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Software liefert Überwachungsvideo-Kurzfassung

12.06.2010 | 13:39 Uhr |

Israelische Informatiker haben eine Software entwickelt, die kurze Zusammenfassungen von Überwachungsvideos erstellt. Das macht es möglich, die Aufzeichnungen bei Bedarf wesentlich schneller zu sichten. "Wir erfassen dazu alle Objekte im Video und ordnen sie zeitlich dichter an", erklärt Shmuel Peleg, Informatikprofessor an der Hebrew University of Jerusalem, gegenüber pressetext.

Unter optimalen Bedingungen lassen sich so Überwachungsvideos eines ganzen Tages teils in nur 20 Minuten sinnvoll darstellen. "Falls ein Video ständig voller bewegter Objekte ist, kann die Software freilich nicht so viel leisten", sagt der führend an der Entwicklung beteiligte Wissenschaftler. In der Praxis sei aber in der Regel eine deutlich gekürzte Zusammenfassung möglich, wie er am Beispiel der Verkehrsüberwachung erklärt.

Zunächst werden bewegte Objekte, im Beispiel also Fahrzeuge, identifiziert. Dann wird ermittelt, wo und wann im Video wirklich etwas passiert. "Indem wird die natürliche Abfolge dieser Ereignisse durchbrechen, können wir viel Zeit sparen", so Peleg. Ein Beispiel wäre, wenn im Bereich einer Kamera der Verkehr einmal in der linken Spur, dann wieder in der rechten Spur fließt. "Die Zusammenfassung kann das Video dann um die Hälfte kürzen, indem beide Richtungen gleichzeitig angezeigt werden", beschreibt der Informatiker.

Außerdem können Objekte dichter gepackt werden. "Wir brauchen im Video keinen Sicherheitsabstand", meint Peleg. Somit können eigentlich in einigem räumlichen und zeitlichen Abstand aufeinander folgende Autos praktisch Stoßstange an Stoßstange in einem Bild gezeigt werden. "Die resultierende Zusammenfassung wird somit fünf- bis zehnmal kürzer." Genau darin liegt der große Vorteil gegenüber einer herkömmlichen Bewegungserkennung. Freilich bietet die Lösung aber auch die Möglichkeit, auf das Originalvideo umzuschalten, um auffällige Szenen genauer zu studieren.

Wie viel die Software leisten kann, hängt letztendlich davon ab, wie viel Dynamik im Bildbereich herrscht. Das Überwachungsvideo einer Seitenstraße kann beispielsweise deutlich knapper zusammengefasst werden als das einer Hauptverkehrsader. Jedenfalls verspricht die Lösung auch dann Vorteile, wenn eine Organisation viele Mannstunden für Video-Sichtungen aufwenden könnte. Denn Studien zufolge werden Menschen nach etwa 20 Minuten unaufmerksam, wenn sie Überwachungsvideos ansehen, so die Hebrew University in einer Aussendung.

Die patentierte Software wird bereits vom Start-up BriefCam vermarktet. Dieses konnte sich mit einer Lösung den IFSEC Security Industry Award 2010 als bestes Produkt im Bereich Überwachungskamerasysteme sichern.

(pte)

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