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Praxis-Test: Wir bauen den Fischertechnik 3D-Drucker zusammen

01.12.2016 | 16:22 Uhr |

Den Fischertechnik 3D-Drucker bauen Sie selbst zusammen. Ohne löten und Spezialwerkzeug. Wir machen den Test - wie einfach ist der Zusammenbau wirklich?

Fischertechnik 3D-Drucker - wie einfach ist der Zusammenbau?

Einen 3D-Drucker zum selber bauen verkauft Fischertechnik seit Sommer 2016 (siehe unten). Der Preis für den „Fischertechnik 536624 - Konstruktionsspielzeug, 3D Printer“ ist seit der Vorstellung spürbar gesunken: 699,95 Euro war die UVP bei Verkaufsstart, jetzt bekommen Sie den Drucker für unter 520 Euro - der günstigere Preis kommt genau passend zum Weihnachtsfest.

Gedruckte Anleitung, Bauteile und Verbrauchsmaterial.
Vergrößern Gedruckte Anleitung, Bauteile und Verbrauchsmaterial.

Denn der 3D-Drucker-Bausatz könnte für einen Technik-Begeisterten das perfekte Weihnachtsgeschenk sein. Doch wie einfach ist der Zusammenbau für jemanden, der sich sonst nicht mit Fischertechnik-Bausätzen beschäftigt? Wir machen den Test.

Die ersten Schritte.
Vergrößern Die ersten Schritte.

Mit Fischer-Technik-Bausätzen haben wir keine Erfahrung. Insofern stellt der doch recht komplexe Bausatz eine Herausforderung dar. Dank der gut strukturierten und durchgehend bebilderten Anleitung konnten wir den Drucker bis jetzt aber problemlos zusammensetzen. Nur an zwei Stellen, bei denen es darum geht, unerwünschtes Axialspiel zu vermeiden, war die Anleitung für Nicht-Fischertechnik-Bastler etwas verwirrend. Wir meisterten diese Passagen aber intuitiv richtig.

Die beiden Bodenhälften werden verbunden.
Vergrößern Die beiden Bodenhälften werden verbunden.

Für den Zusammenbau erwies sich eine Zange als unverzichtbares Hilfsmittel. Um die kleinen roten „Befestigungsschienen“ in den größeren Bausteinen an die richtige Position zu bringen. Das stand so allerdings nirgends in der Anleitung. Ohne Zange ist das eine sehr mühsame Arbeit, mit Zange geht es dagegen ruck, zuck. Einen Lötkolben oder Spezialwerkzeug benötigen wir aber in der Tat nicht, insofern hat Fischertechnik sein Versprechen gehalten. Alle Verbindungen werden beim 3D-Drucker gesteckt und einige wenige Teile von Hand zusammen geschraubt.

Es geht nach oben. Die beiden Achsen links und rechts dürfen kein unerwünschtes Axial-Spiel haben. Sie müssen aber auch beweglich sein. Bis jetzt sind sie das.
Vergrößern Es geht nach oben. Die beiden Achsen links und rechts dürfen kein unerwünschtes Axial-Spiel haben. Sie müssen aber auch beweglich sein. Bis jetzt sind sie das.

Wichtig ist eine gute Ausleuchtung des Arbeitsplatzes und genaues Hinsehen. Damit jeder Baustein mit der korrekten Ausrichtung (links/rechts, oben/unten) eingebaut wird. Sehr hilfreich ist es außerdem, wenn man sich die Erklärvideos von Fischertechnik im Web anschaut. Die Videos ergänzen die mitgelieferte gedruckte Anleitung und erklären Problemfälle beziehungsweise Stellen, an denen es beim Zusammenbau haken könnte.

Zwischen-Fazit

Der Rücken schmerzt, die Finger sind etwas rau von dem vielen Kunststoffgefummel, doch der Zusammenbau macht richtig Spaß. Der Drucker macht einen sehr robusten Eindruck, da wackelt nichts. Ob er aber auch tatsächlich druckt, werden wir erst in einigen Tagen wissen.

