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Verlage planen eigenen Online-Kiosk

Die willkürliche Zensur von Applikationen durch Apple sorgt bei den deutschen Verlegern für Empörung. "Wir können und werden als Verlage unsere Seele nicht verkaufen, nur um ein paar Kröten von Apple zu bekommen", so Wolfgang Fürstner, Geschäftsführer des Zeitschriftenverbandes VDZ im Gespräch mit Spiegel Online. Er sieht die Pressefreiheit bedroht. Der App Store von Apple wurde bisher als eine technische Plattform angesehen, nicht als Anbieter eigener Medieninhalte. Das rigide und willkürliche Gebahren der letzten Tage hat die Verleger verschreckt.

Apple hatte in den vergangenen Wochen Tausende Anwendungen aus dem App Store entfernt, vor allem solche mit vermeintlich erotischen Inhalten. Große Erotikanbieter wie Playboy oder das Magazin FHM dürfen ihre Apps dagegen weiter unzensiert vertreiben. Für klare Regeln hätten die Verleger Verständnis, so Fürstner. Aber dass der Konzern nachträglich bestimmte Inhalte entferne oder die Regeln verschärfe und nach eigenem Gutdünken einzelne Marken verschone, sei nicht hinnehmbar.

Zwar zeigen sich die Medienmacher gesprächsbereit, haben aber bereits eine Alternative zu iPhone und iPad angekündigt, um "Herr über die eigene Wertschöpfungskette" zu bleiben, so die Branchenzeitung Horizont. Unter Führung der Bertelsmann-Töchter Direct Group und DPV soll ein eigener Online-Kiosk gestartet werden, der allen offen steht. Exklusivität ist keine Bedingung, die Verlage können ihre Inhalte auch weiterhin über andere Plattformen wie iTunes oder den E-Book-Reader Kindle von Amazon verbreiten. Die Plattform soll im Softlaunch online gehen und bis Weihnachten 2010 vollständig laufen.

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