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WestLB reißt Sparkassen mit in den Abgrund

06.11.2008 | 11:43 Uhr |

Deutschen Sparkassen drohen wegen Investitionen in riskante Wertpapiere durch Geschäfte mit der WestLB immense Abschreibungen.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, steht in Nordrhein-Westfalen nun eine ganze Reihe von zum Großteil kleineren Häusern vor Problemen. Hintergrund für die Belastungen sind Geschäfte mit der Landesbank WestLB , die den kommunalen Bankinstituten in Nordrhein-Westfahlen zwischen 2003 und 2006 in großem Stil sogenannte CDO-Papiere (Collateralized Debt Obligations) verkauft hat. Wie die Zeitung schreibt, seien die Transaktionen im Rahmen des fünf Mrd. Euro schweren Programms "House of Europe" durchgeführt worden. Ersten Informationen nach scheinen alle Fäden bei der WestLB zusammenzulaufen. Schließlich hatten die WestLB-Investmentbanker die hochkomplexen Kreditpapiere nicht nur vertrieben, sondern auch selbst entworfen.

"Hinter CDO-Papieren kann sich sehr viel verbergen. Es handelt sich hierbei jedoch um eine Form der Bündelung und Verbriefung von Krediten mit einer gegenüber anderen Produkten höheren Renditeerwartung", unterstreicht Dirk Arning, geschäftsführender Gesellschafter bei der Drescher & Cie Gesellschaft für Wirtschafts- und Finanzinformation. Dass man sich auf Seiten der Sparkassen allzu leichtfertig den Produkten der WestLB angenommen hat, ist für den Kapitalmarktexperten kein gutes Aushängeschild in Bezug auf die Sparkassenchefs: "Wenn nun eine Klage der Sparkassen gegen die Landesbank im Raum steht, halte ich diese für wenig erfolgversprechend. Schließlich müssten sich die Sparkassen-Verantwortlichen die Frage gefallen lassen, ob sie die ihnen angebotenen Produkte überhaupt verstanden haben", so Arning weiter.

Mit den Fehlspekulationen scheint sich der Mythos der Sparkassen, gegenüber den privaten Großbanken in der Finanzkrise relativ glimpflich davon gekommen zu sein, nun mehr und mehr aufzulösen. Da die WestLB den Sparkassen in Nordrhein-Westfahlen mehrheitlich zu 50,4 Prozent gehört, sind die Institute durch Beteiligungen an den Landesbanken mittelbar von den Turbulenzen an den Finanzmärkten berührt. Da von direkten Belastungen einzelner Häuser aber nichts zu hören war, galten die Sparkassen bislang als Fels in der Brandung in der Finanzkrise. Von den Sparkassenverbänden hieß es in den vergangenen Wochen und Monaten lediglich, dass man nur in einem geringen Ausmaß in die ausfallgefährdeten Papiere investiert hätte. Die CDOs hinterlassen Spuren, da einige Häuser diese im Eigenhandelsbestand Depot A oder in gravierendem Umfang abschreiben müssen. Vor allem kleinere Sparkassen leiden.

Obwohl kein kommunales Institut involvierten Kreisen nach vor unlösbaren Problemen steht, seien die aus dem WestLB-Programm herrührenden Belastungen für einige Häuser "ziemlich schlimm", zitiert der Bericht einen Eingeweihten. Daher müssten diverse Institute sogar stille Reserven anzapfen und teilweise komplett auflösen, um überhaupt noch Gewinn ausweisen zu können. Neben den CDOs sorgen sich mehrere Sparkassen nun auch um ihre Investitionen in die WestLB-Gesellschaft WestLB New York Capital Investment. Dort haben die Sparkassen und die WestLB selbst je rund 500 Mio. Euro investiert. Obwohl die Investmentgesellschaft etwa in Papiere, die auf Kreditkartenforderungen, Immobiliendarlehen oder Bankenanleihen investiert, gebe es bis dato aber noch keine Ausfälle, so Sparkassenvorstände. Unklar ist, ob die WestLB die House-of-Europe-Papiere alleinig an die Sparkassen verkauft hat. (pte/jp)

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