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Fußball-WM: Wer noch kein Ticket hat, braucht Glück

Das erste Spiel der Fußball-WM wird am 9. Juni angepfiffen. Bis dahin ist zwar nicht mehr viel Zeit. Es gibt aber noch allerletzte Möglichkeiten, an ein Ticket für die an sich ausverkauften Spiele zu kommen. Um noch Karten zu ergattern, brauchen Fans aber viel Glück, und nicht alle Wege sind zu empfehlen.

Die offizielle Verkaufsstätte für Resttickets ist das Webportal www.fifaworldcup.com . Hier werden alle Karten, die zum Beispiel von Fußballverbänden weltweit oder von Sponsoren ans Organisationskomitee (OK) der WM in Frankfurt zurückgegeben werden, zum Verkauf angeboten. "Die Last-Minute-Verkaufsphase startet am 1. Mai", sagt OK-Sprecher Jens Grittner - und sie wird bis in die WM hinein andauern. Bis ein oder zwei Tage vor den jeweiligen Spielen rechnen die Organisatoren mit Rückläufern.

Unter dem Button "Resale und Übertragung" finden Interessenten das Angebot, das Karten von Fans an Fans vermittelt. "Dabei gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", erklärt Christian Fronczak vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Ist für ein Spiel wieder eine Karte verfügbar, erscheint rechts neben der Spielpaarung auf der Homepage ein schwarzes "R". "Das müssen Sie dann anklicken - und hoffen, dass Sie der Erste sind", erläutert der Verbraucherschützer.

In diesem Fall öffnet sich ein Bestellfenster, in dem persönliche Daten sowie die Bankverbindung oder Kreditkartennummer eingegeben werden müssen. Voraussetzung ist aber, dass Interessenten über eine Registrierung mit Username und Passwort verfügen, die auf der Homepage angelegt werden können. Letztlich hilft dabei möglicherweise nur dem Tüchtigen das Glück. "Das einzige, was die Chancen erhöhen kann, ist wohl Tag und Nacht davor zu sitzen", sagt Fronczak.

Wer eine Karte ergattern konnte, muss den Ticketpreis sowie 15 Prozent des Ausgabepreises als Gebühr zahlen - zusätzlich aber maximal 15 Euro. Anschließend wird das Ticket per Post zugestellt. "Erst ab Ende Mai ist das dann nicht mehr möglich. Danach müssen die Karten bis einen Tag vor dem jeweiligen Spiel persönlich an den Stadion-Ticket-Zentren in den zwölf Veranstaltungsstädten abgeholt werden", erläutert Fronczak.

Ein weiterer Weg, an ein Ticket zu gelangen, sind die zahlreichen Gewinnspiele etwa von Unternehmen oder Medien. "Dabei sollten Fans überlegen, ob sie bereit sind, ihre Daten offen zur Verfügung zu stellen", rät Fronczak. Bei manchen bisherigen Aktionen sei die Teilnahme an die Abgabe der Daten zur Verwendung bei Marketingzwecken gekoppelt gewesen. "Und dann können die Daten natürlich auch anderswo auftauchen und Werbepost oder -mails nach sich ziehen."

Bleiben bei den Unternehmen unerwartet Tickets übrig, sollen auch diese in den offenen Verkauf zurückgehen. Chancen können sich dabei aber wohl vor allem jene Fans ausrechnen, die im vergangenen Herbst in das so genannte Optionsprogramm des OK eingestiegen sind. Gegen Vorkasse eines vollen Ticketpreises konnten Teilnehmer damals eine Option auf Rückläuferkarten von jeweils maximal sieben Spielen erwerben. Je nach Verfügbarkeit erhalten sie dann ein Ticket, erläutert OK-Sprecher Grittner - oder nach der WM ihr Geld zurück. Von 140.000 Teilnehmern habe die Hälfte bereits ein Ticket erhalten.

Die Optionsprogramm-Teilnehmer "werden wohl zuerst bedient", vermutet Christian Fronczak. Die Hoffnung vieler, auf anderen Wegen im Internet Tickets zu erwerben, enttäuscht der Experte dagegen: Der massenhaften Versteigerung von Karten im Internet habe das OK vorgebeugt, indem die Karten personengebunden ausgegeben werden.

Ein Käufer erstritt zwar in der Woche nach Ostern vor dem Amtsgericht Frankfurt, dass von ihm bei Ebay ersteigerte Tickets auf ihn und seine Freundin übertragen werden. Dabei handelte es sich aber um einen Einzelfall. Grundsätzlich muss das OK einer Übertragung nicht zustimmen, weil immer noch andere Kanäle zum Kauf zur Verfügung stehen. "Wer jetzt bei Ebay eine Karte ersteigert, hat eigentlich keine Chance", sagte der Richter. Auch Verbraucherschützer raten davon ab, es auf diesem Weg zu versuchen.

Wer sich bei der Übertragung eines Tickets ungerecht behandelt fühlt, kann sich aber per Mail an die eigens eingerichtete Ombudsstelle des WM-OKs wenden ( ombudsstelle@ok2006.de ).

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