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Digitale Kluft muss überwunden werden

04.10.2009 | 15:02 Uhr |

Schweizer Senioren haben jetzt die Möglichkeit, von Kindern Grundlagenwissen zur Bedienung von Computern und Telekommunikationsgeräten zu erlernen. Wie das Schweizer Projekt Compisternli zeigt, eignet sich die Zusammenarbeit von Jung und Alt bestens zur Überwindung der drohenden digitalen Kluft.

Am Donnerstag fand der von der UNO 1990 ins Leben gerufene 'Tag der älteren Menschen' statt. Vor diesem Hintergrund haben Experten am dritten Tag des Ambient Assisted Living Forums 2009 die Frage, wie Generationen im Umgang mit Computer- und Informationstechnologie voneinander profitieren können, in den Mittelpunkt gerückt. Neun bis zwölf Jahre alte 'Compisternli-Kids' werden sechs Monate lang vorbereitet, um ältere Menschen, in den Umgang mit Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) einzuführen. Neben entsprechenden Umgangsformen lernen die Kinder, den Senioren grundlegende Dinge wie etwa den Umgang mit Maus oder Tastatur beizubringen. "Entscheidend dabei ist, dass unsere jungen Trainer für Erklärungen ihre Hände nicht benutzen dürfen. Andernfalls hätten Menschen, die ein Leben lang ohne ITK-Geräte ausgekommen sind, kaum eine Möglichkeit, den Kids zu folgen", berichtet Rahel Tschopp, Special Education Teacher von Compisternli.

Die Initiatoren des Projekts haben bislang überdurchschnittliche Erfolge mit ihren Kurskonzepten erzielt. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass verschiedene Betriebssysteme und Gerätetypen sowie kompakte Displays den Einstieg in die Nutzung von Mobiltelefonen deutlich erschweren. Dennoch erzielen auch Senioren, die bereits Computerkurse besuchten und scheiterten, meist große Lernerfolge. "Unser Fokus liegt eindeutig auf den Basics. Die Teilnehmer sollen mit grundlegenden Begriffen wie 'Desktop' '@' oder 'Browser' vertraut gemacht werden und lernen, wie sich Geräte ein- und ausschalten lassen", so Tschopp weiter. Freizeitaktivitäten ergänzen den Unterricht. Darüber hinaus sei so viel Enthusiasmus und Geduld aller Beteiligten nicht zu erwarten gewesen. Compisternli arbeitet sowohl mit Unternehmen wie Microsoft oder Swisscom als auch mit einer Schweizer Seniorweb-Plattform als praktischer Anwendungsmöglichkeit zusammen.

In Portugal nutzen beispielsweise nur sechs Prozent aller 55- bis 74-Jährigen ohne höhere Schulbildung die Vorzüge von Computern oder Internet. "Diese Gruppe macht jedoch etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung aus", gibt Graça Simões von der Knowledge Society Agency des portugiesischen Wissenschaftsministeriums zu bedenken. Die Ausschließung ganzer Bevölkerungsteile aus der digitalen Welt lässt sich jedoch EU-weit nachzeichnen. DaneAge zufolge, einer umfassenden Online-Studie über die Einstellungen älterer Menschen gegenüber neuen Technologien, erwarten sich 78 Prozent der Befragten, dass ITK-Lösungen einfach gestaltet sind. Für 60 Prozent muss deren Anwendung zur Steigerung ihrer Lebensqualität beitragen. Und ein Anteil von mehr als 50 Prozent legt großen Wert auf den persönlichen Bedürfnissen entsprechende Einführung. Ein Ruf, der bei Compisternli gehört wurde.

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