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Action-Shooter therapiert krebskranke Kinder

12.09.2009 | 13:57 Uhr |

Action-Shooter werden hierzulande in der Öffentlichkeit zumeist in Verbindung mit der heftigen Debatte um das Verbot von "Killerspielen" behandelt. Dass derartige Computerspiele abseits von gewaltverherrlichenden und jugendgefährdenden Inhalten auch einen tatsächlichen Nutzen für die Menschen haben können, wird dabei nur allzu oft unter den Teppich gekehrt.

Doch während sogenannte "Serious Games", die Technologien aus der Unterhaltungssoftwareindustrie für sinnvolle Zwecke einsetzen wollen, hierzulande noch eher ein Nischenphänomen sind, kommt ihnen im angloamerikanischen Raum bereits eine zunehmend stärkere Bedeutung zu. Bestes Beispiel für innovative Konzepte in diesem Bereich ist der Third-Person-Shooter " Re-Mission " der US-Non-Profit-Organisation HopeLab, der speziell für krebskranke Kinder entwickelt worden ist und diesen spielerisch neuen Mut und Aufklärung in Bezug auf die eigene Krankheit geben soll. "Re-Mission ist ein Shooter-Spiel, bei dem die Kinder einen Nano-Roboter namens Roxxi durch fiktive Körper junger Krebspatienten navigieren können", erklärt HopeLab-CEO Pat Christen in einem aktuellen Interview mit dem Wall Street Journal. Bei der Reise durch den menschlichen Körper gehe es dann darum, schädliche Krebszellen zu identifizieren und zu bekämpfen. "Für diese Zwecke steht dem Spieler dasselbe Waffenarsenal zur Verfügung, das auch im echten Leben zur Krebsbekämpfung eingesetzt wird wie etwa Strahlung, Chemotherapie oder Antibiotika", erläutert Christen. Sinn der Übung ist es nämlich, die krebskranken Kinder in Form eines spielerischen Zugangs über das eigene Gebrechen und die entsprechenden Therapieansätze aufzuklären und auf diese Weise die Unsicherheit und Angst zu reduzieren, die sie zumeist in Bezug auf ihre schwere Krankheit aufweisen. Ein weiterer Vorteil der neuartigen Game-Therapie sei zudem die Möglichkeit, sich durch den Spielspaß von der eigenen Situation abzulenken und durch das erfolgreiche Bekämpfen des virtuellen Krebses wieder neuen Mut für den Kampf im echten Leben zu schöpfen, betont Christen.

"Die Entwicklung im Bereich der Serious Games befindet sich bei uns noch eher im Anfangsstadium. Mit diesem Phänomen wird aber deutlich, dass Video- und Computerspiele durchaus auch nutzbringend sein können, wenn sie in einem gesunden Ausmaß eingesetzt werden", stellt Hans Solar, Lehrgangsleiter am Wiener Games College , auf Anfrage von pressetext fest. Das Konzept von "Re-Mission" hält der Games-Experte für spannend und prinzipiell sinnvoll. "Gerade für krebskranke Kindern, die vielleicht längere Zeit ans Bett gefesselt sind, ist ein derartiges Computerspiel sicher eine willkommene Ablenkung von ihrer Krankheit, die ihnen hilft, den Kopf frei zu bekommen und ihnen wieder ein gewisses Gefühl der Aktivität vermitteln kann", meint Solar. Auf diese Weise könne zum Beispiel Depressionen entgegengewirkt werden. "Wenn die jungen Patienten am PC-Bildschirm sehen, dass es durchaus möglich ist, den Krebs zu besiegen, kann dies unter Umständen auch das Autoimmunsystem der Kinder stärken. Insgesamt gesehen glaube ich, dass solche Games-Projekte im medizinischen Bereich in Zukunft als alternative Therapieform weitaus öfter zum Einsatz kommen werden als dies heute der Fall ist", so Solar.

Dass der Wiener Experte mit dieser Einschätzung Recht behalten könnte, zeigt der bisherige Erfolg von "Re-Mission". So zirkulieren Angaben HopeLabs zufolge mittlerweile bereits 145.000 Kopien des Spiels in 81 Ländern der Welt. Für diese Leistung wurde die Non-Profit-Organisation sogar vergangenen Juni von US-Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Eröffnung des Office for Social Innovation and Civil Participation ausdrücklich gelobt. Das wichtigste ist laut Christen aber vor allem die Tatsache, dass das Spiel bei den betroffenen Kindern gut ankommt. Der bisherige Erfolg gebe ihr diesbezüglich eindeutig Recht, weshalb man bei HopeLab bereits mit der Entwicklung von "Re-Mission 2" begonnen habe. (pte)

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