77852

Gnadenfrist für Napster!

01.08.2000 | 15:08 Uhr |

Die RIAA hat jetzt auf den Antrag von Napster reagiert. Napster hatte bei einer höheren Instanz Einspruch gegen die Entscheidung von Mittwoch eingelegt. In der Hoffnung, ein Abschalten der Server noch in letzter Minute verhindern zu können, wird jetzt die Entscheidung des neunten Berufungsgerichtes des Bezirks San Franscisco erwartet.

Napster darf fürs Erste weiterbestehen! Entgegen aller Erwartungen hat das Berufungsgericht nun dem Eilantrag von Napster stattgegeben. Wie CNN kurz nach Mitternacht deutscher Zeit am Samstag meldete, hat das Gericht den Gerichtsbeschluss von Mittwoch ausgesetzt. Damit musste Napster nicht Samstag Mitternacht die Server abschalten und hat nach der Niederlage Mitte dieser Woche einen ersten Sieg gegen die RIAA (siehe Glossar) errungen.

Napster darf nach der neuesten Entscheidung am Netz bleiben, bis der Fall vor einem ordentlichen Gericht verhandelt wird. Ein Verfahren dürfte frühestens Anfang September beginnen.

Die RIAA reagierte auf den Aufschub mit Enttäuschung und hat angekündigt, gegen die Entscheidung vom Freitag Einspruch einzulegen. Die gerichtliche Entscheidung erlaube es den Nutzern, in der Zwischenzeit weitere Urheberrechtsverletzungen zu begehen, hieß es in einer ersten Erklärung.

Die Entscheidung kam unerwartet. Selbst Napster ließ wohl zunächst die Sektkorken knallen, bevor die eigene Webseite aktualisiert wurde. Zunächst war auf den Napster-Seiten nur eine Abschiedsmeldung zu lesen. Mittlerweile wurde auf den Webseiten der Tauschbörse den Surfern die aktuelle Entwicklung mitgeteilt. Die Napster-Fans werden darin weiterhin aufgefordert, der RIAA Mails zu schreiben, in der sie ihren Unmut kund tun. Eine entsprechende Liste aller großen Plattenfirmen liegt dort bereit.

Außerdem ruft Napster weiterhin zu einem buy-cott an diesem Wochenende auf. Die Nutzer sollen nur CDs von Künstlern kaufen, die für Napster sind. Den Verkäufern in den Geschäften soll zusätzlich klar gemacht werden, dass sie Napster-Nutzer sind.

Eine andere Webseite sammelt Unterschriften der User, die Napster unterstützen. Mittlerweile habe sich 98.000 Surfer eingetragen - dies sind jetzt schon doppelt so viele Teilnehmer, wie bei der Internet-Petition vor ein paar Wochen, die für den Kuba-Jungen Elian Gonzales durchgeführt wurde. Bei der Napster-Petition darf jeder angeben, wie viele CDs er bisher gekauft hat und wie viele er in Zukunft kaufen werden, wenn die RIAA sich durchsetzen sollte. Derzeit errechnet sich laut der Protestseite ein Verlust von knapp acht Millionen Dollar, falls die RIAA erfolgreich sein sollte. Die ganze Liste wird in naher Zukunft an alle RIAA-Mitglieder verschickt werden. Wer mitmachen will kommt hier auf die Seite Napster Protest .

Napster selbst gab nun bekannt, dass mehr als die Beta-Version ihrer Software seit August 1999 insgesamt 20 Millionen Mal heruntergeladen worden sei. Insgesamt sei in den letzten Tagen ein enormer Anstieg der Downloads verzeichnet worden. Napster kündigte auch an, nun mit Hochdruck an der entgültigen Version der MP3-Tauschsoftware zu arbeiten.

Jubelschreie der Napster-Mitarbeitern sollen durch den Gerichtssaal gegangen sein, nachdem die Richter ihre Entscheidung bekannt gaben. Die Napster-User füllten Chat-Räume und feierten online den Sieg ihrer Tauschbörse.

Shawn Fanning, Gründer von Napster, reagierte nach der Urteilsverkündung glücklich und sagte: "Wir sind froh über diese Entscheidung. Und wir sind froh, dass wir nicht mehr als 20 Millionen Napster-Fans aus unserem Service hinausschmeißen müssen." (PC-WELT, 31.07.2000, pk)

Umfrage: Napster vor dem Aus?

PC-WELT-Report: Alternativen zu Napster

Napster wehrt sich (PC-WELT Online, 28.07.2000)

Napster muss schließen (PC-WELT Online, 27.07.2000)

Napster: Geniales Spionagetool? (PC-WELT Online, 17.07.2000)

Napster-Verbot am 26. Juli (PC-WELT Online, 05.07.2000)

Letzte Chance für Napster (PC-WELT Online, 16.06.2000)

0 Kommentare zu diesem Artikel
77852