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Google Allo: Neuer Messenger mit KI und Inkognito-Modus

07.12.2016 | 10:40 Uhr |

Mit Allo gibt Google den Nutzern eine neue App zum Nachrichten-Austausch. An Bord: Ein smarter Chat-Bot und Inkognito-Modus.

Auf der Google I/O 2016 hatte Google die neue Messenger-App Allo gemeinsam mit der 1:1-Videogespräch-App Duo vorgestellt. Nach dem Start von Duo im August 2016 ist nun auch Google Allo für Android und iOS erschienen. Einen Client für Desktop-PCs für Allo gibt es derzeit noch nicht. Schade!

Google Allo wird wie Google Duo über eine Telefonnummer mit einem Gerät registriert. Fortan können die Nutzer dann über Allo mit anderen Nutzern kommunizieren. Dabei sind auch Gruppen- und Inkognito-Chats möglich. In den Chats selbst bietet Allo alle Funktionen, die man von einem Messenger erwartet. Es dürfen also miteinander nicht nur Texte ausgetauscht werden, sondern auch Fotos, Videos und Sticker. Über den integrierten Sticker-Shop können neue Sticker freigeschaltet werden.

Einrichtung

Allo ist derzeit noch keine von Googles Standard-Apps, die auf jedem Androiden vorinstalliert sind. Sie müssen Allo also selbst aus dem Play Store beziehen.

Anmeldung mit Mobilfunknummer

Allo benötigt Zugriff auf Ihre Kontakte. Andernfalls müssten Sie Ihre Gesprächspartner manuell mit Mailadresse oder Telefonnummer hinzufügen.
Vergrößern Allo benötigt Zugriff auf Ihre Kontakte. Andernfalls müssten Sie Ihre Gesprächspartner manuell mit Mailadresse oder Telefonnummer hinzufügen.

Nach dem Download und der Installation der App verlangt Allo beim ersten Start verschiedene Rechte: SMS zu verschicken und zu empfangen und auf die Kontakte sowie auf Fotos, Medien und Dateien zuzugreifen. Diese Rechte sind für Messenger üblich, ohne sie macht die App wenig Sinn.

Anschließend benötigt Allo Ihre Mobilfunknummer, die die App in der Regel automatisch übernimmt. An die schickt sie kurze Zeit später eine SMS zur Bestätigung Ihres Kontos. Sie können hier, wie bei vielen anderen Messenger-Apps, auch eine Festnetznummer angeben und sich für den Code zurückrufen lassen.

Außerdem möchte Allo die Erlaubnis, Bilder und Videos aufnehmen zu dürfen. Bestätigen Sie dies wieder. Nun bietet Ihnen die App die Möglichkeit, ein Selfie für Ihr Profilbild aufzunehmen. Das können Sie überspringen. Anschließend geben Sie Ihren Namen oder einen Nickname ein und gelangen auf die Startseite von Allo. Hier erwartet Sie gleich der Google Assistant, auf den wir später noch zu sprechen kommen.

Über eine etwas kitschige erste Nachricht („Deine 2 Freunde vermissen dich“) möchte Allo Sie nun dazu bringen, zwei Ihrer Kontakte anzuschreiben.

Meine Aktivitäten: Hier verrät Google, was es über sie weiß

Benachrichtigungen und Verknüpfung

Wie gehabt, gelangen Sie über die drei horizontalen Linien links oben zu den Einstellungen der App. Hier können Sie in erster Linie die Benachrichtigungen konfigurieren, also ob Sie überhaupt welche bekommen möchten und falls ja, wie diese aussehen oder sich anhören sollen (anpassbare Töne, Vibrationen). Sie haben hier zudem die Möglichkeit, die Verbindung Allos zu Ihrem Smartphone und auch die registrierte Telefonnummer aufzuheben. Eine wichtige Sicherheitseinstellung betrifft das automatische Herunterladen von Fotos und Videos. Das sollten Sie deaktivieren, um zu verhindern, dass Sie sich irgendwelche Schädlinge einfangen. Angezeigt werden die Inhalte nämlich trotzdem.

