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Fußball-WM: Bettenbörsen im Internet

Henry aus New York bringt Peter aus Nürnberg eine Kiste Bier mit. Stefano aus Palermo schiebt für eine WG in Hannover eine selbst belegte Pizza in den Ofen. So könnte sie aussehen: die private Völkerverständigung während der Fußball-WM. Viele Anhänger des runden Leders freuen sich auf das internationale Flair und wollen Fußball-Touristen auch eine Bleibe bieten. Angebot und Nachfrage zusammengeführt werden in Online-Bettenbörsen.

Nicht immer sind es solch edle Motive, die zu einem Zimmerangebot bei www.host-a-fan.de , www.wm-zimmer-2006.de , www.edff.net ("Ein Dach für Fans") oder www.wmunterkuenfte.de führen. Mancher Privatvermieter will mit den Gästen auch einfach Geld verdienen. Oft steht aber tatsächlich das Interesse an fremden Kulturen im Vordergrund. "Viele Privatvermieter bieten Besichtigungstouren an oder Fahrdienste zum Stadion. Denen geht es nicht ums Geld", beobachtet Alexandra Tippenhauer, die in Hamburg das Portal "Host-a-fan.de" betreibt.

Das Prinzip der "Bettenbörsen" ist in der Regel gleich: Geboten wird keine Maklerleistung, sondern ein virtueller Marktplatz. Gastgeber und Gast sollen sich online finden und alles Weitere wie die Bezahlung der Nacht auf dem Schlafsofa untereinander klären.

Für denjenigen, der das Zimmer sucht, ist die Web-Dienstleistung kostenlos. Anbieter zahlen zum Teil eine Gebühr: Bei "host-a-fan.de" sind es 9,90 Euro. 11 Euro kassiert das hinter "wm-zimmer-2006.de" stehende Portal "Immobilienscout24" in Berlin. Das Geld fließt hier der Stiftung Jugendfußball von Bundestrainer Jürgen Klinsmann zu. "Diese Schutzgebühr soll verhindern, dass Späßvögel zum Beispiel die Wohnung des Nachbarn inserieren", sagt Firmensprecher Ergin Iyilikci. Bei "edff.net" ist das Angebot für Privatvermieter kostenlos.

Die Unterkunfts-Bandbreite ist groß. Zimmer mit Familienanschluss sind für 20 bis 60 Euro zu haben. "Wir machen da keine Vorgaben, der Preis wird durch Angebot und Nachfrage geregelt", sagt Iyilikci. Bei "host-a-fan" gibt es den Rat, maximal 40 Euro pro Nacht zu verlangen.

Wer selbst zur Miete wohnt und gegen Geld untervermieten möchte, muss seinen Vermieter zwar um Erlaubnis fragen, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. "Der Vermieter kann Nein sagen, wenn die Wohnung völlig überbelegt wäre, also zum Beispiel eine ganze Sambagruppe aus Brasilien auf 30 Quadratmeter einzieht." Ein Grund wäre auch, wenn der Vermieter den Untermieter bereits kennt und ihn aus persönlichen Gründen ablehnt.

Auf den virtuellen Marktplätzen überwiegt im Moment noch das Angebot. Bei "host-a-fan.de" waren es Ende Februar etwa 500 Betten. Bei dem von der Bundesregierung geförderten Projekt "Ein Dach für Fans" sind es rund 10.000 Betten inklusive vieler Schlafplätze in Zeltcamps und in Einrichtungen wie der Westfalenhalle in Dortmund. Als größter Anbieter bundesweit bezeichnet sich "Immobilienscout24". Ziel ist dort, bis zur WM in jedem Austragungsort mindestens 1000 Betten und insgesamt mehr als 20.000 Schlafplätze bereit zu stellen.

Das WM-Endspiel muss dann keineswegs das Ende der "Bettenbörsen" bedeuten. "Wir haben das Angebot schon jetzt ausgebaut auf Fußball-Bundesligaspiele und die internationalen Pokalwettbewerbe", sagt Marc Bialojahn von "Ein Dach für Fans". Bei "host-a-fan" gibt es "die Vision, daraus eine Mitwohnzentrale rund um den Sport zu machen", sagt Tippenhauer.

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