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Cuil startet automatisierte Online-Enzyklopädie Cpedia

14.04.2010 | 07:55 Uhr |

Das Suchmaschinen-Startup Cuil hat mit Cpedia eine Suchmaschine vorgestellt, die ihre Treffer in Artikelform präsentiert. Also eine Art Mischung aus Google und Wikipedia.

Das Such-Start-up Cuil will Suchergebnisse nicht mehr nur in klassischen Ergebnislisten präsentieren, sondern auch auf eine Art, die für Nutzer natürlicher wirkt. Daher hat man mit der "Cpedia" eine automatisierte Enzyklopädie gestartet. Sie verspricht einen englischen Übersichtstext zum Thema anstelle jener zehn blauen Links, ist also eher Wikipedia- als Google-Konkurrent.

Die Cpedia liefert auf Basis der Ergebnisse zu einer Anfrage einen automatisch generierten Artikel. "Das kann wirklich fesselnd sein und ist besonders gut darin, Fakten ans Licht zu bringen, die ich vorher nicht kannte. Aber in anderen Fällen ist es ziemlich seltsam", meint Cuil-CEO Tom Costello im Unternehmensblog. Den Anstoß zum Projekt habe schon vor Jahren der einstige Sun-Mitgründer und nunmehrige Venture Captialist Bill Joy gegeben.

Interessante Idee, schwache Umsetzung

Die Idee war, ein System zu schaffen, dessen Output sich eher wie ein Magazin liest und somit für User attraktiver ist als eine einfache Linkliste. Zumindest theoretisch klingt das gut, doch in der Praxis erinnern die Ergebnisse derzeit oft eher an eine wirre Zusammenstellung kaum zusammenhängender Textfragmente. Costello selbst räumt ein, dass das System für "anstößige oder pornografische Inhalte" nicht wie erwartet funktioniert. Das liege daran, dass Webseiten mit Erwachseneninhalten beim Erstellen der Artikel großteils nicht berücksichtigt werden.

Doch auch bei anderen Themen macht sich das System im pressetext-Test oft nicht besser. Eine Suche nach "Terminator" etwa liefert viel Information zu Ablegern und Merchandise, aber sehr wenig zum ursprünglichen Film aus dem Jahr 1984. Bei "IBM" wiederum erahnt die Cpedia zwar, dass das eine sehr vieldeutige Anfrage ist und gibt eine Auswahl von zehn blauen Links für präzisere Anfragen aus. Unglücklicherweise beleuchtet keine einzige davon das Unternehmen selbst. Warum ein gewisser "Edison Arantes do Nascimento" nicht auch unter seinem geläufigeren Spitznamen "Pelé" gefunden wird, ist indes nicht wirklich einsichtig.

Kein Erfolg in Sachen Suche

Da die Cpedia aktuell als Alpha-Version bezeichnet wird, könnte sie wohl noch qualitative Fortschritte machen. Das wäre freilich auch bitter nötig, wenn es ihr nicht ähnlich ergehen soll wie der Suchmaschine Cuil. Diese hatte zwar nach einem durchwachsenen ersten Jahr versucht, mit neuen Funktionen durchzustarten. Ein wirklicher Durchbruch des vermeintlichen "Google-Killers" blieb aber erneut aus.

Nach StatCounter-Zahlen ist Google unangefochtener Such-Weltmarktführer. Wenigstens im einstelligen Prozentbereich bewegt sich sonst nur der Marktanteil von Yahoo und Micosofts Bing. Die globalen Top fünf werden von Ask.com und der chinesischen Suche Baidu mit derzeit jeweils rund vier Promille Weltmarktanteil abgerundet. Cuil zählt zur anonymen Masse der anderen Suchanbieter, die zusammen auf rund 0,9 Prozent kommen.

(pte)

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