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Gewinnspiele & Co.: Persönliche Daten werden oft weitergegeben

Wer an einem Gewinnspiel teilnimmt, wird häufig in der Folge mit Werbe-Mails und ähnlichem überschüttet. Schuld sind Anbieter, die die persönlichen Daten der Teilnehmer weiter verkaufen. Datenschützer raten daher zur Vorsicht bei der Preisgabe sensibler Informationen.

Das Preisrätsel verspricht als Hauptgewinn ein Auto. Um bei der Auslosung dabei zu sein, muss man nicht viel tun: Ein Lösungswort finden und die Karte "vollständig ausfüllen". Gefragt wird dabei nicht nur nach Name, Adresse und Telefonnummer, sondern auch nach Handynummer und Geburtsdatum. Im Kleingedruckten findet sich dann der Hinweis, dass mit der Unterschrift telefonische Angebote erlaubt werden.

"Die meisten Menschen machen sich keine Gedanken, was mit ihren Daten passiert", sagt Michael Wersdörfer, Referatsleiter Datenschutz im nicht öffentlichen Bereich beim Landesverwaltungsamt in Halle/Saale. Sie wundern sich dann, wenn sie für Marketingzwecke angerufen werden oder ihr Postkasten mit Werbematerial überflutet ist. Ob Gewinnspiele, Kundenrabattkarten, Verträge oder Befragungen von Marktforschungsinstituten - überall hinterlassen Verbraucher Spuren.

"Das Preisrätsel ist ein klassischer Fall", sagt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein in Kiel. "Diese haben oft ausschließlich den Zweck, Daten zu sammeln." Die landen dann meist in einer Datenbank und werden von Adresshändlern weiterverkauft. Das ist erlaubt, solange der Verbraucher sein Einverständnis gegeben hat. Oft seien die Erklärungen, was mit den Daten geschieht, aber sehr unscharf formuliert, kritisiert Roland Stuhr, Handelsreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin.

Zur Vorsicht raten die Datenschützer auch bei Verträgen, in denen die Kunden mehr als Adresse und Telefonnummer angeben sollen. "Die Angabe der Kontodaten ist beispielsweise bei einem Mobilfunkvertrag gerechtfertigt", sagt Wersdörfer. Ein Möbelhaus aber brauche beim Kauf eines Sofas weder Kontodaten, Faxnummer, E-Mail-Adresse noch Geburtsdatum zu wissen. "Ratsam ist es, immer nur das preis zu geben, was für den konkreten Fall wirklich notwendig ist." Kunden sollten auch nicht zögern, bei Vertragsabschluss den handschriftlichen Vermerk zu notieren: "Bitte keine Übermittlung oder Nutzung meiner Daten zu Werbezwecken". Seriöse Unternehmen respektieren das.

Eine "beliebte Masche" seien auch die Anrufe von Meinungsforschungsinstituten, berichtet Wersdörfer. "Wenn es sich nicht um ein bekanntes Institut handelt, sollte man die Finger davon lassen." Denn viele dieser Einrichtungen verfolgen keine wissenschaftlichen Interessen, sondern sammeln persönliche Angaben, um diese an Dritte zu verkaufen. Wenn also angeblich nur statistische Daten erhoben werden sollen, ist es nicht nötig, den Namen zu nennen.

Besonders begehrt ist das Geburtsdatum. "Das ist ein hoch sensibles Datum", erklärt Weichert. Viele Unternehmen bilden daraus Persönlichkeitsprofile. Nicht selten wird Glückwunschpost verschickt, die mit Werbung unterlegt ist. Außerdem dient das konkrete Datum der eindeutigen Feststellung, etwa wenn ein Kunde umzieht. Wem nicht klar ist, wozu eine Firma das Geburtsdatum braucht, sollte einfach nach dem Sinn dieser Datenerhebung fragen. "Das Unternehmen ist verpflichtet, den Zweck mitzuteilen", erklärt Wersdörfer. So manch eine Firma erkläre dann, sie brauchen das Geburtsdatum zum Erkennen der Volljährigkeit, berichtet Stuhr. "Doch dafür reicht das Geburtsjahr."

Die Entscheidung, welche Angaben jemand nennen möchte, müsse jeder für sich selbst treffen, sagt Stuhr. Aber eine erhöhte Aufmerksamkeit über die Konsequenzen sei wichtig: "Wer etwa seine E-Mail-Adresse sorglos weitergibt, muss sich nicht wundern, wenn er unzählige Müllmails bekommt." Die Verbraucherschützer fordern von den Unternehmen hinreichend Informationen: "Die Menschen müssen darüber aufgeklärt werden, was mit ihren Daten geschieht". Meist sei dies aber nur im Kleingedruckten der Fall, so Stuhr. Dass man die Weitergabe seiner Daten nicht wünscht, muss dort oft extra angekreuzt werden - und wird von vielen übersehen.

Doch wer sich von Werbeanrufen oder Reklamepost belästigt fühlt, ist nicht hilflos, denn es besteht ein Anspruch auf Auskunft: In der Regel hat jeder das Recht zur Offenlegung seiner Daten und kann erfragen, was mit diesen geschieht oder woher eine Firma die Angaben hat. Der Weitergabe der Daten kann der Kunde jederzeit widersprechen und auch eine Löschung verlangen. "Das Selbstbewusstsein des Verbrauchers ist die schärfste Waffe", sagt Weichert.

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