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Zu wenig Wagniskapital für Startups

01.10.2008 | 13:25 Uhr |

Die Zahl der Firmengründungen im IT-Sektor sinkt trotz Marktwachstum. Den Grund hierfür sieht der Branchenverband Bitkom in den unzureichenden Finanzierungsbedingungen für Start-ups. Wagniskapital habe bei institutionellen Investoren demnach einen schlechten Ruf.

Die Bitkom (der Bundesverband für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) muss sozusagen von Berufs wegen über die Härten der Branche jammern. Doch angesichts der rückläufigen Zahl der Firmengründungen ist das bei der jüngsten Mitteilung des Branchenverbandes wohl auch berechtigt: Im Jahr 2007 gab es 4106 Firmengründungen im Bereich Hardware, Software und IT-Dienstleistungen. Das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahr, obwohl der IT-Markt im gleichen Zeitraum um fünf Prozent gewachsen ist.

Hauptgrund für die geringe Zahl neuer Start-ups ist aus Sicht des Bitkom die schlechte Finanzierungssituation. In Deutschland steht nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat deutlich weniger Wagniskapital für Gründer zur Verfügung als in anderen Ländern. Der Anteil der Risikokapitalinvestitionen an der gesamten Wirtschaftsleistung ist in Deutschland 80 Prozent niedriger als im Durchschnitt der 15 EU-Kernländer. Die Bitkom sieht in dem Mangel an Risikokapital einen gravierenden Standortnachteil.

Kleiner Blick zurück: Die Zahl der Gründungen im IT-Sektor erreichte im Jahr 2000 mit 9322 ihren Höhepunkt. Das war die Boomzeit der Internetstartups, als selbst für Unternehmen mit ausgesprochen zweifelhaften Geschäftsmodellen und wenig überzeugenden Businessplänen Geld in Strömen floss. Doch dann platzte bekanntlich die Internetblase, seitdem ist Zurückhaltung bei den Geldgebern angesagt.

Prompt hat sich die Zahl der Startups seit damals mehr als halbiert. Parallel dazu sind die Investitionen von Wagniskapitalgebern in Unternehmen aller Branchen, die sich in der Frühphase ihrer Gründung befinden, in den Keller gegangen: Von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf rund 245 Millionen Euro im Jahr 2006, wie die Bitkom meldet. Im vergangenen Jahr wurde der Abwärtstrend mit Investitionen in Höhe von 350 Millionen Euro zwar vorerst gestoppt, aber von einer ausreichenden Kapitalversorgung für Gründer kann keine Rede sein.

Nach einer Umfrage des Bitkom sollen zwei Drittel der erfolglosen Unternehmensgründer gescheitert sein, weil sie keine Kapitalgeber gefunden haben. Daher setzen 87 Prozent der befragten Gründer Eigenmittel ein. 31 Prozent erhalten Geld der öffentlichen Hand, etwa von Gründerfonds oder Förderbanken. Ein Fünftel leiht sich Geld bei Verwandten oder Freunden, 17 Prozent erhalten einen Kredit von der Bank und bei 13 Prozent engagieren sich Privatinvestoren. Risikokapitalgeber spielen nur bei sechs Prozent aller Gründer als Finanzierungspartner eine Rolle.

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