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Mit Android zur mobilen Werbemacht

24.09.2008 | 15:47 Uhr |

In New York wurde nun das erste Handy mit dem Google-Betriebssystem Android vorgestellt. Der Suchmaschinengigant will damit im Wachstumsmarkt Mobiles Internet Fuß fassen.

Am Dienstag stellten T-Mobile , HTC und Google mit dem G1 das erste Handy vor, das auf dem Google-Betriebssystem Android basiert. Auf dem Mobiltelefon sind alle bekannten Google-Anwendungen installiert, darunter Google Mail , YouTube , Google Maps und Google Talk . Und sie alle geben Google die Möglichkeit, auch mobil Werbung an den Mann zu bringen.

Mit dem ersten Android-Handy wird recht deutlich, wohin für Google die Reise mit dem Betriebssystem gehen soll. Ziel ist es, den mobilen Werbemarkt ebenso zu dominieren, wie es das Unternehmen mit dem Online-Markt am PC geschafft hat, glaubt Craig Wigginton von der Deloitte -Sparte Technology, Media & Telecommunications. „Für Google ist vor allem das Marketingmodell hinter Android wichtig.“

„Google will sich nicht als neuer Handy-Hersteller etablieren, sondern den mobilen Markt für seine Anwendungen öffnen“, stimmt Gartner -Analystin Carolina Milanesi zu. Bislang ist der mobile Werbemarkt recht klein, Analysten sehen jedoch große Wachstumschancen. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens M:Metrics bezifferte den Markt im vergangenen Jahr auf ein Volumen von circa 200 Millionen US-Dollar. Analysten erwarten, dass sich dieser Wert 2008 verdoppelt. Die Forscher von Heavy Reading glauben sogar, dass der jährliche Ertrag der mobilen Werbeindustrie bis 2013 zehn Milliarden US-Dollar übersteigt.

Um sich von diesem Kuchen ein großes Stück zu sichern, muss Google allerdings erst einmal die Handynutzer dazu bringen, Android-Mobiltelefone zu kaufen – auf dem dicht gedrängten Handymarkt kein leichtes Unterfangen. Vor allem das iPhone gilt es hier zu schlagen: Allein am ersten Wochenende nach seiner Veröffentlichung wurde das iPhone 3G eine Million Mal verkauft. Forscher von Strategy Analytics rechnen damit, dass das G1 bis zum Ende des Jahres gerade mal 400 000 Interessenten findet. In Unternehmenskreisen ist das Interesse an Android bislang mau: In einer Umfrage von J. Gold Associates unter mittelständischen und großen Unternehmen gaben nur 4,8 Prozent an, dass die Android in den nächsten drei Jahren für firmenrelevant halten. Das Betriebssystem belegte damit den letzten Platz.

Als Zielgruppe für das G1 scheinen Google und T-Mobile denn Massenmarkt anzuvisieren, obwohl Smartphones traditionell eher unter Business-Anwender erfolgreich sind. Denen werden am G1 jedoch einige Funktionen fehlen, beispielweise die Exchange-Unterstützung. So sieht denn auch Microsoft in Android keine direkte Konkurrenz zu Windows Mobile – obwohl der Software-Riese kürzlich dazu übergegangen war, sein eigenes mobiles Betriebssystem nicht nur als reine Business-Plattform zu vermarkten.

Da das Linux-Derivat Android als offene Plattform konzipiert ist, können immerhin künftig Anwendungen entwickelt werden, die für Business- und Consumer-Anwender gleichermaßen interessant sind. Außerdem könnten beide Nutzergruppen von einem Google-Erfolg auf dem mobilen Markt profitieren. So könnte Google z. B. die Handykosten zum Teil über Werbung finanzieren. „Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen“, so Wigginton.

An einen Überraschungserfolg von Android glauben nur wenige Analysten. Langfristig könnte die Plattform der Konkurrenz aber durchaus gefährlich werden. „Das G1 ist ein vielversprechender Anfang. Und Google hat genügend Geld und einen langen Atem, um mit der Konkurrenz am Markt zu bestehen“, so CCS-Insight -Analyst Geoff Blaber.

Sind erst einmal mehrere Android-Handys auf dem Markt erhältlich, könnte die Plattform eine Eigendynamik entwickeln. Gartner-Analystin Roberta Cozza glaubt, dass Android zum Standard-Linux auf dem Handy werden könnte: „Bis 2011 erwarten wird einen Anteil von 10 Prozent am Smartphone-Markt.“

2009 sollen auch Android-Handys von Samsung und LG auf den Markt kommen. Welcher Mobilfunkanbieter als nächster auf Android setzt, ist noch offen. T-Mobile scheint den anderen Mitgliedern der Open Handset Alliance um eine Nasenlänge voraus gewesen zu sein. Der Zusammenschluss aus internationalen Mobilfunkanbietern hatte im November 2007 die Zusammenarbeit mit Google an Android verkündet. T-Mobile-Chef-Entwickler Cole Brodman deutete am Dienstag an, dass man schon länger mit Google und HTC am G1 gearbeitet habe.

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