Auto & Technik auf PC-WELT

Audio- oder Multimedia-Systeme, Navis, eCall und mehr: Die Elektronik in modernen Autos wird immer ausgefeilter. Wir testen die Multimedia- und Multifunktionssysteme von Audi, BMW, Mercedes, Toyota und vielen Herstellern mehr.

1909766

Ford wirft Windows aus dem Wagen (Update 4.3.)

04.03.2014 | 09:06 Uhr |

Bisher läuft das Navigations- und Infotainmentsystem Sync with MyFord Touch mit Windows. Doch Ford will laut US-Medienberichten weg von Windows und stattdessen QNX verwenden. Update 4.3.2014: Die Stellungnahme von Microsoft liegt vor.

Ford Sync ist das Infotainmentsystem von Ford. In Deutschland ist der Funktionsumfang von Sync noch überschaubar, in den USA dagegen bietet das InCar-Infotainmentsystem Sync seit 2010 in seiner Top-Variante Sync with MyFord Touch deutlich mehr Funktionen (mit Navigation, Touchscreen, Sprachsteuerung, Internetanbindung und Apps).

Allerdings machte dieses umfangreichere Sync MyFord Touch, mit dem in den USA zirka sieben Millionen Fahrzeuge unterwegs sind, auch durch zahlreiche Probleme von sich reden. Unter anderem durch einfrierende Bildschirme, Abstürze, schlecht reagierende Touchscreens, eine schwerfällige Sprachsteuerung und ähnliche Probleme, wie US-Medien berichten. Prompt verklagten genervte Auto-Fahrer Ford deswegen. In Qualitätsreports von JD Power stürzte Ford seit Einführung von MyFord Sync mit Windows massiv ab.

Alle Auto-Tests der PC-WELT auf einen Blick

Jetzt scheint Ford die Konsequenzen aus dem Desaster zu ziehen. Und wechselt das zu Grunde liegende Betriebssystem aus. Sofern ein Bericht von Bloomberg zutrifft. MyFord Sync läuft nämlich bisher mit Windows embedded. Künftig soll Ford aber das Echtzeit-Betriebssystem QNX für sein Infotainmentsystem inklusive der Navigationsfunktion verwenden, wie Bloomberg berichtet.

Gratis-PC-WELT-Newsletter Auto & Technik abonnieren

QNX gehört dem angeschlagenen kanadischen Unternehmen Blackberry. QNX sei nicht nur schneller und flexibler als Windows, bei QNX seien auch die Lizenzierungskosten niedriger als bei Microsoft, wie Bloomberg erfahren haben will.

Es muss nicht immer Windows sein

QNX ist genauso wie Windows ein proprietäres Betriebssystem, der Quellcode des Kernels ist aber einsehbar und für den privaten Gebrauch ist QNX kostenlos. Für den professionellen Einsatz muss man das Echtzeit-Betriebssystem QNX lizenzieren. QNX ist mit Linux und Unix verwandt und gehört somit zu den unixoiden Betriebssystemen. QNX ist typischerweise für den Embedded-Einsatz konzipiert, der Benutzer sieht im Auto von dem OS eigentlich nichts und kann darauf auch nicht direkt zugreifen.

QNX wird bei vielen Navigations- und Infotainmentsystemen als Betriebssystem eingesetzt. So sollen unter anderem Volkswagen, Audi und BMW sowie Porsche QNX verwenden. Allerdings drängt auch Google auf diesen Markt – mit Android. Dafür hat es zusammen mit verschiedenen Automobil-Herstellern wie beispielsweise Audi, General Motors, Honda und Hyundai aber auch mit dem Grafikkartenspezialisten Nvidia die Open Automotive Alliance gegründet. Und natürlich versucht auch Apple mit iOS im Auto Fuß zu fassen und arbeitet hierfür mit BMW, Daimler, General Motors und Honda zusammen.

Für Microsoft wäre der Verlust von Ford als Kunden sehr schmerzhaft. Ford soll nach Analysten-Meinung der wichtigste Abnehmer von Windows im Bereich Automobile sein. Neben Ford verwenden wohl auch noch Kia, Fiat, Nissan und wieder BMW Windows in einigen ihrer Modelle.

Wir haben Microsoft und Ford um Stellungnahmen gebeten. Sobald diese vorliegen, tragen wir sie hier als Update nach.

Update 3. März 2014: Mittlerweile hat uns Ford eine Antwort auf unsere Anfrage geschickt. Diese Stellungnahme lässt allerdings mehr Fragen offen als sie beantwortet:

„Wir kommentieren Spekulationen nicht. Ford und Microsoft sind seit langem Partner und werden auch weiterhin zusammenarbeiten. Ford arbeitet außerdem mit einer Vielzahl von Technologie-Unternehmen zusammen um unsere InCar-Konnektivitätssysteme weiter zu entwickeln und kontinuierlich zu verbessern.

Sync 2 startet in Europa im neuen Focus und wird danach in weiteren europäischen Modellen erhältlich sein. 'Sync 2 is powered by Microsoft'. Microsoft ist ein wichtiger Zulieferer und Partner bei unseren fortlaufenden Bemühungen die Qualität von Sync für unsere Kunden zu verbessern“.

Von Sync gibt es abe r vier Varianten . Wenn also Microsoft bei Sync 2 doch noch mit an Bord ist, dann sagt das noch nichts über den OS-Lieferanten für die Top-Variante MyFord Touch aus. Um die geht es ja bei dem Bloomberg-Bericht und bei den Meldungen über ernste Probleme. Man kann die Antwort also durchaus so interpretieren, dass Windows bei den einfacheren Sync-Varianten weiter zum Einsatz kommen könnte, bei der problematischen Top-Variante MyFord Touch Ford dagegen auf QNX setzen könnte. Natürlich ist das Spekulation, ein klares Dementi sieht jedoch anders aus.

Update 4. März: Stellungnahme von Microsoft

Microsoft verfährt in dieser Frage wie gehabt: Das Unternehmen kommentiert keine Gerüchte und gibt zu dieser Frage keine Stellungnahme ab.

0 Kommentare zu diesem Artikel
1909766