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Gigabell wird ausgeschlachtet

31.10.2000 | 15:03 Uhr |

Die Frankfurter Gigabell AG wird ausgeschlachtet. Der finnische Telekommunikationskonzern Jippii will den zahlungsunfähigen Dienstleister nicht übernehmen, sondern sich nur die Rosinen herauspicken.

Die Frankfurter Gigabell AG wird ausgeschlachtet. Der finnische Telekommunikationskonzern Jippii will den zahlungsunfähigen Dienstleister nicht übernehmen, sondern sich nur die Rosinen herauspicken. Für Anlagen und Kundenadressen der Gigabell zahlen die Skandinavier zehn Millionen Mark.

Auch die knapp 200 Beschäftigten wechseln zu Jippii. Die Telefon-Lizenzen und die Schulden von etwa 50 Millionen Mark bleiben dagegen bei Gigabell. Dies teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Pfeil in Frankfurt mit.

Allerdings kann Pfeil mit der nun eingefädelten Transaktion Gigabell immerhin vor der sofortigen Liquidation bewahren. In dem voraussichtlich Anfang November beginnenden Insolvenzverfahren können die zehn Millionen Mark der Finnen nun eingesetzt werden, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Die Gigabell-Schulden belaufen sich nach Pfeils Schätzungen auf rund 50 Millionen Mark.

Außerdem seien "200 Arbeitsplätze gerettet", hob Pfeil hervor. Weil damit keine weiteren Lohnforderungen auf Gigabell zukämen, werde die Insolvenzmasse um rund drei Millionen Mark entlastet. "Wir können auch den Kunden sagen, es geht weiter." Allerdings bleibe das Unternehmen voraussichtlich nur als "Firmenmantel" erhalten. "Was aus dem Geschäftsgegenstand wird, kann ich nicht abschätzen", so Pfeil. "Vielleicht befasst sich Gigabell irgendwann mal mit dem Vertrieb von Weihnachtsschmuck."

Für Aktionäre, die auch nach dem ersten Pleitefall am Neuen Markt auf Kurssprünge des Gigabell-Papiers gewettet hatten, bedeutet die jüngste Entwicklung eine schlechte Nachricht. "Ich halte die Aktie inzwischen für einen Unwert", betonte Pfeil. "Die Aktionäre sind mir aber eigentlich relativ wurscht", so der Insolvenzverwalter lapidar. "Ein Aktionär ist Mitunternehmer und damit Mitpleitier." (PC-WELT, 31.10.2000, dpa/ mp)

Zukunft von Gigabell ungewiss (PC-WELT Online, 17.10.2000)

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