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Google Apps erhält Videofunktion

03.09.2008 | 15:24 Uhr |

Der speziell auf Unternehmen ausgerichtete Büro- und Kollaborationsdienst Google Apps Premier Edition hat nun auch einen Videodienst zu bieten.

Anwender können mit Google Video für Unternehmen Filme in Google Apps hochladen und Mitarbeitern zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung stellen – ähnlich wie beim populären Videoportal Youtube .

Google Apps ist in drei verschiedenen Versionen erhältlich. Während Google Apps Standard und Education gratis zur Verfügung stehen, kostet die Premier Edition jährlich 50 US-Dollar pro Anwender. Für den Videodienst fallen aber keine Zusatzkosten an.

Google glaubt, dass auch Firmen jeglicher Größenordnung von der wachsenden Popularität der Online-Videos profitieren können. So könnten Mitarbeiter zum Beispiel per Videoclip über Weiterbildungsmöglichkeiten, Unternehmensnachrichten oder Firmenveranstaltungen informiert werden.

Matthew Glotzbach, Direktor des Produktmanagements für Unternehmen bei Google, ist der Ansicht, dass der Videodienst die Zusammenarbeit in Firmen grundlegend verändern wird. Bei der Entwicklung von Google Video für Unternehmen hätte man darauf geachtet, dass der Dienst wie die ganze Apps Premier Suite einfach zu bedienen sei.

Die Videoclips können bis zu 300 Megabyte groß sein. Jede Apps-Premier-Edition-Domain erhält außerdem 3 Gigabyte Videospeicher pro Nutzerkonto. Administratoren stehen eine Reihe von Kontrollmöglichkeiten zur Verfügung. Beispielsweise können sie Clips bearbeiten oder löschen, Tags hinzufügen oder Bewertungen abgeben.

In der Zeit vom 8. September 2008 bis zum 9. März 2009 steht Google Video in einer kostenfreien Testversion auch für Google Apps Education bereit. Danach wird der Dienst pro Nutzer jährlich 10 US-Dollar kosten.

Da es sich für die meisten Firmen finanziell nicht lohnt, unternehmensintern eine derartige Videoplattform einzurichten, erhofft sich Google von dem Videodienst einen entscheidenden Vorteil für Google Apps gegenüber den Wettbewerbern. Der Dienst nutze dieselbe Technologie wie Youtube, um urheberrechtwidrige oder andere unangemessene Inhalte zu löschen.

Weitere Bestandteile der Apps Suite sind unter anderem der Webmail-Service Google Mail, der Instant-Messaging-Dienst Google Talk, der Terminplaner Kalender, das Programm Google Docs und die Webanwendung Google Sites.

Mit Apps folgt Google dem populären Trend hin zu Software as a Service (SaaS). Dabei stellen Anbieter Dienstleistungen und Programme über das Internet zur Verfügung. Statt die Software selbst auf dem eigenen Rechner zu haben, benötigen Nutzer lediglich einen Zugang zum Internet und einen Browser, um dann beim Diensteanbieter auf die Anwendungen zuzugreifen. Viele halten dieses Modell für zukunftsweisend, da sich Anwender so nicht mehr selbst um die Installation und Aktualisierung der Programme kümmern müssen. Außerdem sind die webgestützten Anwendungen darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit mehrerer Nutzer zu fördern und zu vereinfachen, da Dokumente auf einem zentralen Server lagern statt auf einem einzelnen PC.

Kritiker sorgen sich allerdings um die Sicherheit der Hosting-Software und der Daten auf den Servern des Anbieters. Problematisch ist außerdem, dass Nutzer bei Serverproblemen unter Umständen keinen Zugriff auf ihre Daten haben und auch die zur Verfügung stehende Leistung nicht kontrollieren können. Auch dass die Nutzung über das Internet erfolgt, sieht nicht jeder positiv. Zumindest in diesem Punkt versucht Google, die Kritik mit der Software Gears zu entkräften. Mit dem Browser-Plug-in sollen sich Web-Anwendungen künftig auch offline nutzen und betrachten lassen.

Das Unternehmen 2nd Wind Excercise Equipment hatte sich im Februar entschlossen, statt eines Microsoft-Exchange-Upgrades auf Google Apps umzustellen. Für das Exchange-Upgrade hätte die Firma mit ihren 330 Mitarbeitern neue Hardware kaufen und insgesamt 225.000 US-Dollar investieren müssen.

Laut Tom Kelly, dem Finanzvorstand und CIO des Unternehmens, war schnell klar, dass Google Apps Premier Edition dieselben Anforderungen zu einem wesentlich geringeren Preis erfüllte. Entsprechend hat 2nd Wind Excercise Equipment die Zahl seiner Microsoft-Lizenzen drastisch reduziert. Mit Google Apps ist die Firma sehr zufrieden. Das gilt auch für die Videofunktion, die das Unternehmen in den vergangenen zwei Monaten testen konnte. Laut Kelly konnte 2nd Wind Excercise Equipment sogar seine TV-Spots vom bisherigen Provider zu Google transferieren, was eine Ersparnis von jährlich 12.000 US-Dollar bringt.

Die Qualität des Videostreamings sei nach Angaben von Kelly sehr gut, die Videos liefen schnell und flüssig. Buffering-Probleme gäbe es nicht.

Rebecca Wettermann, Analystin bei Nucleus Research , erklärt, die Videofunktion sei sehr interessant für Geschäftskunden, speziell für Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen. Google täte gut daran, Apps-Anwendern die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten klar zu machen. Im Geschäftsalltag gäbe es häufig Gelegenheiten, bei denen ein kurzer Videoclip schneller und effizienter sei als eine Mail oder ein Telefonat.

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