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Finanzspritze oder Tod auf Raten ? Access kauft PalmSource

04.04.2006 | 16:52 Uhr |

Über 300 Millionen US-Dollar will der japanische Software-Entwickler ACCESS verflüssigen, um das Sorgenkind des mobilen Betriebssystemmarktes PalmSource zu akquirieren. Nach Pleiten, Pech und Pannen, einer lang erwarteten aber nie erschienenen sechsten Version des beliebten PalmOS-Systems, die einzig und allein PalmSource verantworten kann und Gerangel um die neu hinzugewonnene Plattform Linux führen zu dem - aus Sicht unserer Redaktion - desaströsen Schritt, den PalmSource nun angesichts der Finanzgewalt der Japaner gehen muss. Auch wenn ACCESS mit seinem Vorzeigeprodukt Netfront einen Browser entwickelt, der auf einer Vielzahl von Endgeräten - auch auf Linux, Symbian und Windows Mobile - seinen Dienst verrichtet, dürfte die Chance, dass PalmOS Cobalt in Schwung bzw. auf einige Geräte kommt, äußerst gering sein. Der Schritt ist auch deshalb so überraschend, weil man eigentlich davon ausging, das der vor weniger als zwei Jahren abgespaltene Gerätehersteller Palm (vormals PalmOne) ein Vorkaufsrecht für die Aktien genießt, die jetzt im Einkaufswagen von Access liegen.


Die Amerikaner dürfte die Akquisition zwar nicht allzu stark berühren, da man sich mittlerweile ganz offensichtlich dazu entschieden hat, als alternative Betriebssystemplattform Windows Mobile einzusetzen, aber ohne Tränen und viel Wehmut dürfte der Deal nicht aufgenommen worden sein.

Schließlich beherrschte das ehemalige Unternehmen Palm mit Betriebsystem und Endgeräten den PDA-Markt deutlich. Mit dem Sprung auf den Zug der multimedialen und multitaskingfähigen Smartphones haben beide Unternehmen stark zu kämpfen gehabt: Palms Treo 650 ist hingegen ein spannendes Gegenbeispiel gegen alle diesbezüglichen Vorurteile.

Spannend bleibt auch die Frage, ob Access' Entscheidung mit der Vorstellung von Motorolas erstem iTunes-Handy ROKR einhergeht: das von Palm hergestellte LifeDrive soll zwar eine vergleichbare, wenn auch professionellere Zielgruppe ansprechen, fischt aber verkaufstechnisch eher im Trüben. Vielmehr dürfte der aktuelle Aktienkurs von PalmSource die Japaner zur Kaufentscheidung bewogen haben: nach einem Jahrestief von $7,39 stieg er aufgrund von Akquisitionsgerüchten im Vorfeld auf etwas mehr als zehn Dollar. Access legt als Übernahmegeschenk noch deutlich etwas drauf: $18,50 wollen die Japaner pro Aktie zahlen.

Mehr Informationen
» ACCESS Netfront: Smarter Browser für smarte Phones
» Special: PalmOS ist tot .

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