Demnach haben sich allein im vergangenen Jahr an die 38.000 Briten über die Notfall-Hotline mit ihrem Spielproblem an die Organisation gewandt. Die Höhe der Spielschulden betrug dabei im Durchschnitt 17.500 Pfund (rund 22.700 Euro). (pte)

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