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Der Chef als Facebook-Freund

23.04.2010 | 15:03 Uhr |

Soziale Netzwerke werden immer mehr auch am Arbeitsplatz genutzt, teilweise auch geschäftlich. Doch eine Studie zeigt, dass es für die meisten Nutzer von Facebook und Co. nicht in Betracht kommt ihren Chef in die Freundesliste aufzunehmen.

Manche sozialen Netzwerke sind ohnehin auf Business-Nutzer ausgerichtet, etwa Xing oder LinkedIn. Doch auch die eher privat genutzten Dienste wie Facebook halten Einzug ins Büro, Twitter wird ohnehin gerne für Marketing-Zwecke eingesetzt. Eine vom finnischen Antivirushersteller F-Secure beauftragte Studie belegt, dass die Mehrzahl der Facebook-Nutzer auch am Arbeitsplatz im Netz aktiv ist.

An der Umfrage haben zwischen Januar und März dieses Jahres 450 Personen teilgenommen und Fragen zu ihrer täglichen Nutzung von Facebook, Twitter und Co. beantwortet. Dabei ist heraus gekommen, dass 58 Prozent der Facebook-Nutzer ihr Netzwerk regelmäßig auch im Büro pflegen. Doch für 73 Prozent der Befragten ist es nicht denkbar den eigenen Vorgesetzten in ihre Freundesliste aufzunehmen. Sie wollen Beruf und Privat trennen oder befürchten Nachteile für die Karriere, wenn der Chef alles mitlesen kann, was sie so von sich geben.

Zwar verkündet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg trotz aller Kritik an Facebook gerne, die Zeiten der Privatsphäre seien vorbei, doch immerhin 77 Prozent der befragten Facebook-Nutzer entscheiden aktiv selbst, wer Zugriff auf persönliche Informationen erhalten soll. Sie sind demnach also keineswegs so vertrauensselig, wie die eine oder andere Datenschutz-Kassandra behauptet.

Aktiver Selbstschutz vor neugierigen Dritten ist auch durchaus von Nöten. Gerade wer einen Job sucht, muss damit rechnen, dass Personalabteilungen das Internet nach Informationen über die Bewerber durchforsten. Das bierselige Foto von der Party vor zehn Jahren kann da schnell zum Schuss ins Knie werden, denn das Internet vergisst nichts.

Auch allzu offene oder unqualifizierte Meinungsäußerungen können problematisch werden, denn sie führen gerne mal zu Abmahnungen oder gar Entlassungen, wenn der Arbeitgeber davon erfährt. Etwa 35 Prozent der Befragten haben angegeben bereits Kommentare veröffentlicht zu haben, die sie später bereut haben. Doch dann ist es zu spät - auch nach Jahren sind sie im Internet noch auffindbar.

Inzwischen legen auch 70 Prozent der Umfrageteilnehmer regelmäßig Backups an, etwa von Bildern, die sie auf ihrem Account veröffentlicht haben. Gegenüber der Umfrage aus dem vergangenen Jahr ist das eine Steigerung um 14 Prozent.

Die vermeintlich kostenlosen Dienste sozialer Netzwerke haben ihren Preis. Die Nutzer sind Werbebannern ausgesetzt und geben viel von ihrer Privatsphäre preis. Datensammler aller Art profitieren davon. Die Nutzer fordern daher zunehmend Kontrolle und Transparenz. Sie wollen wissen und selbst entscheiden, wer welche Informationen über sie erhält.

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