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Um diesen Drucker geht es

Fischertechnik verkauft seit August einen 3D-Drucker zum Selberbauen. Laut Fischertechnik handelt es sich dabei um „den weltweit ersten 3D-Drucker aus einem Baukastensystem“. Wir hatten Fischertechnik mit dem neuen Drucker in der Redaktion zu Besuch.

Vorteil I: 3D-Druck-Technik verstehen

Der Vorteil gegenüber einem bereits fertig zusammengebauten 3D-Drucker: Sie verstehen beim Zusammenbau das Konstruktionsprinzip und die Technik eines 3D-Druckers. Zudem besitzt der Fischertechnik-3D-Drucker kein Gehäuse, Sie können ihm somit bei der Arbeit genau zusehen. Der Fischertechnik 3D-Drucker nutzt das Verfahren Fused Filament Fabrication (FFF) zum Druck.

Vorteil II: Kein Lötkolben nötig

Der Vorteil des Fischertechnik-Baukasten gegenüber herkömmlichen 3D-Drucker-Bausets: Im Gegensatz zu sonstigen 3D-Drucker-Bausets sind weder Werkzeug noch Lötarbeiten beim Aufbau und der Inbetriebnahme erforderlich. Das spart Zeit und verhindert Betriebsunterbrechungen durch schadhafte Lötstellen.

3D-Drucker: So erhöhen Sie die Druckqualität

Fischertechnik verkauft den Baukasten mit 890 Bauteilen des 3D-Drucker-Herstellers German RepRap GmbH. Unter den Bauteilen befinden sich vier Schrittmotoren, drei Minitaster, eine beheizte Düse mit Temperaturüberwachung und ein Druckbett mit Druckplatte sowie ein Schaltnetzteil zur Stromversorgung. Der Drucker besteht großenteils aus Kunststoffteilen von Fischertechnik, zuzüglich einiger Aluminium- und Elektronikteile. Die Baukästen werden laut Unternehmen ausschließlich in Deutschland hergestellt.

Eine Bauanleitung leitet Schritt für Schritt zum voll funktionsfähigen 3D-Drucker. Außerdem legt Fischertechnik Begleitinformationen dazu, die neben Geschichtlichem über die Technologie Wissenswertes zu den Komponenten, zum Druckverfahren und vor allem zum Design der Konstruktions- und Druckdaten erläutern.

So finden Sie den richtigen 3D-Drucker

In der Bibliothek der Software sind verschiedene fertige Druckbeispiele als druckfähige G-Codes gespeichert. Zudem werden zum Download G-Codes für den Druck von Fischertechnik Zubehör angeboten. Bei der Vorführung durch Fischertechnik druckten wir damit einen Einkaufswagen-Chip und einen kleinen Fischertechnik-Männchen-Hammer aus.

Diese beiden Teile druckten wir am 20.9.2016 um 13.30 Uhr in der Redaktion aus.
Vergrößern Diese beiden Teile druckten wir am 20.9.2016 um 13.30 Uhr in der Redaktion aus.

Die mitgelieferten Vorlage kann der Benutzer aber nicht verändern oder an seine Wünsche anpassen. Die Software erlaubt es aber aus Internet-Datenbanken importierte oder selbst mit einem CAD-Programm gestaltete STL-Dateien in der Fischertechnik Software 3D Print Control zu verarbeiten und im sogenannten Slicer in einen druckfähigen G-Code umzuwandeln. Die dafür nötige Software müssen Sie sich aber selbst besorgen und sich auch selbst darin einarbeiten.

