100354

Gerichtsurteil: Weitergabe von gebrauchter Software kann illegal sein

21.03.2007 | 15:21 Uhr |

Im Dauerstreit um die Frage, ob die Weitergabe von gebrauchter Software legal oder illegal ist, hat das Landgericht München I ein wichtiges Urteil gefällt. Demnach kann ein Software-Hersteller durchaus den Weiterverkauf seiner gebrauchten Software untersagen. Dafür sind allerdings gewisse Voraussetzungen erforderlich. Im konkreten Beispiel ging es um Software von Oracle, die per Download überlassen wurde und deren Weitergabe in den Lizenzbedingungen untersagt wurde.

Das Fazit des Urteils fasst die Pressestelle des Landgerichts München I (das Luftbild von Google Maps zeigt den Sitz des Gerichts) wie folgt zusammen: "Softwarehersteller dürfen nichtübertragbare Lizenzen erteilen. Eine Ausnahme für Software auf Datenträgern greift bei bloßem Download nicht".

Der originale Wortlaut des Urteils des Landgerichts München I lautet:

"Erklärt ein Anbieter von Software in seinen Lizenzbestimmungen, dass an der per Download überlassenen Software nur einfache, nicht weiter abtretbare Nutzungsrechte eingeräumt werden, so stellt dies eine zulässige, dinglich wirkende Beschränkung der eingeräumten Nutzungsbefugnis dar. Der Erwerber dieser Rechte kann diese daher nicht an Dritte weiterübertragen und darf Dritte nicht ermuntern, sich die Software vom Hersteller herunterzuladen. Der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz, der es dem Hersteller verbietet, den Weiterverkauf einmal in Verkehr gebrachter körperlicher Datenträger zu untersagen, greift bei Lizenzen, die nur zum Download von Software berechtigen, nicht.

Dies hat das Landgericht München I in einem am 15.03.2007 verkündeten Urteil entschieden, dessen schriftliche Begründung den Parteien heute übermittelt wurde. Darin wird der Beklagten, der Münchner Gebraucht-Softwarehändlerin Usedsoft GmbH verboten, ihre Kunden zur Vervielfältigung von Software der Klägerin, der amerikanischen Software-Anbieterin Oracle International Corp. zu veranlassen. Diese hatte eine derartige Einschränkung in ihre Lizenzbestimmungen aufgenommen. Die Beklagte hatte ungeachtet dessen mit Werbeaussagen wie „Jetzt begehrte Oracle-Lizenzen sichern“ und „Der rechtmäßige Verkauf wird durch ein Notartestat bestätigt“ Lizenzen an Software der Klägerin zum Weiterverkauf angeboten, die von den ursprünglichen Erwerbern nicht mehr benötigt wurden. Die Kunden wurden aufgefordert, sich die betreffende Software selbst zu kopieren oder von der Homepage der Klägerin herunterzuladen.

Die für Urheberstreitsachen zuständige 7. Zivilkammer bekräftigte damit im Hauptsacheverfahren ihr im Verfahren über die einstweilige Verfügung erlassenes Urteil vom 19.01.2006, Az. 7 O 23237/05, das am 3. August 2006 auch vom OLG München bestätigt worden war: "Die Aufforderung, Software der Klägerin zu kopieren, stellt einen unzulässigen Eingriff in das allein der Klägerin zustehende Vervielfältigungsrecht an ihrer Software dar. Denn die Beklagte konnte ihren Kunden wegen der dinglich wirkenden Einschränkung in den Lizenzbestimmungen der Klägerin keine zur Vervielfältigung berechtigenden Lizenzen verschaffen. Auch der so genannte „Erschöpfungsgedanke“, dass also ein einmal mit dem Willen des Rechtsinhabers in Verkehr gebrachtes Produkt grundsätzlich weiterveräußert werden darf, führt nach den Ausführungen der Kammer zu keiner anderen Einschätzung, da nicht (z.B. auf CD-ROM) bereits von der Klägerin vervielfältigte Software weiterverbreitet wurde, sondern zur Herstellung neuer (nicht von der Klägerin autorisierter) Vervielfältigungen aufgefordert wurde."

Das Urteil des Landgerichts München I vom 15.03.2007, Az. 7 O 7061/06 ist noch nicht rechtskräftig.

Über die Problematik der Weitergabe von gebrauchter Software informiert Sie ausführlicher dieser Artikel . Darin erklären wir Ihnen auch, was es mit Erschöpfung, Vervielfältigungsrecht und Verbreitungsrecht auf sich hat.

0 Kommentare zu diesem Artikel
100354