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Keine Einigung zwischen Google Books und Verlagen

20.08.2009 | 10:45 Uhr |

Der im vergangenen Oktober erzielte Vergleichsvorschlag zwischen Google und Vertretern der US-Buchbranche über das umfangreiche Digitalisierungsprojekt Google Books gerät zunehmend unter Beschuss.

Wie der San Francisco Chronicle berichtet, herrscht auf Seiten der Autoren und Verlage wachsende Unklarheit darüber, welche Folgen die Pläne des Internetriesen nach sich ziehen könnten. Zum gerichtlichen Arrangement, das Google mit der Association of American Publishers (AAP), der Authors Guild und anderen Autoren geschlossen hat, können noch bis 4. September Stellungnahmen abgegeben und Einsprüche erhoben werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der von Google vorgeschlagene Deal vom Gericht in New York abgelehnt wird, dürfte jedenfalls gestiegen sein, vermuten Insider.

Hinter dem Google-Books-Projekt steckt der hehre Plan, Bücher auf der ganzen Welt zu digitalisieren und online zur Verfügung stellen, um "historisch wertvolles Kulturgut bewahren zu können", wie auf der Unternehmenswebsite verkündet wird. Google bietet die Werke dabei in zwei Versionen an: Einer kostenlosen Vorschau und einer kostenpflichtigen, meist gedruckten Vollversion, die bei externen Anbietern wie Amazon oder Thalia erhältlich ist. Google will darüber hinaus sogenannte "Orphan Works", verwaiste Werke, bei denen der Urheber nicht oder nur schwer zu ermitteln ist, in der digitalen Welt verfügbar machen.

Bislang wäre das Google-Partnerprogramm auch auf Anklang sowohl bei Verlagen als auch Autoren gestoßen, berichtet Jessica Sänger von der Rechtsabteilung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels . Allerdings werden die Werke im Rahmen des Google-Bibliothekenprogramms auch Bibliotheken und Universitäten zur Verfügung gestellt, ohne sich vorher die Erlaubnis bei den Rechteinhabern eines Werks eingeholt zu haben, kritisiert der Börsenverein. Bibliotheken, die an diesem Programm teilnehmen, zum Beispiel die Universitätsbibliothek von Harvard oder die Bayerische Staatsbibliothek, ermöglichen Google nämlich vollständigen Zugriff auf Millionen von Titeln. ?Wir befürchten, dass viele Werke von Google ohne Kenntnis der Rechteinhaber veröffentlicht und genutzt werden. Unsere Mitglieder haben uns gegenüber diesbezüglich schwerwiegende Bedenken geäußert. Daher bereiten wir derzeit auch eine entsprechende Stellungnahme gegenüber dem Gericht in den USA vor?, erklärt Sänger die Hauptbedenken des deutschen Buchhandels hinsichtlich der Vorhaben des US-Konzerns.

Verlage und Autoren sollen mit 63 Prozent Provision an Online-Verkäufen, Abonnementgebühren, Anzeigen und anderen Einnahmequellen beteiligt werden, verspricht Google. Die Verwaltung der Urheberrechte soll über die Books Rights Registry erfolgen, in die 125 Mio. Dollar investiert werden sollen. Aus der Sicht des Konzerns sei dies ein wahrer Segen für die Verlagsbranche, da sie Geld mit Büchern verdienen könne, die bereits endgültig vom Markt verschwunden schienen. ?Dies geschieht jedoch erst, wenn sich die Verlage aktiv bei Google melden?, widerspricht Sänger. ?In der Praxis werden viele Werke unbeansprucht bleiben.?

Die Kooperation von Google mit den öffentlichen Bibliotheken hätte weitreichende Konsequenzen, die auch den deutschen Buchhandel massiv betreffen würden, argumentiert Sänger. Der Großteil der Werke bei Google Books sei zwar angelsächsischen Ursprungs. Jedoch seien auch viele deutschsprachige Werke womöglich von Urheberrechtsverletzungen betroffen, so die Juristin gegenüber pressetext.

Der Pressesprecher von Google Deutschland, Stefan Keuchel, stellt im Gespräch mit pressetext klar, dass Google das Urheberrecht uneingeschränkt respektiere: "Wir digitalisieren Werke, bei denen das Urheberrecht verwirkt ist. Der Vergleichsvorschlag, den wir vor Gericht gemacht haben, hat keine Auswirkungen auf Werke, die außerhalb der USA publiziert wurden." Den Protest aus der Buchindustrie nehme man sehr wohl wahr, so Keuchel, und man versuche auch, dem mithilfe von aufklärenden Informationsmaßnahmen entgegenzuwirken. Die Kritik und der Widerstand der Verlage und Autoren in Europa richte sich laut Keuchel allerdings nicht an Google, sondern an das US-Rechtssystem, das derartige Sammelklagen, die auch außerhalb der USA Auswirkungen haben können, erst ermögliche. (pte)

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