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Kaspersky-Chef fordert Internet-Regierung

03.03.2009 | 15:20 Uhr |

Der Mitbegründer und Chef von Kaspersky Labs, Eugene Kaspersky, hat zur Lösung aller Sicherheitsprobleme in Verbindung mit dem Internet angeregt, eine Internet-Regierung zu gründen. Nur so lasse sich die Cyberkriminalität wirkungsvoll bekämpfen, so Kaspersky auf der CeBIT in Hannover.

Cyberkriminalität ist vergleichbar einfach zu realisieren, profitabel und für die Angreifer besteht in der Regel keine Gefahr, erwischt zu werden. Das sind die wesentliche Gründe, so Eugene Kaspersky, weshalb Cyberkirminalität überhaupt besteht. Als Beispiel nannte der Sicherheitsexperte einen weltweiten Angriff auf Geldautomaten, bei dem es den Angreifern im Herbst 2008 gelang, binnen 30 Minuten insgesamt über 9 Millionen US-Dollar zu stehlen. Bis heute fehlt den Behörden jede Spur auf die Täter.

Eine Möglichkeit, so Kaspersky, um das Problem Sicherheit in den Griff zu kriegen, sei es die Internet-Dienste zu beschränken. Das sei allerdings ebenso unrealistisch, wie das Ziel, wirklich sichere Betriebssysteme zu entwickeln. "Kein Betriebssystem, egal ob Windows, Linux oder MacOS X ist so designt, dass es wirklich sicher ist", so Eugene Kaspersky. Zumindest theoretisch ließe sich ein Betriebssystem entwickeln, dass sicher wäre, allerdings würde diese Sicherheit mit Eigenschaften des Betriebssystems erkauft, die das Betriebssystem unattraktiv machen würden. Bei einem sicheren Betriebssystem müssten beispielsweise alle Applikationen zertifiziert sein. Die Applikationshersteller müssten dann aber damit leben, dass sie vom Betriebssystem-Hersteller ein Zertifikat brauchen. Letztendlich würde darunter aber die Vielfalt an Software und Diensten leiden.

Eugene Kasperskys Vorschlag für die Lösung des Sicherheitsproblems: "Das Internet-Netzwerk muss wie jedes andere öffentliche Netzwerk behandelt werden." Damit sind Strom-, Wasser- oder beispielsweise Transport-Netzwerke gemeint. Jedes dieser Netzwerke, so Kaspersky, werde staatlich überwacht und für den Zugang zu diesen Netzwerken müssten sich die Teilnehmer registrieren

"Die Anonymität ist einer der wichtigsten Gründe dafür, warum die Cyberkriminalität existiert", meint Eugene Kaspersky und verweist darauf, dass es diverse Möglichkeiten gibt, seine IP-Adresse zu verschleiern. Sein Gedankenansatz für die Lösung des Problems: Es müsste ein Internet-Regierung geben, die das Internet überwacht und den Zugang zum Internet reguliert. Ähnlich, wie man zum Reisen einen Reisepass benötigt, so bräuchte man zur Nutzung des Internets einen Ausweis. Der Vorteil wäre, dass die Internet-Nutzer nicht mehr anonym wären. Dies wiederum gäbe einer Internet-Polizei die Möglichkeit, Cyberkriminelle dingfest zu machen. Auch die Verbreitung von illegalen Inhalten könnte so gestoppt werden. "Und die organisierte Kriminalität und Terroristen könnten das Internet nicht mehr zur Kommunikation nutzen", betont Eugene Kaspersky.

Natürlich weiß auch ein Eugene Kaspersky, dass viele Fragen gelöst werden müssen, ehe so etwas wie eine weltweit für das Internert verantwortliche Internet-Regierung antreten kann. Alle Länder dieser Welt müssten schließlich beteiligt werden und es herrscht nicht in allen Ländern Demokratie, so dass auch unterschiedliche Interessen darüber bestehen dürften, wie viele Freiheiten das Internet bieten muss. Auf lange Sicht geht Eugene Kaspersky allerdings davon aus, dass die Sicherheitsprobleme nur so gelöst werden können. Spätestens dann, so vermutet Kaspersky, wenn es zu größeren regionalen oder globalen Vorfällen kommt, werde damit begonnen, sich Gedanken über irgendetwas in der Art einer Internet-Regierung zu machen.

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