Chatfunktion

Die Bedienung von Allo ist intuitiv, Sie tippen auf das türkisfarbene Nachrichtensymbol und erhalten sofort Zugang zu allen Funktionen Allos: normaler Chat, Gruppenchat und Inkognitochat. Für den herkömmlichen Chat wählen Sie aus Ihren Kontakten den gewünschten Partner aus. Voraussetzung für die vollständige Auflistung ist die oben beschriebene Freigabe. Sonst müssen Sie die Kontaktdaten manuell eintippen.

Im Gesprächsfenster können Sie Ihre Nachrichten mit Smileys und Ton versehen. Über das Plussymbol gelangen Sie zur Kamera und in Ihr Album, um Fotos anzufügen. Des Weiteren können Sie Sticker platzieren, Stickersets herunterladen und Ihre Nachricht mit Ihrem Standort versehen. Dafür ist aber eine besondere Freigabe nötig.

Gruppenchat: Bis zu 256 Personen

Mit der Gruppenchatfunktion können bis zu 256 Partner gleichzeitig miteinander kommunizieren. Dabei müssen auch nicht alle Allo installiert haben: Anwender ohne Allo erhalten entweder eine sogenannte „App-Vorschaunachricht“, über die sie antworten können – weiterhin ohne Allo –, oder eine SMS, auf die sie wie gehabt mit einer SMS antworten.

Der Google Assistant kann derzeit nur englische Sprache verstehen
Vergrößern Der Google Assistant kann derzeit nur englische Sprache verstehen

Jeder Gruppe können Sie einen Namen und ein Bild zuweisen, was besonders bei oft genutzten Gruppen praktisch ist. Um einer Gruppe einen weiteren Kontakt hinzuzufügen, tippen Sie im betreffenden Chat auf das Symbol rechts oben und wählen „Personen hinzufügen“. Um eine Gruppe zu verlassen, wählen Sie die „Gruppendetails“ und dann die unterste Schaltfläche „Verlassen und Chatprotokoll löschen“. Doch Achtung: Andere Personen sehen Ihre Beiträge weiterhin in ihrem Verlauf.

Google Assistant: Cleverer Chat-Bot mit an Bord

Der Google Assistant wartet darauf, dem Nutzer zu helfen
Vergrößern Der Google Assistant wartet darauf, dem Nutzer zu helfen

Neben den Chatfunktonen ist der Google Assistant der zweite große Teil von Allo. Er erinnert auf den ersten Blick an Google Now. Im Vergleich dazu geht der Google Assistant aber einen Schritt weiter, arbeitet selbstständiger und lernt aus Ihren Angaben beziehungsweise aus Ihren Gesprächsverläufen.

Grundsätzlich ist es zu empfehlen, erst mal mit dem Assistenten herumzuspielen. Über den Befehl „Was kannst du tun?“ kommen Sie immer in die Hauptkategorien des Assistenten. Hier können Sie sich mit ihm über das Wetter unterhalten, Nachrichten lesen und sich über die neuesten Sportergebnisse informieren.

Der Assistent steht Ihnen mit Infos im Alltag zur Seite. Außerdem hilft er Ihnen dabei, sich die Zeit zu vertreiben.
Vergrößern Der Assistent steht Ihnen mit Infos im Alltag zur Seite. Außerdem hilft er Ihnen dabei, sich die Zeit zu vertreiben.

Möchten Sie Ihre Freizeit gestalten, hat der Assistent auch dafür die passenden Themen im Repertoire: „Ausgehen“ enthält Tipps und Infos zu Restaurants, Veranstaltungen, Kino, Kneipen und Hotels.

„Reisen“ hilft Ihnen bei Ihrer Reisevorbereitung, sucht Hotels und Flüge, zählt Ihnen Sehenswürdigkeiten auf und übersetzt. „Übersetzen“ ist ein Übersetzer, der Ihnen Wörter und Wendungen in verschiedene Sprachen überträgt.

Neben den informativen Leistungen bietet der Assistent auch diverse Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. So versorgt er Sie unter „Spaß“ etwa mit Videos, Witzen oder Katzenbildern und sagt Ihnen sogar Gedichte auf.

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Beispielsweise gelangen Sie von einem Gedicht William Blakes zu seinem Wikipedia-Eintrag, weiteren Gedichten, Büchern und mehr und können von dort zu anderen Dichtern navigieren.

