Gewinneinbruch: Medion will sich neu ausrichten

Der Elektronikhändler und Aldi-Lieferant Medion will nach einem Gewinneinbruch mit Einsparungen und einem Schwerpunkt auf moderne Unterhaltungselektronik die Talfahrt stoppen. Dabei werde man künftig bewusst auf nicht profitable Geschäfte verzichten, die bislang rund 20 Prozent des Umsatzes ausgemacht hätten, kündigte Medion-Chef Gerd Brachmann am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Essen an. Dadurch werde der Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro im Vorjahr im laufenden Jahr auf rund 2 Milliarden Euro sinken. Der Medion-Gewinn war 2005 auf nur noch 9,2 Millionen Euro von revidiert 48,8 Millionen im Jahr davor zusammengeschmolzen.
Auslöser für den Ergebniseinbruch seien unter anderem der Preisverfall im PC-Bereich sowie um 13,6 Millionen Euro gestiegene Ausgaben für Logistik, Service, Marketing und Verpackung. Eine Bereinigung des Portfolios schlug im vierten Quartal mit einem Restrukturierungsaufwand von 20,5 Millionen Euro zu Buche. Der Personalaufwand wurde dagegen trotz gestiegener Mitarbeiterzahl um 2,8 auf 59,9 Millionen Euro gedrückt. Der Umsatz war im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent geschrumpft.

Medion will sich künftig verstärkt auf das Geschäft mit großen Handelsketten wie Aldi, Tchibo, Carrefour, Metro und dem britischen Elektronik-Händler Dixons konzentrieren. Bislang seien rund zwei Drittel des Geschäfts mit diesen fünf Händlern abgewickelt worden. Auf nicht rentable Kleinstlieferungen werde Medion verzichten, sagte Brachmann. "Ertrag geht vor Umsatz", betonte der Vorstand im Geschäftsbericht.

Trotz eines auch für das laufende Jahr erwarteten Preisverfalls im Bereich PC und Multimedia will der Elektronikdienstleister mit neuen Produkten für das digitale Zuhause wachsen. Kräftige Steigerungen erzielte das Unternehmen in Deutschland im vergangenen Jahr vor allem im Geschäft mit LCD-Fernsehern (plus 147 Prozent), Plasma-Fernsehern (plus 96,6 Prozent) sowie MP3-Playern (plus 116 Prozent). Einbrüche gab es dagegen bei Röhrenfernsehern, Videorecordern und DVD-Playern. Der Gesamtumsatz mit Unterhaltungselektronik sank um 10 auf 632 Millionen Euro.

Im Bereich PC/Multimedia verlor Medion mehr als 100 Millionen Euro Umsatz auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Entscheidend dafür sei der Rückgang bei Desktop-PCs gewesen, bei denen Absatzmenge und auch der durchschnittliche Verkaufspreis sanken. Die um 26 Prozent gestiegenen Erlöse bei mobilen Geräten wie Notebooks und PDAs konnten dies nicht ausgleichen.

Nach einem Rückgang des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 75,1 Prozent auf 22 Millionen Euro im Jahr zuvor rechnet Medion für 2006 mit einem EBIT "mindestens auf dem Vorjahresniveau". Erst "mittelfristig" werde wieder mit einer Verbesserung der Ertragskraft gerechnet. Das Geschäft in den ersten Monaten dieses Jahres sei vor dem Hintergrund des erwarteten Umsatzrückgangs "planmäßig" angelaufen, sagte Brachmann.

Unter den derzeit rund 1500 Mitarbeitern seien im Rahmen des Kostensenkungsprogramms Einsparungen in Höhe von rund drei Millionen Euro geplant, berichtete Medion-Vorstand Christian Eigen. Ein Abbau werde dabei durch natürliche Fluktuation und auslaufende Zeitverträge erzielt. Zum genauen Umfang des geplanten Stellenabbaus wollte das Unternehmen keine Stellung nehmen.

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