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Linux-Entwicklung ist in der Hand der Industrie

23.04.2008 | 13:23 Uhr |

Linux mag zwar im stillen Kämmerlein von Linus Torvalds entstanden sein, doch die Zeiten haben sich geändert. Die großen Hersteller bestimmen nunmehr, was in den Kernel kommt.

Die Open-Source-Organisation 'The Linux Foundation' führt Buch darüber, woher die Beiträge zur Weiterentwicklung des Linux-Kernels her kommen. In ihrem aktuellen Bericht zur Linux-Entwicklung bestätigt sich ein lange anhaltender Trend: Der Anteil des Codes, der nachweislich von unbezahlten Freiwilligen stammt, beträgt nur noch 13.9 Prozent. Führend in der Weiterentwicklung des Linux-Kerns sind hingegen Programmierer, die bei großen IT-Firmen angestellt sind. Zu den fleißigsten Beiträgern zählen Red Hat, Novell, IBM und Intel. In der Liste der prominenten Unterstützer finden sich zudem auch Oracle, Google, HP und Cisco.

Bei rund 13 Prozent der Änderungen ließ sich nicht feststellen, ob sie angestellten oder freiwilligen Entwicklern zuzuordnen sind. Aber selbst wenn dieser gesamte Block unabhängigen Einzelpersonen zugerechnet wird, beläuft sich der Anteil der Beiträge von kommerziellen Herstellern noch auf über 70 Prozent.

Die Motive der beteiligten Unternehmen sind sehr unterschiedlich. Ganz offensichtlich sind die Interessen von Distributoren wie Rad Hat, Novell und Montevista, die für ihr Kerngeschäft ein leistungsfähiges Betriebssystem benötigen. Hardware-Hersteller wie IBM, HP, SGI oder Fujitsu wollen mit ihrem Engagement sicherstellen, dass Linux problemlos auf ihren Servern läuft. Ähnliche Beweggründe haben jene Anbieter, die den Unix-Clone in Geräte wie Kameras, Telefone oder andere Consumer-Geräte einbetten. Selbst Automobilhersteller wollen die Linux-Entwicklung beeinflussen, wenn sie die Software als Basis für ihre elektronischen Systeme gewählt haben. So steuerte VW etwa die Implementierung des PF_CAN-Protokolls bei, das die Kommunikation zwischen Fahrzeugkomponenten gewährleisten soll. (ws)

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