iPhone, Xbox, Playstation, Streiks, Selbstmorde

Skandalfirma Foxconn im Portrait

Donnerstag, 25.10.2012 | 10:11 von Hans-Christian Dirscherl, Michael Kan
Skandalfirma Foxconn im Portrait
Vergrößern Skandalfirma Foxconn im Portrait
Wenn der Name das Apple-Zulieferers Foxconn fällt, dann meist in Zusammenhang mit Selbstmorden, Unfällen, überharten Arbeitsbedingungen und neuerdings auch Kinderarbeit. Für wen produziert Foxconn eigentlich welche Geräte? Ist Foxconn eine Ausnahme oder die Regel?
Foxconn ist einer der weltweit wichtigsten Hersteller von PCs, Spielkonsolen, Netzwerkgeräten und Smartphones. Das Unternehmen, das unter anderem das iPhone und das iPad fertigt, schreibt immer wieder Negativschlagzeilen: Selbstmorde von Mitarbeitern, eine Explosion mit Todesopfern, gewalttätige Auseinandersetzungen mit Sicherheitspersonal und Kinderarbeit. Ein Blick hinter die Kulissen.

Drei Tote bei Explosion in iPad-2-Fabrik
 
Foxconn ist ein Unternehmen aus Taiwan, das seine Produktionsstätten überwiegend in der Volksrepublik China besitzt. Foxconn fertigt keineswegs nur für Apple das iPhone und das iPad, sondern versorgt darüber hinaus noch eine Reihe anderer bekannter Markenfirmen mit Hardware. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie ein Gerät besitzen, das von Foxconn hergestellt wurde, ist relativ hoch, viele Marktbeobachter halten die Foxconn Technology Group für den größten Produzenten von Elektronik überhaupt.

Große Krawalle beim Apple-Zulieferer Foxconn

Wenn man von Foxconn in den Medien liest, sind es negative Schlagzeilen. Foxconn wurde so immer mehr zum Synonym dafür, wie sehr man den Faktor „Arbeitskosten“ drücken kann, damit ein Geräte wie das iPhone oder das iPad einen möglichst großen Gewinn erwirtschaftet. Die Rekordgewinne, die Apple meldet, verdanken die Kalifornier auch und besonders Foxconn.

Eine Foxconn-Fabrik in Zhengzhou, China.
Vergrößern Eine Foxconn-Fabrik in Zhengzhou, China.

Nintendo untersucht Kinderarbeit bei Foxconn
 
In der Volksrepublik China beschäftigt Foxconn rund 1,2 Millionen Arbeiter. Das Unternehmen nennt aber in der Regel nicht die Namen der Auftraggeber, für deren Produkte die Foxconn-Arbeiter schuften müssen. Marktbeobachter können die Liste der hergestellten Geräten und damit die Namen der Auftraggeber aber recht gut rekonstruieren: Apple iPhone und iPad, Sony PlayStation 3, Nintendo Wii, Microsoft Xbox 360, Amazon Kindle Fire sind nur einige Beispiele. Dazu Fernseher für Sony, Sharp und  Toshiba. Smartphones/Handys für Nokia, Motorola und Huawei. Netzwerkgeräte für Cisco. Foxconn fertigt zudem PCs für Hewlett-Packard, Dell und Acer.

Foxconn bestätigt Kinderarbeit
 
Cisco, Huawei, Nintendo, Sony und Nokia haben alle offiziell bestätigt, dass sie Foxconn als Produzenten nutzen, wobei Nokia betont, dass es die meisten seiner Telefone in seinen eigenen Fabriken herstellen würde. Acer, Microsoft, Motorola, Sharp und Toshiba dagegen weigern sich zu sagen, wer ihre Geräte fertigt.

iPhone-5-Produktion von Streiks betroffen?

Der mit Abstand wichtigste Kunde von Foxconn ist jedoch Apple. Das kalifornische Unternehmen soll für 40 Prozent des Umsatzes bei Foxconn sorgen, wie taiwanische Analysten vermuten. Manche Marktbeobachter sprechen sogar von bis zu 50 Prozent Umsatzanteil durch Apple. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Apple und Foxconn sind so eng, dass Foxconn sogar komplette Fabriken nur für Apple aus dem Boden gestampft hat, wie Helen Chiang von IDC sagt. Damit kam Foxconn den Geheimhaltungswünschen von Apple nach, dass die vielen Leaks und Vorabveröffentlichungen von Details zu seinen neuesten Produkten verhindern will. Apples Erfolge diesbezüglich halten sich aber in Grenzen, wie die frustrierten Kommentare von Apple-Mitarbeitern zeigen. Andere Produzenten gehen übrigens ähnlich streng vor: Quanta Computer nutzt beispielsweise einen ganzen Flur einer Fabrik nur für HP und einen anderen Flur nur für Dell.

Foxconn-Mitarbeiter drohten mit Selbstmord - Microsoft untersucht Vorfall

Die Arbeitnehmerschutzvereinigung China Labor Watch hat kürzlich einen Bericht über die Arbeitsbedingungen in zehn chinesischen Fabriken veröffentlicht, darunter Foxconn, Quanta, Catcher Technology und Compal Electronics. China Labor Watch fand demnach Anzeichen für erzwungene deutliche Mehrarbeit und harte Arbeitsbedingungen und für schlechte Unterbringung der Arbeiter.

Apple untersucht Selbstmorde bei iPhone-Hersteller

Allerdings betonen Arbeitnehmerschützer, dass die Bedingungen in den für Apple arbeitenden Fabriken nicht die schlechtesten sind. Auch in den Fabriken, die für Samsung, HTC, Motorola, Amazon und Nokia arbeiten, gebe es Probleme. Und Apple würde sich durchaus um eine Überwachung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen bemühen.

Donnerstag, 25.10.2012 | 10:11 von Hans-Christian Dirscherl, Michael Kan
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