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Führerschein per Mausklick

05.02.2001 | 15:36 Uhr |

Führerschein oder Personalausweis per Mausklick von zu Hause aus schnell und unbürokratisch bestellen: In wenigen Jahren schon könnte es soweit sein. Denn bis 2005 wollen Deutschlands öffentliche Verwaltungen den Bürgern ihre internetfähigen Dienstleistungen online anbieten, kündigte Bundesinnenminister Otto Schily an.

Den Führerschein oder Personalausweis per Mausklick von zu Hause aus schnell und unbürokratisch bestellen: In wenigen Jahren schon könnte es soweit sein. Denn bis 2005 wollen Deutschlands öffentliche Verwaltungen den Bürgern ihre internetfähigen Dienstleistungen online anbieten, kündigte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in Berlin zum Auftakt des 3. Deutschen Verwaltungskongresses "Effizienter Staat" an.

Laut Umfragen wollten 69 Prozent der Bürger ihre Behördenangelegenheiten im Internet erledigen, betonte er. So sei seit November 2000 die Abwicklung der Bafög-Rückzahlung im Netz möglich.

Die private Nutzung des Internets am Arbeitsplatz werde steuerfrei bleiben, sagte Schily. Zum Jahreswechsel habe es in Deutschland rund 20 Millionen Internetnutzer gegeben, davon 40 Prozent Frauen.

"Die heute 13-Jährigen werden es in fünf Jahren nicht mehr verstehen, wenn sie ihren Führerschein oder Ausweis nicht online beantragen können", sagte Schily zu den Plänen. Derzeit sei die Vernetzung mit den Landkreisen allerdings noch unzureichend. Es dürfe nicht sein, dass eine Verwaltung einen Auftrag per Mail bekomme, ihn ausdrucke und konventionell bearbeite. Öffentliche Verwaltungen mit ihrem "großen Beharrungsvermögen" müssten aus eingefahrenen Strukturen gelöst werden.

Friedhelm Gehrmann von der Fachhochschule des Bundes äußerte in einem Interview, das so genannte "E-Government" werde "die öffentlichen Verwaltungen revolutionieren". Hierarchien in den Verwaltungen würden "stark zur Diskussion gestellt". Über Internet-Chat und Mail werde es künftig direkten Kontakt zu den Bürgern geben, Abläufe in Ämtern sollen zudem transparenter werden. Beispielsweise bei einem Umzug müssten die Bürger bald nur noch einem Amt Bescheid geben.

"Die Bürger müssen nicht mehr so oft ins Rathaus rennen", bestätigte Christiane Schrader vom Referat Multimedia des Bundeswirtschaftsministeriums. An die Mitarbeiter in den Verwaltungen würden künftig neue Anforderungen gestellt werden, erklärte Schrader. Mit dem im April 2000 gestarteten Ideenwettbewerb "Lernet - Netzbasiertes Lernen in Mittelstand und öffentlichen Verwaltungen" unterstütze das Wirtschaftsministerium die Entwicklung und Erprobung von Lerndienstleistungen und Softwarelösungen für kleine und mittlere Unternehmen sowie öffentliche Verwaltungen. Insgesamt 145 Ideenskizzen seien eingereicht und zehn Projekte zur Förderung ausgewählt worden.

Ziel des Wettbewerbs sei eine Qualifizierungsoffensive über das Internet. Die Projektideen werden von 2001 an umgesetzt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie stelle für die zehn ausgewählten Projekte rund 30 Millionen Mark bereit und fördert bis zu 50 Prozent der Projektkosten. (PC-WELT, 05.02.2001, dpa/ pk)

www.effizienter-staat.de

www.lernet-info.de

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