Der Fischertechnik 3D-Drucker aus dem Baukasten
Vergrößern Der Fischertechnik 3D-Drucker aus dem Baukasten
© Fischertechnik

Im Baukasten enthalten ist ein Filament (1,75 mm Durchmesser) für erste Druckobjekte. Die Verwendung von Polylactid (PLA) als Filament ermöglicht es, ein unbeheiztes Druckbett zu verwenden. Zudem soll das BuildTak-Druckbett eine gute Haftung des Filaments bieten, das sich nach dem Abkühlen mit der mitgelieferten Spachtel einfach ablösen lassen soll. Bei der Vorführung in der Redaktion klappte das einwandfrei. Die ausdruckbaren Objekte können bis maximal 6,5 cm hoch sein.

Beim Ausdruck ist Geduld erforderlich, gerade etwas größere Objekte können durchaus mehrere Stunden Druckzeit benötigen. Die Druckersoftware 3D Print Control zeigt fortlaufend an, wie lange der Drucker noch benötigt, wie viele Schichten er noch zu drucken hat und mit welcher Temperatur er druckt.

Dieses für den Druckprozess optimierte Filament kann in acht verschiedenen fischertechnik Farben auf 50- und 500-g-Ringen bei fischertechnik bestellt werden. Während eines Druckvorgangs können Sie die Farbe durch den Austausch des Filaments wechseln. Kleines Manko: Fischertechnik bietet keine passende Abdeckung für den fertig zusammen gebauten Drucker an. Angesichts der vielen filigranen Details und weil das Druckbett ja immer sauber sein sollte, empfiehlt es sich den Drucker mit geeignetem Material abzudecken.

Der Druckprozess wird mit dem 3D-Controller gesteuert. Dieser beinhaltet neben einem Atmel Microcontroller eine USB-Schnittstelle für den Computer, vier Schrittmotorentreiber für die X-, Y- und Z-Achsen sowie den Extruder, einen Leistungsausgang für die beheizte Düse des Extruders, Anschlüsse für drei Endschalter, einen Temperatursensor und eine DC-Buchse für eine 19-Volt-Spannungsversorgung. Beim Druckprozess wird der Extruder von Fischertechnik Schneckenantrieben über die Druckplattform geführt, wie der Hersteller erklärt.

Die im Baukasten mitgelieferte Druckersoftware 3D Print Control (CD-ROM) ist für Computer mit den Betriebssystemen Windows 7, 8 und 10 speziell auf den fischertechnik 3D-Drucker abgestimmt. Computeranwender mit einem Linux- oder macOS-Betriebssystem sollen den Fischertechnik 3D-Drucker mit der kostenfreien Software RepetierHost betreiben können. Diese soll bei Funktionsumfang und Bedienbarkeit identisch mit der Fischertechnik 3D Print Control sein, genauer gesagt handelt es sich bei der Druckersoftware 3D Print Control nur um eine von Fischertechnik gebrandete Version von RepetierHost. Linux- und macOS-Anwender sollten also gegenüber Windows-Anwendern nicht benachteiligt sein. Mit einer wichtigen Ausnahme: Die Druckersoftware 3D Print Control liefert Fischertechnik bereits mit den wichtigsten Voreinstellungen für den Drucker aus, bei RepetierHost für Linux und macOS muss man die nötigen Paramenter dagegen von Hand eintragen.

Der Slicer und die Druckersteuerung können individuell auf den Fischertechnik 3D-Drucker abgestimmt werden, wie Fischertechnik verspricht.

Stolzer Preis

Die UVP von Fischertechnik liegt bei 699,95 Euro. Damit dürfte sich der 3D-Drucker als hochwertiges Weihnachtsgeschenk oder Geburtstagsgeschenk für Technik-Begeisterte empfehlen.  Auf Amazon ist der Fischertechnik 3D-Drucker aber bereits für 659 Euro erhältlich.

Technische Daten

Druckbereich: 115 x 100 x 65 mm Druckgeschwindigkeit: 37 mm/s
Schichtdicke: mindestens 0,2 mm
Filament-Durchmesser: 1,75 mm
Düsen-Durchmesser: 0,5 mm
Material: Polylactid (PLA)

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