„Antworten“ funktioniert wie die bekannte Google-Suche: Sie geben Begriffe ein und bekommen entsprechende Resultate beziehungsweise Antworten. Zu guter Letzt finden Sie unter „Spiele“ verschiedene Spiele wie Solitaire, Tictactoe, aber auch Spiele, die Google in seine Doodles integriert hatte (etwa den Theremin-Kurs mit Clara Rockmore).

Im Bereich „Mein Assistent“ können Sie sich mit dem Assistenten unterhalten, ihn etwa nach seiner Lieblingsspeise oder seinem Wohnort fragen. Die Antworten dienen jedoch eher dazu, seine weiteren Funktionen kennenzulernen und dabei Infos über Sie zu bekommen. Fragen an ihn stellen Sie ein „@google“ voran. Die Antwort bekommen dann alle Chatteilnehmer.

Bequemer chatten dank Smart Reply

Allo geht auch noch einen Schritt weiter und verknüpft seine intelligenten Suchalgorithmen, maschinelles Lernen und eine KI mit Allo. Dazu gehört auch die Funktion Smart Reply (in etwa: "schlaue Antworten"). Allo lernt mit der Zeit, wie der Nutzer auf bestimmte Nachrichten reagiert. Mit der Zeit macht Allo dann in Reaktion auf eine eingegangene Nachricht automatisch einen Vorschlag für eine Antwort. Beispiel: Jemand schickt Ihnen ein Foto seines Kindes. Darauf haben Sie etwa „O wie süß!“ als Autoantwort.

Je länger Allo genutzt wird, desto besser werden auch die Vorschläge. Der Empfänger der Nachricht erfährt ohnehin nicht, ob die Reaktion von seinem Gesprächspartner selbst getippt wurde oder ob es sich um einen übernommenen Vorschlag von Allo handelt. Smart Reply scannt auch die eingehenden Nachrichten inhaltlich. Wird dabei beispielsweise eine Frage erkannt, die der Nutzer mit "Ja" oder "Nein" beantworten kann, dann werden die entsprechenden Buttons eingeblendet, um dem Anwender das Eintippen der Antwort zu ersparen.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Inkognito-Modus

Im Inkognitomodus werden alle Chats „End-to- End“ verschlüsselt; und sie lassen sich mit einem Verfallsdatum versehen.
Vergrößern Im Inkognitomodus werden alle Chats „End-to- End“ verschlüsselt; und sie lassen sich mit einem Verfallsdatum versehen.

Damit der Google Assistant funktionieren kann, verzichtet Google bei Allo auf die standardmäßige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung  der mit Allo übertragenen Nachrichten. Dafür bietet Allo die Funktion Inkognito-Chats an.

Dabei setzt Google auf einen zweifachen Schutz Ihrer Kommunikation: Einmal sind die Chats „von Ende zu Ende“ verschlüsselt, sodass laut eigener Aussage nicht mal Google Ihre Nachrichten lesen kann. Das bedeutet auch, dass Ihre Korrespondenz für den Google Assistant nicht verfügbar ist.

Der zweite Schutz ist ein „Verfallsdatum“, das Sie selbst über das Uhrensymbol oben rechts wählen können. Je nach Einstellung sind die Chats dann 5, 10, 30 Sekunden, eine Minute, eine Stunde, einen Tag oder eine Woche lang verfügbar. Nach der Ablauffrist verschwinden die Inhalte aus Ihrem Chatverlauf, und Sie starten einen neuen Chat. Standardmäßig ist die Frist auf eine Stunde festgelegt. Und: Der Gesprächspartner kann die Frist selbst auch anpassen.

Fazit: Alltagshelfer und Datenkrake

Allo versteht sich als Messenger 2.0 mit (teils) verschlüsselten Chats. Interessanter ist jedoch der Assistent, der sogar Google Now noch toppt. So lernt er aus Ihren Chats (außer den verschlüsselten) Ihre Vorlieben kennen und hilft Ihnen bei der Planung Ihres Lebens. Der Preis, den Sie für den Komfort zahlen, sind natürlich Ihre Daten.

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