22.09.2008, 11:47

Tanja Palesch

Firefox-Lizenz

Mozilla reagiert auf Proteste von Linux-Community

In der vergangenen Woche hatte die Linux-Community empört auf die Firefox-Lizenzbestimmung reagiert, die Nutzer vor dem Start der Ubuntu-Distribution lesen und akzeptieren mussten.
In der Welt von Windows und Mac OS X sind solche Endnutzerlizenzvereinbarungen (End user license agreement, EULA) gang und gäbe, nicht jedoch in der Linux-Gemeinde und anderen Open-Source-Umgebungen. Entsprechend irritiert zeigten sich Ubuntu-Nutzer, als die neue Version von Firefox 3.0.1 mit einer Endnutzerlizenz-Bestimmung startete. Sie stießen sich am Sinn der EULA, da der Firefox als Open Source unter der Mozilla Public License (MPL) steht, die dem Nutzer weitgehende Rechte einräumt. Auch die Art der Präsentation und die juristisch abstrakte Formulierung des Texts wurden ungnädig aufgenommen.
Mitchell Baker, Vorsitzende der Mozilla Foundation, reagierte nun auf die heftige Kritik. In einem Blog-Eintrag
schreibt sie: „Es stimmt, der Inhalt der Lizenzvereinbarung ist falsch. Korrekt ist, dass der Code von FLOSS-Lizenzen (Free/Libre Open Source Software) bestimmt wird. Es ist keine typische EULA, wie in der aktuellen Version. Dies nicht mit Ubuntu und anderen Distributoren abzustimmen und die Lizenzbestimmung für eine Überprüfung zu veröffentlichen, war ein Riesenfehler.“ Man habe erkannt, dass alles, was einer EULA ähnele, für Verwirrung sorge, selbst wenn der Inhalt FLOSS-basiert sei. Der EULA-Dialog wird deshalb abgeschafft und voraussichtlich beim ersten Start durch eine HTML-Seite mit Informationen oder eine Info-Box ersetzt.
Ubuntu-Gründer und Finanzier Mark Shuttleworth hatte die Ubuntu-Gemeinde in der vergangenen Woche auf die EULA-Bestimmung aufmerksam gemacht, in der aufkommenden Debatte aber zur Besonnenheit gemahnt. Er fände es zwar schade, dass Mozilla eine Lizenzbestimmung für notwendig hält, sinnlose Beschimpfungen seien jedoch wenig konstruktiv. Auch freie Software habe eine rechtliche Basis, ebenso wie die Markenrechte von Firefox. Wer sich deshalb in seinen eigenen Rechten beschnitten fühle, verstünde das Prinzip offener Software falsch.
Mozilla-Mitarbeiter Harvey Anderson erklärte, die EULA hätte so heftige Kritik hervorgerufen, weil Nutzer damit konfrontiert wurden, die sich normalerweise nicht mit so etwas auseinandersetzen müssten und weil die Inhalte nicht zu den Werten der Linux-Gemeinde und Mozilla passten. Auf seiner Website stellte er Entwürfe für eine überarbeitete Fassung vor.
Währenddessen musste das Update von Firefox 3.0.2 wegen einiger Fehler um eine Woche verschoben werden, so dass Mozilla ausreichend Gelegenheit hat, die Lizenz zu überarbeiten. Vermutlich wird die neue Firefox-Version in der kommenden Woche verfügbar sein.
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