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U2-Manager begrüßt Anti-Piraterie-Gesetz Frankreichs

09.04.2009 | 18:39 Uhr

Paul McGuiness, der Manager der bekannten irischen Rockband U2 hat sich im britischen Guardian zum neuen Anti-Piraterie-Gesetz in Frankreich zu Wort gemeldet. Das von der französischen Regierung unter Staatspräsident Nicolas Sarkozy initiierte Gesetz sei "die richtige Lösung für ein gewaltiges Problem", erklärt McGuiness.

Ein Vorgehen, bei dem Nutzer, die nachweislich urheberrechtlich geschütztes Material illegal aus dem Web heruntergeladen haben, nach dem dritten Verstoß für bis zu zwölf Monate aus dem Netz verbannt werden können, sei "fair und ausgewogen". "Ich glaube, dass diese Regelung in der Praxis sehr gut funktionieren wird", ist der Manager, der U2 seit mittlerweile bereits über 30 Jahren betreut, überzeugt. Sicherlich gebe es auch viel Gegenwehr angesichts der neuen Bestimmungen. "Mir ist aber noch keine brauchbare ökonomische Alternative zu dem gerade eingeführten System untergekommen", so McGuiness.

Der Vorstoß, den Frankreich mit dem neuen Gesetz unternommen habe, sei richtungsweisend für die zukünftige Entwicklung im Anti-Piraterie-Kampf. "Dort wo Frankreich hingeht, wird der Rest der Welt womöglich auch bald nachfolgen", meint der U2-Manager. Präsident Sarkozy habe mit seiner Initiative dazu beigetragen, dass Frankreich heute die "moralische Führung" in der Piraterie-Debatte eingenommen habe. "Frankreich hat sich im Kampf gegen Online-Piraterie von Anfang an mit einer sehr restriktiven Strategie hervorgetan. Das aktuell beschlossene Gesetz stellt eine konsequente Fortführung der bisherigen Politik dar", bestätigt Matthias Leonardy, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) gegenüber pressetext. Die von Präsident Sarkozy vorangetriebene Initiative sei zwar prinzipiell begrüßenswert, vertrete inhaltlich aber eine sehr extreme Position. "Was die Verfolgung von privaten Nutzern von Filesharing-Angbeoten im Web betrifft, ist das französische Modell sicherlich viel radikaler als der entsprechende Ansatz, den die GVU für Deutschland vorschlägt", stellt Leonardy klar.

Zur Untermauerung seiner Position nennt der U2-Manager gleich mehrere Gründe, warum das sogenannte "Three-Strikes"-Gesetz und die damit verbundene härtere Anti-Piraterie-Gangart in Frankreich ein Schritt in die richtige Richtung seien. "Die Krise der Musikbranche ist real. Eine ganze Generation von Künstlern sieht sich heute in ihrer Lebensgrundlage bedroht. Die Investitionskanäle von Industrieseite in den Aufbau von Karrieren werden zunehmend trocken gelegt", erläutert McGuiness. Von dieser Entwicklung seien alle gängigen Geschäftsmodelle betroffen, sowohl neue als auch alte. "Die Welt der Musik verändert sich rapide und neue Geschäftsmodelle sind schnell zur Hand. In einer Welt, in der bei 95 Prozent der Musik-Downloads kein Geld in die Taschen der Künstler fließen, sind aber auch diese Fortschritte bedroht", betont McGuiness. Mit dem französischen Modell sei in dieser Hinsicht eine "dramatische Verbesserung" der Situation möglich.

Dem Vorwurf vieler Kritiker, dass das neue Gesetz die Grundrechte und Freiheiten der Bürger wesentlich beschneiden würde, kann der U2-Manager nichts abgewinnen. "Der Graduated-Response-Ansatz gibt sich besondere Mühe, fair zu sein und die Rechte der Internetnutzer zu respektieren. Ein System von steigenden Warnungen, das als ultimative Abschreckung für vorsätzliche Gesetzesbrecher die temporäre Sperrung des Internetzugangs vorsieht, ist ein transparenter und angemessener Weg, um das Konsumentenverhalten zu beeinflussen", führt McGuiness aus. Dass die Internetprovider sich am Schutz der Urheberrechtsbestimmungen beteiligen würden, habe überhaupt nichts mit einer Überwachungsgesellschaft zu tun, so der Branchenexperte. ( pte )

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