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Chrome-Lizenzbestimmungen massiv unter Beschuss

04.09.2008 | 09:56 Uhr |

Google hat angekündigt, eine Passage in den Lizenzbestimmungen von Google Chrome ersatzlos streichen zu wollen. Diese hatten nach der Veröffentlichung des Browsers für Kritik gesorgt. Ein weiterer Dorn im Auge der Datenschützer: Jeder Google-Chrome-Anwender ist - zumindest theoretisch - eindeutig identifizierbar, denn jeder Chrome-Browser besitzt eine eindeutige Identifikationsnummer.

Der Browser Google Chrome hat nach seiner Veröffentlichung im Netz für Furore gesorgt . Bei Sicherheitsexperten sorgte Google Chrome aber auch für Schadenfreude, weil Google den Browser inklusive einer seit langem bekannten Sicherheitslücke veröffentlichte . Kritik gibt es aber auch für eine Passage in den Lizenzbestimmungen des Browsers. Die Lizenzbestimmungen werden vor dem Download des Browsers eingeblendet . Dort heißt es unter Punkt 11 "Inhaltslizenzierung von Ihnen":

Durch das Übermitteln, Einstellen oder Anzeigen von Inhalten erteilen Sie Google eine unbefristete, unwiderrufliche, weltweit gültige, unentgeltliche und nicht exklusive Lizenz zum Vervielfältigen, Anpassen, Modifizieren, Übersetzen, Veröffentlichen, zum öffentlichen Darstellen und Anzeigen sowie zum Vertreiben sämtlicher mithilfe der Services übermittelten, eingestellten oder angezeigten Inhalte.

Die Passage könnte auch so gedeutet werden, dass Google alle Inhalte gehören, die der Anwender mit Chrome erstellt, was wiederum zu Urheberrechts- und Datenschutzproblemen führen könnte. Google reagierte auf die Kritik und begründete die Existenz der Passage damit, dass man sich für die Erstellung der Lizenzbestimmung für den Browser, einige Passagen aus Lizenzbestimmungen für andere Google-Produkte "ausgeliehen" habe. Dieses Prozedere beim Erstellen von Lizenzbestimmungen sei ein übliches vorgehen, um die Dinge für die Anwender möglichst einfach zu halten. Im betreffenden Falle sei aber eine Passage ausgewählt worden, die nicht zu Google Chrome passe.

"Wir arbeiten daran, die Passage aus Abschnitt 11 der Lizenzbestimmungen für Google Chrome zu entfernen. Diese Änderung wird sich rückwirkend für alle Nutzer auswirken, die Google Chrome heruntergeladen haben", sagte eine Google-Sprecherin.

Ebenfalls kritisiert wird der Punkt 11.2 in den Lizenzbestimmungen . Dort ist zu lesen:

Sie erkennen an, dass diese Lizenz Google dazu berechtigt, die Inhalte anderen Unternehmen, Organisationen oder Personen zugänglich zu machen, die mit Google zum Zweck der Bereitstellung syndizierter Services zusammenarbeiten, sowie die Inhalte im Rahmen der Bereitstellung solcher Services zu nutzen.

Diese Passage, so heißt es seitens Google, stamme aus den universellen Lizenzbestimmungen . Theoretisch, so Kritiker, könnte Google dank dieser Passage alle Inhalte, die ein Anwender beispielsweise in einem Blog postet, weiterverwenden, ohne den betreffenden Anwender um Erlaubnis zu fragen. Auch hier, so die Forderung, müsse Google handeln und die Passage streichen.

Gläserner Surfer?
Bei Datenschützern hat eine Passage in den Datenschutzbestimmungen für Google Chrome für Unruhe gesorgt. Dort heißt es nämlich:

Ihre Kopie von Google Chrome enthält mindestens eine eindeutige Anwendungsnummer.

Sprich: Google ist theoretisch in der Lage, jeden genutzten Browser einem Anwender zuzuordnen. Damit ließen sich umfangreiche Surf-Profile erstellen. Laut Angaben von Google wird die Anwendungsnummer beispielsweise bei der Installation des Browsers gesendet. Die Nummer kommt aber auch zum Einsatz, wenn Google Chrome automatisch über eine bestehende Internet-Verbindung überprüft, ob eine neue Browser-Version existiert. Im Gegensatz zu anderen Browsern, hält sich Google Chrome nämlich automatisch auf dem neuesten Stand. Dazu läuft auf dem System der Task "GoogleUpdate.exe".

Datenschützern ist diese eindeutige Anwendungsnummer ein Dorn im Auge, so dass Google auch hier dringend nachbessern müsste. Bis dahin empfiehlt beispielsweise Christian Krause vom Unabhängigen Landesdatenschutzzentrum Schleswig-Holstein allen Anwendern, Chrome nicht zu verwenden.

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