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GfK: Online-Handel bereitet Fachgeschäften zunehmend Probleme

20.11.2006 | 12:31 Uhr |

Die Bedeutung von Online-Shops in Westeuropa nimmt stetig zu. Zusammen mit dem Wachstum von Elektrofachgeschäften wird dies zu einem zunehmenden Problem für kleinere Elektrofachgeschäfte - tausende Händler mussten in den letzten acht Jahren ihre Pforten schließen.

Kleinere Elektrohändler müssen sich nicht nur gegen die bekannten Größen in Sachen Elektro durchsetzen, sondern kämpfen laut GfK zunehmend mit tausenden Online-Shops um zahlungskräftige Kundschaft. Dies geht aus der Consumer Electronics Conference hervor, die sich am 14. November den Auswirkungen des Internets auf die Strukturen, Entwicklungen, Einstellungen und Verhaltensweisen der Marktteilnehmer im CE-Bereich widmete.

Demnach wurden im Jahr 2006 bereits 17 Prozent der Camcorder, 15 Prozent der Receiver und 10 Prozent der Flachbildfernseher online eingekauft. Der Preisvorteil habe dabei laut GfK zwischen 5 und 15 Prozent betragen. Das Internet ist aber nicht nur eine Möglichkeit, günstige Preise zu eruieren, hier finden Anwender auch eine Vielzahl an Meinungen zu oder Bewertungen von Produkten, Herstellern oder Händlern.

Derzeit stehen Anwendern in Westeuropa laut GfK rund 8500 Websites mit Einkaufsmöglichkeiten für technische Konsumgüter zur Verfügung. Sechs Prozent des Umsatzes in diesem Bereich werden bereits über das Internet erzielt, in Deutschland beträgt dieser Anteil bereits zehn Prozent, so die GfK.

Wie schwer der Kampf der stationären Händler gegen die Online-Konkurrenz ist, verdeutlichen folgende Zahlen: So schlossen innerhalb der letzten acht Jahre 17.800 westeuropäische Elektrofachgeschäfte ihre Pforten. Gleichzeitig wurden 1000 Elektro-Fachmärkte (etwa Mediamarkt, Saturn und andere) neu eröffnet. Kleine Händler müssen sich also an zwei Fronten der Konkurrenz erwehren.

Auch mit dem Argument, dass Online-Käufer in der Hauptsache nur Billigware bestellen, wurde auf der Konferenz aufgeräumt. So hat Jürgen Boyny, Division Manager GfK Marketing Services, die Internetverkäufe in Deutschland, Frankreich und Großbritannien analysiert. Demnach liegen in allen drei Ländern MP3-Player, Camcorder und Flachbildfernseher in der Gunst der Käufer weit oben. Zugleich werde "Spitzenqualität zu attraktiven" Preisen bevorzugt.

Doch auch die Händler setzen auf das Internet. So seien bereits 83 Prozent der deutschen Elektrohändler im Netz präsent, 42 Prozent davon böten einen Online-Shop. Diese Händler gehen laut Dr. Michael Sauter, Consultant GfK Retail Services International, davon aus, ihren Internet-Umsatz in den kommenden drei Jahren zu verdreifachen.

Da sich der Großteil der Online-Shopper aber zuvor im Geschäft über bestimmte Produkte informiert, ergibt sich für den stationären Handel die Chance, seine Vorteile zu präsentieren, so Werner Winkler, Geschäftsführer der GfK Marketing Services. Hierfür sei aber "umfassende Verkäuferschulung" nötig. Entsprechen unverständlich sei aus diesem Grund aber laut Dr. Michael Sauter, dass ein Drittel der Händler seinen Verkäufern "noch keine konkreten Anweisungen und Argumente an die Hand gegeben hat", wie Online-Käufer im Geschäft behandelt werden sollen, auch ein "spezielle Verkaufstraining" gäbe es bei diesen Händlern noch nicht.

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