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Firmen bezahlen Blogger für geschönte Beiträge

24.04.2009 | 13:13 Uhr |

Das Recherchieren im Internet vor einem Produktkauf ist bei den Konsumenten mittlerweile bereits zum Alltag geworden.

Hauptanlaufstelle für preis- und qualitätsbewusste Shopper sind dabei vor allem Blogs und solche Webseiten, die sich auf die Veröffentlichung von User-Meinungen zu bestimmten Produkten spezialisiert haben. Wie das Beispiel der USA zeigt, hat dieser Trend aber auch ein neues Problem entstehen lassen. So setzt inzwischen eine zunehmende Zahl von Unternehmen auf bezahlte Blogger, die per Auftragsarbeit bestimmte Produkte mit einer besonders positiven Meinung bewerten und diese dann auf einschlägigen Seiten im Web veröffentlichen. Einem aktuellen Bericht des Wall Street Journals zufolge hat diese Praxis in den Vereinigten Staaten inzwischen ein derartiges Ausmaß erreicht, dass die "Blogoshäre" um ihre Reputation bangt und die Federal Trade Commission ( FTC ) laut über die Einführung eigener Richtlinien nachdenkt, die Missbrauchsversuche verhindern sollen.

"Das Internet ist das Medium Nummer eins für Kaufentscheide. Was die Informationsmöglichkeit für Verbraucher betrifft, bietet das Netz einen enormen Vorteil. Insbesondere im Web 2.0 findet ein ungemein intensiver Austausch von User-Meinungen zu Produkten und Dienstleistungen statt", stellt Markus Hübner, Geschäftsführer der Brand Management Agentur Brandflow , im Gespräch mit pressetext fest. Dass sich Konsumenten zunehmend im Netz schlau machen, bevor sie sich für ein bestimmtes Angebot entscheiden, liege vor allem an der unglaublichen Fülle und Authentizität der dort zu findenden Testberichte. "Im Moment herrscht in dieser Hinsicht noch große Glaubwürdigkeit im Web. Wie am Beispiel USA ersichtlich wird, nimmt die Gefahr, dass diese Glaubwürdigkeit verwässert wird, aber bereits heute deutlich zu", meint Hübner.

Bislang hätten sich die Verbraucher zur Unterstützung bei Kaufentscheidungen vor allem an spezielle Fachmagazine gewandt. "Im Gegensatz zum Internet haben Produktreviews in Magazinen oft das Problem, dass sie nicht als vollkommen objektiv angesehen werden. Bei User-generiertem Content ist die Gefahr, dass sich ein Autor eines Testberichts vom Hersteller kaufen lässt, nicht in dem Ausmaß gegeben", erklärt der Brandflow-Geschäftsführer. Mit der Vorstellung, dass das Internet ein geschützter Bereich der Authentizität sei, könne es aber bereits in einigen wenigen Jahren vorbei sein. "Die Unternehmen versuchen immer stärker, diese Glaubwürdigkeitsbarriere zu durchbrechen und Meinungen, die online verbreitet werden, bewusst zu manipulieren", betont Hübner.

Dass die FTC angesichts des wuchernden Missbrauchs der Blogger-Glaubwürdigkeit nun in den USA die Einführung eigener Richtlinien plane, sei sicherlich ein prinzipiell richtiger Ansatz. "Die Unternehmen und PR-Agenturen brauchen klar definierte Spielregeln dafür, welches Vorgehen in diesem Zusammenhang erlaubt ist. Auch für den Fall eines nachweislichen Verstoßes muss festgelegt sein, welche Strafe der Übeltäter zu erwarten hat", fordert Hübner. Vorstellbar wäre etwa eine Art Punktesystem, das etwaige Vergehen abgestuft sanktioniert. "Unternehmen und Agenturen müssen sich aber in jedem Fall darüber im Klaren sein, dass die Entdeckung einer bewusst gefälschten Blogmeldung einen enormen Imageschaden für die betroffenen Marken oder Produkte nach sich ziehen kann", so Hübner abschließend. (pte)

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