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Online-Tool findet Filesharing-Bremsen

29.05.2008 | 13:10 Uhr |

Im Rahmen des Projekts amens Glasnost haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Sofwaresysteme (MPI-SWS) ein Java-Applet entwickelt, das Behinderungen des Filesharing-Protokolls BitTorrent aufspüren kann.

In einer Studie, deren Grundlage rund 8.000 Tests mit dem Online-Tool waren, wurden drei internationale Provider überführt, die systematisch Datenströme blockieren - darunter der schon seit längerem umstrittene US-Provider Comcast. Der Nachweis von Filesharing-Bremsen ist allerdings nicht einziger Inhalt der Arbeit im Rahmen des Projekts, auch die allgemeine Qualität von Verbindungen wird untersucht.

Schon seit Ende 2007 steht Comcast in der Kritik, Filesharing zu behindern, hat aber seinerseits stets damit argumentiert, nur exzessiven Filesharing-Verkehr zu reglementieren). Ebenso wie der US-Provider Cox und Starhub in Singapur blockiert Comcast aber nach den Ergebnissen der MPI-SWS-Untersuchung das Protokoll BitTorrent rund um die Uhr und in hohem Ausmaß. "Mit dem Zweck den Datenverkehr zu entlasten, lässt sich das nicht rechtfertigen", ist Krishna P. Gummadi, Leiter der Arbeitsgruppe hinter Glasnost, überzeugt. Auch bei zehn weiteren Providern, großteils in Nordamerika, wurden Blockaden beobachtet. Allerdings sei die BitTorrent-Behinderung dort nicht so weit verbreitet wie in den drei genannten Fällen. In Europa gab es nur eine Blockade in Irland, was allerdings noch nicht beweist, dass der BitTorrent-Verkehr hier ungehindert fließen kann. Das Online-Werkzeug kann auch eine Senkung der BitTorrent-Rate nachweisen. "Welche Dienstleister die Übertragungsraten gezielt reduzieren, müssen wir noch auswerten", sagt allerdings Gommadi.

Das Projekt Glasnost will aber nicht einfach BitTorrent-Blockaden aufspüren, sondern hat allgemein Transparenz im Internet zum Ziel. Neben dem Java-Applet, das mit simulierten BitTorrent-Paketen nach Behinderungen sucht, dient dazu auch ein zweites Werkzeug, das die Charakteristiken von Breitbandverbindungen untersucht. Unter anderem zeigt es auf, wie hoch die Up- und Downstream-Anbindungsgeschwindigkeiten eines Anschlusses wirklich sind. Diese Information ist für Nutzer interessant, da beispielsweise bei DSL- oder mobilen Breitbandangeboten oft mit Raten "bis zu" einer gewissen Zahl an Megabits pro Sekunde geworben wird, die realen Geschwindigkeiten aber aus technischen Gründen oft niedriger ausfallen. Anwendungsentwickler wiederum sollen von Analysen der Daten profitieren, indem sie ihre Software an die realen technischen Gegebenheiten anpassen.

Die Glasnost-Tools sind online unter http://broadband.mpi-sws.mpg.de/transparency zu finden. Rund 1.500 BitTorrent-Test pro Tag seien möglich und diese Kapazität ausgereizt. "An einem Tag hatten wir sogar 200.000 Besucher auf unserer Seite", so Gummadi. Gegenüber Angeboten großer Unternehmen, die Programme auf ihren Servern bereitzustellen, gibt er sich skeptisch. Für das hohe Ansehen unter Internet-Nutzern sei die eigene Unabhängigkeit maßgeblich verantwortlich. (pte)

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