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Frech kommt weiter: Skype bittet FCC um freien Zugang zu Mobilfunknetzen

Vor einer Woche bat der VoIP-Betreiber Skype offiziell um die kostenlose Herausgabe von Mobilfunkfrequenzen. Industrie und Handel reagierten verärgert: was man jahrelang mit milliardenschweren Investitionen aufgebaut habe, dürfe nicht nachträglich verramscht werden. Die Anfrage dürfte ohnehin ein nicht ganz ernst gemeinter Versuch zur Erregung von Aufmerksamkeit gewesen sein.

Voice over IP ist der Name des Schreckgespenstes, das Mobilfunker wie Festnetzbetreiber umtreibt: telefonieren Nutzer über ihre Datenflatrates, verdient der Netzbetreiber dabei keinen Cent. Als Wegbereiter und Vordenker dieser immer beliebter werdenden Kommunikationsform forderte Skype in einem Schreiben vom 20. Februar die amerikanische Federal Communications Commission FCC dazu auf, den Zugang zu Mobilfunkfrequenzen und drahtlosen Datennetzen auch für kleinere Unternehmen zu öffnen, um eigene Daten- und Telefondienste zu ermöglichen. Skype beruft sich dabei auf das "Carterfone"-Urteil aus den 60er Jahren, das seinerzeit in Nordamerika AT&T's Monopol auf Festnetztelefone aushebelte und damit anderen Telefongesellschaften den Zugang zum Festnetz ermöglichte.

Die Verantwortlichen der FCC und der Handelsorganisation CTIA reagierten bestürzt und verärgert. Seit vielen Jahren lizensiert die FCC Frequenzen für den Mobilfunk und kassierte wie die deutsche Bundesnetzagentur damit mehrere Milliarden Dollar für die Staatskasse. Skype fordert nun die kostenlose Herausgabe der Lizenzen - und bringt damit das Fass zum Überlaufen. Würde sich die FCC auf den Wunsch einlassen, wäre das Geschäftsmodell der Netzbetreiber obsolet und Funkfrequenzen wertlos - tatsächlich sind aber gerade sie der wertvollste Produktionsfaktor für Betreiber mobiler Kommunikationsdienste.

Darüber hinaus lässt sich das Carterfone-Urteil von 1960 nicht als Präzedenzfall für den Mobilfunkmarkt anführen: der wird nämlich in jedem Land von mehreren großen Betreibern beherrscht, die äußerst starken Wettbewerbsdruck aufeinander ausüben und damit auch Kundenwünschen in Bezug auf Services und Preisgestaltung gerecht werden. In einer Pressemitteilung der CTIA sagt ihr CEO Steve Largent, "Skypes selbstsüchtiger Antrag enthält offensichtliche juristische Fehler und ignoriert nahezu vollständig die Vorteile für Kunden, die der herrschende Wettbewerb hervorbringt."

Davon abgesehen ist es mit modernen Endgeräten nicht sonderlich schwer, über die bestehenden Mobilfunkangebote Dienste wie Skype und Co. zu nutzen. Wenn es auch in Nordamerika laut Vertrag gar nicht stattfinden dürfte, die Nutzung netzfremder Dienste über drahtlose Kommunikationsmittel ist für einigermaßen geübte Nutzer längst kein Problem: via mobilem Internet-Browser, nachinstallierbarem Skype-Client und Streaming-Programmen kann man längst kostenfreie Inhalte des Internets konsumieren, kostenlos mobil Videos anschauen oder telefonieren.

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