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Freiberufler-Honorare: Zurück zu alten Höhen

29.08.2007 | 11:00 Uhr |

Die Honorare der deutschen IT-Freiberufler steigen im Durchschnitt auf 70 Euro pro Stunde. Damit verlangen sie erstmals wieder so viel Geld wie im Jahr 2003.

Immer mehr IT-Experten positionieren sich mit ihren Honoraren wieder im Hochpreissegment. Heute fordere mindestens jeder vierte IT-Selbständige einen Stundensatz über 80 Euro. Das ergab die aktuelle Stundensatz-Studie der IT-Personalagentur Gulp , die halbjährlich erstellt wird. Die Honorarauswertung basiert auf den Daten der über 60.000 bei Gulp eingetragenen IT-Freiberuflerprofilen sowie den mehr als 400.000 über Gulp abgewickelten Projektangeboten.

Mit der erneuten Stundensatzerhöhung auf nun 70 Euro sind die deutschen IT-Experten ihren österreichischen Kollegen dicht auf den Fersen. Denn deren Honorare blieben im Vergleich zur letzten Auswertung im Februar dieses Jahres stabil bei 71 Euro. Auch die Schweizer erhöhten ihre Preise nicht, sondern verharren ebenfalls auf dem Februarwert von 86 Euro. Unverändert fordern sie damit für Projekteinsätze die höchste Vergütung, jedoch verringern die deutschen IT-Spezialisten auch die Preisdifferenz zu ihnen langsam.

Trotz höherer Stundensätze bleibt die finanzielle Kluft bei den Positionen aber weiter bestehen: Projektleiter und Berater verlangen mit 76 Euro beziehungsweise 73 Euro pro Stunde überdurchschnittliche Sätze. Am wenigsten fordern die Administratoren, die ihre Tätigkeit mit (im Schnitt) 55 Euro pro Stunde in Rechnung stellen. Bei ihnen setzt sich – ebenso wie bei Softwareentwicklern (63 Euro) und Qualitätssicherungsexperten (62 Euro) – der Trend zu höheren Stundensätzen wesentlich langsamer und auf niedrigerem Niveau durch.

Das meiste Geld für Projekteinsätze verlangen mit im Schnitt 72 Euro pro Stunde weiterhin die im Raum Frankfurt am Main ansässigen IT-Freiberufler. Doch andere Regionen holen auf: Nachdem vor einem halben Jahr nur IT-Selbständige in Frankfurt über 70 Euro pro Stunde forderten, wird dieser Wert nun mittlerweile in weiteren drei Bundesgebieten erzielt: So kalkulieren IT-Experten im Raum Hamburg und München mit einem Stundenhonorar von je 70 Euro, in Düsseldorf-Köln-Bonn liegt dieses mit 71 Euro sogar noch etwas höher. Das finanzielle West-Ost-Gefälle bleibt weiter bestehen. Was die Projektanfragen angeht, haben neuerdings IT-Selbstständige im Süden der Republik die besseren Karten: Erstmals richteten die Projektanbieter mehr Anfragen in den Münchner Raum als in die bisher federführende Bankenregion Frankfurt am Main.

Bei den Anbietern nach wie vor begehrt bleiben die "alten Hasen": Mehr als ein Drittel (38 Prozent) ihrer Anfragen richteten sie an Freiberufler, die länger als 20 Jahre in der IT tätig sind. Und das, obwohl diese mit 73 Euro pro Stunde überdurchschnittliche Honorare fordern. Dagegen passiert es immer seltener, dass externe Mitarbeiter mit weniger als zehn Jahren Berufspraxis von ihnen für IT-Projekte angefragt werden, obwohl sie mit maximal 60 Euro pro Stunde deutlich weniger verlangen. Die Altersstruktur der freiberuflich tätigen IT-Experten verschiebt sich immer mehr jenseits der 40. Heute sind bereits über 60 Prozent der IT-Selbständigen älter als 40 Jahre; fast jeder Fünfte (18 Prozent) hat die 50 bereits überschritten. IT-Nachwuchs ist nicht in Sicht - gerade einmal vier Prozent der bei Gulp eingetragenen IT-Freiberufler sind jünger als 30 Jahre. Diese Entwicklung spiegelt sich natürlich auch bei der Auswertung nach Berufsjahren wider.

Die komplette Auswertung ist abzurufen unter:
http://www.gulp.de/kb/st/stdsaetze/sstext_f.html

Der Artikel stammt von Computerwoche.de , der führenden Zeitschrift für IT-Entscheider.

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