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Wie das Internet uns zu Abschreibern macht

22.10.2008 | 10:09 Uhr |

Das Internet ist mittlerweile eine riesige Informationsdatenbank geworden, die täglich von Menschen auf der ganzen Welt genutzt wird. Die Schattenseite: Inhalte dienen nicht nur der Information, sondern werden auch schamlos kopiert und für eigene Zwecke verwendet.

Abschreiben ist ein Kavaliersdelikt – das wird für viele in Erinnerung an die Schulzeit noch Gültigkeit besitzen. Doch das Internet bietet Schummlern heute ganz neue Möglichkeiten. Studenten und Schüler können auf immer neue, immer umfangreichere Rechercheplattformen zugreifen, Webseiten-Betreiber können über Suchmaschinen immer einfacher und effektiver Inhalte abrufen, die natürlich auch für eigene Zwecke nutzbar sind. Dass irgendjemand irgendwann die Inhalte, ob Texte oder Bilder, mühsam selbst erstellt hat, scheint hier nicht mehr zu zählen. Copy & Paste macht das Internet zum riesigen Schummelzettel.

Universitäten rüsten auf

Früher mussten Studenten ihre Diplom-, Doktor- oder Hausarbeit mühsam auf der Schreibmaschine anfertigen, und haben Ewigkeiten in Bibliotheken über Unmengen von Büchern gebrütet. Heute bietet das Internet für viele Bereiche fast unerschöpfliche Informationsquellen, die über Rechercheportale oder Suchmaschinen einfach und schnell zu finden und zu durchsuchen sind. Natürlich bietet diese Entwicklung auch Abschreibern ganz neue Möglichkeiten. Geschummelt wurde zwar schon immer, doch erst das Internet macht das besonders zeitsparende Plagiat 2.0 möglich.

Die Universitäten haben aufgerüstet: Anti-Schummel-Programme, auch Plagiatsnachweis-Software genannt, durchsuchen mittlerweile das Internet nach in wissenschaftlichen Arbeiten verwendeten Textbausteinen. In Deutschland werden zu diesem Zweck an verschiedenen Bildungseinrichtungen bereits Softwareprodukte verschiedener Hersteller benutzt. Etwa die Software Turnitin , die sich in anderen Ländern bereits großer Beliebtheit erfreut, wird auch in Deutschland eingesetzt, wie man etwa auf der Homepage der Universität Bielefeld erfahren kann. Ein anderes Beispiel ist der Plagiarism-Finder . Doch auch ohne Software kann man abgekupferte Texte oft einfach entlarven, indem man in Suchmaschinen mehrere aussagekräftige Wörter oder Passagen des zu überprüfenden Textes eingibt und die Fundstellen überprüft.

Urheberrecht beachten

Auch das Abkupfern im kleinen Stil kann zu großen Problemen führen. An Kartenausschnitten, Bildern und Texten hat natürlich auch irgendjemand Rechte, und im Zweifel wird dieser nicht damit einverstanden sein, dass seine Werke ohne Erlaubnis weiterverwendet werden. Beim Verwenden von Bildern und Bildausschnitten aus dem Internet sollten Sie unbedingt sicherstellen, dass der Urheber mit der Verwendung ausdrücklich einverstanden ist und auch keine Rechte Dritter bestehen.

Suchmaschinen schummeln auch

Nicht immer muss der derjenige der Böse sein, der etwas im Internet sucht und selbst verwendet. Wie ein aktueller Fall zeigt, werden auch die Suchmaschinen selbst von Urhebern misstrauisch beäugt. Im genannten Fall hat ein Unternehmer gegen den Internetsuchdienst Google geklagt, weil er nicht damit einverstanden war, dass Google seine Comic-Zeichnungen in seiner Bildersuche abbildet. Das Hamburger Landgericht hat in einem Urteil festgestellt, dass für solche Fragen grundsätzlich deutsche Gerichte zuständig sind, und dass eine Verwendung der Bilder gegen die Nutzungsbestimmungen verstößt, weil es keine Zustimmung des Urhebers gab. Google hat gegen die Entscheidung des Gerichts Berufung eingelegt.

Fazit: Das Internet ist kein Selbstbedienungsladen, weder für Nutzer, noch für Suchmaschinenbetreiber. Trotzdem sind etwa Bildersuchen von Suchmaschinen eine wertvolle und viel genutzte Funktion, die durch restriktive rechtliche Beurteilungen nicht erschwert oder gar unmöglich gemacht werden sollten. Eine gesunde Abwägung zwischen Urheberschutz und Informationsinteresse der Internetnutzer sollte im Vordergrund stehen. Die weitere Entwicklung bzw. rechtliche Beurteilung auf diesem Gebiet bleibt abzuwarten.

Siehe auch: Google drohen Probleme mit Bildersuche

Zitieren ist der gute Ton

Wer Texte verwendet und in eigene Inhalte einbindet, der sollte die Grundregeln des Zitierens beachten. Leider scheint diese Technik heutzutage immer weiter in den Hintergrund zu geraden, obwohl das deutsche Urheberrecht grundsätzlich die Möglichkeit bietet, z. B. Stellen eines anderen Werkes nach dessen Veröffentlichung im eigenen Werk anzuführen. Selbstverständlich sollte dabei der Urheber der zitierten Inhalte genannt werden. Interessante Informationen für das Zitieren von Internetquellen und weiterführende Links finden Sie etwa auf dem Wissenschaftsserver der Universität des Saarlandes .

Eine erfreuliche Lösung für Streitfragen auf diesem Gebiet könnte sein, dass Nutzer durch Kontrollen und Eigenverantwortung sorgsam mit Werken anderer umgehen, daneben aber rechtliche Schranken Dienste wie Bildersuchen oder Informationsplattformen nicht gänzlich unmöglich machen.

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