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Breitband-Mininetzwerk für Militärtrupps

08.11.2009 | 15:15 Uhr |

Forscher am Centre for Secure Information Technologies (CSIT) der Queen's University in Belfast arbeiten an einem Millimeterwellen-Übertragungssystem für das Militär.

"Es ermöglicht Kommunikation mit sehr hoher Bandbreite für kleine Teams", sagt William Scanlon, Professor für drahtlose Kommunikation in Belfast, im Gespräch mit pressetext. Dank sehr begrenzter Signalausbreitung ist es auch äußerst abhörsicher. Mit dem genutzten Frequenzband bei 60 Gigahertz (GHz) sind Scanlon zufolge Übertragungsraten von mehreren Gigabit pro Sekunde realisierbar, sodass Trupps problemlos auch Echtzeit-Videos und taktische Informationen per Nahbereichs-Netzwerk austauschen können. Die grundlegende Technologie hinter dem Projekt für das britische Verteidigungsministerium ist aber auch für nichtmilitärische Anwendungen interessant.

Im militärischen Einsatz ist zu erwarten, dass sogenannte Body-to-Body-Networks (BBN) auch unter extremen Umweltbedingungen zum Einsatz kommt. "Dennoch müssen sie äußerst zuverlässig, effizient und sicher gegen Störsignale oder Abfangen und Entschlüsseln durch feindliche Kräfte sein", betont Projektleiter Simon Cotton. Die 60-GHz-Strahlung breitet sich nicht sehr gut und nicht durch Objekte aus. "Aufgrund der geringen Wellenlänge können wir die Kommunikation aber fokussiert zielrichten", sagt Scanlon. Das erlaubt eine effiziente Übertragung direkt zwischen Mitgliedern kleiner Trupps. Außerdem wird es extrem schwierig für Feinde, das Signal zu bemerken, geschweige denn abzuhören. Derzeitige militärische Kommunikationssysteme dagegen seien im Prinzip verschlüsseltes WLAN und entsprechend angreifbar, so der Elektroniker.

Noch existieren die BBNs primär im Computer. "Unsere Aufgabe ist es, sie Realität werden zu lassen, indem wir modellieren, wie die Geräte in realen Situationen funktionieren", erklärt Cotton. Das ermöglicht eine kosteneffiziente Entwicklung von Systemen, die dann wirklich auch unter unterschiedlichen Bedingungen zuverlässig einsetzbar sind. "Dazu modellieren wir spezifische Einsatzszenarien mit State-of-the-Art-Animationstools, die normalerweise für Computerspiele genutzt werden", erklärt der Wissenschaftler. Entscheidend ist dabei freilich nicht die Animation an sich, sondern eine damit verbundene präzise Simulation der Ausbreitung der elektromagnetischen Wellen, so Scanlon.

Der Experte betont ferner, dass zur technischen Umsetzung Chips geeignet sind, wie sie für kommerzielle Anwendungen entwickelt werden. Das Prinzip der BBNs wiederum wäre auch auf den zivilen Bereich übertragbar. "Bei einem Konzert möchte man vielleicht einen Videostream der eigenen Bühnensicht mit einem Freund teilen, der gerade Getränke holt", nennt Scanlon ein Beispiel.

Generell ist es gerade für soziale Anwendungen nicht unbedingt erforderlich, das Informationen über das Internet statt direkt übertragen werden. Das Glasgower Projekt eines Bluetooth-Chats für Sportfans sei trotz der Einschränkungen von Bluetooth grundsätzlich als ähnliches Konzept zu verstehen, so der Wissenschaftler gegenüber pressetext. (pte)

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