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Nokias Strategie nach Trolltech-Übernahme

29.01.2008 | 14:52 Uhr |

Seitdem Nokia bekannt gegeben hat, dass es die Entwicklerfirma Trolltech übernehmen will, spekuliert die Branche über Nokias damit verbundene Strategie. Die ersten Reaktionen des Analysten scheinen durchwegs positiv auszufallen: Nokia könnte mit der Übernahme seine Produktportefolio deutlich ausweiten, in neue Geschäftsfelder vordringen und dabei Konkurrenten wie Motorola, Google sowie Apple in die Grenzen weisen.

:Der Nokia-Trolltech-Deal lässt Analysten ausgiebig über Ziele und Pläne von Nokia nachdenken, die das englischsprachige Wirtschaftsmagazin Businessweek kurz zusammengefasst hat.

Nokia kann mit der Übernahme auf jeden Fall seine Geschäftsfelder deutlich auszuweiten. Bisher ist Nokia noch immer in erster Linie auf Handys fokussiert. Die kleine aber feine norwegische Firma Trolltech programmiert nun aber Software-Oberflächen, die sich auch auf diversen anderen Kleingeräten, Handsets, Consumer Electronics-Geräten und PCs einsetzen lassen.

Durch die ca. 104 Millionen Euro teure Trolltech-Übernahme gewinnt Nokia also mit einem Schlag erheblich an Flexibilität und zudem an Linux-Know-How. Doch Trolltech ist keineswegs auf Linux beschränkt, sondern unterstützt auch die Windows-Plattform. Nokia kann diesen Wissen ausnutzen, um noch mehr Produkte und Dienstleistungen weit über den Handy-Bereich hinaus zu entwickeln und anzubieten.

Trolltech stellt die Rahmenbedingungen bereit, um Inhalte jeglicher Art, zum Beispiel Filme oder Musikstücke, auf den unterschiedlichsten Endgeräten abspielen zu können. Typische Web-2.0-Angebote mit Interaktivität in Hülle und Fülle lassen sich mit Trolltechs Klassenbibliothek und Entwicklungs-Framework erstellen. Nokia schließt damit eine Lücke in seiner Handy-Software.

Zuletzt mischten vor allem Apple mit dem iPhone und Google mit Android den Mobilfunkmarkt auf. Die Funktionalität des iPhones dürfte bei vielen Handybenutzern zu wachsenden Ansprüchen an Mobilftelefone führen. Mit dem Programmier-Know-How von Trolltech kann Nokia nun diese neuen Erwartungen erfüllen und auch Googles kommenden Android Kontra bieten.

Obendrein verpasst Nokia mit der Übernahme dem direkten Konkurrenten Motorola einen richtig heftigen Schlag. Denn Motorola nutzt Trolltechs Qtopia-Software in seinen Linux-basierten Mobiltelefonen. Motorola wird nun also zumindest in Teilen von der Software-Zulieferung von Nokia abhängig. Nokia wiederum kann die Möglichkeiten von Motorolas Handysoftware bis zu einem gewissen Grad etwas besser kontrollieren oder zumindest einschätzen.

Vermutlich wird Motorola diese direkte Abhängigkeit von seinem Erzrivalen nicht akzeptieren und sich von Qtopia lossagen. Doch die dadurch entstehende Software-Lücke muss Motorola erst einmal wieder schließen. Einige Analysten prognostizieren, dass die Trolltech-Übernahme Motorolas Bemühungen um Linux-basierte Handy-Software um 12 bis 18 Monate zurückwerfen könnte. Mit fatalen Folgen für Motorolas Marktanteile.

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