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China bestreitet Online-Spionage

01.04.2009 | 15:09 Uhr |

Die Regierung der Volksrepublik China hat dementiert an den kürzlich bekannt gewordenen Spionageangriffe auf Regierungscomputer in diversen Ländern beteiligt zu sein. Entsprechende Berichte seien frei erfunden.

Forschergruppen in Kanada und Großbritannien haben Analysen veröffentlicht , wonach Computer von Regierungsstellen, Botschaften, in Staatsauftrag arbeitenden Unternehmen sowie von unabhängigen Organisationen in 103 Ländern seit Jahren Spionageangriffen aus einem als "GhostNet" bezeichneten Botnet ausgesetzt sein sollen. Die britischen Forscher zeigen darin mit dem Finger direkt auf China. Die chinesische Regierung hat die Vorwürfe nun scharf zurück gewiesen.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums hat dazu erklärt, gewisse Leute im Ausland seien offenbar darauf versessen Gerüchte über so genannte chinesische Internet-Spione in die Welt zu setzen. Derartige Berichte seien frei erfunden. China sei ein erklärter Gegner von Angriffen auf Computernetzwerke, so Qin Gang auf einer Pressekonferenz weiter.

Nach Angaben von Zhao Wei, Geschäftsführer des chinesischen Sicherheitsunternehmens Knownsec, ist es mit Hilfe gängiger Suchmaschinen ganz einfach die Quelltexte der eher schlichten GhostNet-Malware zu finden. Fortschrittlicher und in China weiter verbreitet seien massenhafte Angriffe mit so genannten 0-Day-Exploits, die bislang nicht gestopfte Sicherheitslücken ausnutzten. Bei der Analyse einer solchen Attacke habe sein Unternehmen kürzlich vier Millionen infizierter Rechner an einem Tag gefunden.

Ende 2008 gab es in China bereits knapp 300 Millionen Internet-Nutzer, so viele wie in keinem anderen Land. Beliebte Ziele von Malware-Angriffen in China sind Zugangsdaten für Bankkonten und Online-Spiele. Die Täter plündern die Bankkonten nicht sondern stehlen von vielen Opfern nur jeweils sehr kleine Beträge, die nicht auffallen oder nicht gemeldet werden. Bei Online-Spielen werden Waffen oder andere Ausrüstung gestohlen, die die Täter dann an andere Spieler verkaufen.

China hat erst im Februar schärfere Gesetze gegen Online-Datendiebstahl erlassen. Bis dahin war es nur strafbar Regierungscomputer anzugreifen. Die neuen Gesetze gelten für Angriffe auf alle Arten von Rechnern und stellen auch Datendiebstahl bei ausländischen Computern unter Strafe. Ebenso strafbar ist das Programmieren von Software, die das Eindringen in fremde Computer ermöglicht.

Die Analysen der kanadischen und britischen Forscher haben ergeben, dass die seit 2004 beobachteten Spionageangriffe auf IP-Adressen in China zurück gehen. Allerdings ist es auch für Ausländer sehr einfach chinesische Domains zu registrieren. Angreifer erhielten so eine problemlose Plattform zur Verbreitung von Malware, meint Konstantin Sapronov, Leiter des Antiviruslabor von Kaspersky in China. Würde eine Domain blockiert, nehme man eben eine andere und mache einfach weiter.

An der Thematik der Online-Spionage durch Geheimdienste oder in Regierungsauftrag gehen solche Gesetze jedoch vorbei. Hierfür gelten bekanntlich andere Regeln - in China ebenso wie anderswo.

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